Das kostet der Aufbau einer Nachhaltigkeitsabteilung
Nachhaltigkeitsmanagement ist in vielen Unternehmen zu einer zentralen Aufgabe geworden. Was früher oft nur eine Nebenaufgabe in Abteilungen wie Kommunikation, Compliance oder Marketing war, wird heute in den meisten Unternehmen von spezialisierten Abteilungen abgedeckt. Dies ist jedoch nicht überall der Fall, weshalb sich die Frage stellt: Mit welchem Budget müssen Unternehmen rechnen, die eine Nachhaltigkeitsabteilung neu aufbauen wollen?
Durchschnittliche Teamgröße im Nachhaltigkeitsmanagement
Die Teamgröße im Nachhaltigkeitsmanagement variiert je nach Unternehmensgröße. Laut dem im Juli veröffentlichten Sustainability People Report haben Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitenden im Mittel eine Vollzeitstelle für das Thema Nachhaltigkeit geschaffen. In Unternehmen mit 501 bis 5.000 Mitarbeitenden sind es in der Regel zwei Stellen, und Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden beschäftigen im Schnitt sechs Personen in diesem Bereich. Nicht eingerechnet sind hier Personen, die aus verschiedenen Fachabteilungen heraus ebenfalls zum Nachhaltigkeitsmanagement beitragen (z.B. zur Datensammlung), jedoch nicht explizit als Nachhaltigkeitsmanager:innen eingestellt sind.
(Klicken Sie zum Vergrößern der Abbildung bitte hier.)
Personalkosten und verfügbare Budgets
Das mittlere Jahresgehalt (Median) von Nachhaltigkeitsmanager:innen in Deutschland liegt bei 72.000 Euro. Entscheidend für die Höhe des Gehalts ist neben den Faktoren Berufserfahrung und Personalverantwortung vor allem die Unternehmensgröße. Dem Sustainability People Report zufolge steigt das Gehalt tendenziell mit der Unternehmensgröße: Nachhaltigkeitsmanager:innen in mittleren (501-5.000 Mitarbeitende) und großen (> 5.000 Mitarbeitende) Unternehmen verdienen im Mittel 70.000 beziehungsweise 91.000 Euro pro Jahr. Damit liegt das Gehalt in größeren Unternehmen deutlich über dem in kleineren Unternehmen (bis 500 Mitarbeitende) – hier beträgt es 60.000 Euro.
Auch die Budgets, die den Nachhaltigkeitsmanager:innen zur Verfügung stehen – etwa für Schulungen, Tools oder Beratung – variieren stark. So müssen „Solo-Abteilungen“ in kleinen Unternehmen im Median mit 37.000 Euro pro Jahr auskommen, während Abteilungsleitungen in großen Unternehmen (mehr als 5.000 Mitarbeitende) im Median eine halbe Million Euro pro Jahr zur Verfügung haben.
Beispielrechnungen: Kosten des Nachhaltigkeitsmanagements
Auf Basis dieser Grundannahmen lassen sich verschiedene Szenarien für die zu erwartenden Kosten des Nachhaltigkeitsmanagements erstellen. Dabei wird davon ausgegangen, dass immer eine Person im Team die Personalverantwortung trägt, während der Rest des Teams aus Mitarbeitenden ohne Personalverantwortung besteht.
- Kleine Unternehmen (< 500 Mitarbeitende) müssen laut Sustainability People Report mit jährlichen Kosten zwischen 97.000 und 323.000 Euro rechnen.
- Bei mittleren Unternehmen (501-5.000 Mitarbeitende) liegen die Kosten zwischen 110.000 und 510.000 Euro pro Jahr.
- Große Unternehmen (> 5.001 Mitarbeitende) sollten zwischen 770.000 und 1.650.000 Euro pro Jahr einplanen.
Die Autor:innen der Studie betonen jedoch, dass diese Werte nur als Orientierung dienen sollen. Nicht in die Berechnung eingeflossen sind anfallende Lohnnebenkosten für den Arbeitgeber. Zudem könnte insbesondere für sehr große Unternehmen die Kategorie „> 5.001 Mitarbeitende“ zu unspezifisch sein, um exakte Aussagen für das eigene Unternehmen treffen zu können.
(Klicken Sie zum Vergrößern der Abbildung bitte hier.)
Riccarda Crantz, Head of ESG inhouse bei EY Deutschland, kommentiert die Zahlen: „Wir sehen hier unterschiedliche Herangehensweisen in der Praxis. Eins ist aber klar: um ein solides Nachhaltigkeitsmanagement einzuführen bedarf es qualifizierte Ressourcen, Wissen, internes Netzwerk und Budget. Mit den genannten Budgetgrößen können Geschäftsführungen einen Eindruck bekommen, was es an finanziellen Mitteln braucht, um zu starten – das ist oft die erste Hürde.“
Eines wird jedenfalls deutlich: Gutes Nachhaltigkeitsmanagement erfordert Investitionen.
__
Über die Studie
An der Befragung zum „Sustainability People Report“ haben im Mai 2024 insgesamt 532 Personen teilgenommen. Ausgewertet wurden die Angaben von 356 Personen, die als vollzeitangestellte Nachhaltigkeitsmanager:innen tätig sind. In die Auswertungen zu nichtfinanziellen Leistungen, Arbeitsplanung und Zufriedenheit fließen die Angaben von weiteren 90 Teilzeitbeschäftigten ein. Teilnehmende, die als Nachhaltigkeitsberater:innen oder in anderen Funktionen tätig sind, wurden bei der Auswertung nicht berücksichtigt. Um die Unabhängigkeit der Studie zu gewährleisten, wurde Dr. Manuel Reppmann mit der Durchführung beauftragt. Manuel Reppmann forscht seit über 10 Jahren zum Thema Nachhaltigkeit in Unternehmen.
Blick auf die Studienergebnisse im Publikationswebinar:
-
EmpCo-Richtlinie: Ein scharfes Schwert gegen Greenwashing
312
-
ESG – Definition und Bedeutung für Unternehmen und Investoren
137
-
Schneller zum Ziel mit KI
63
-
CSRD-Praxisguide: Doppelte Wesentlichkeitsanalyse
38
-
CSRD: Ein praxisorientierter Blick auf die ersten Berichte
35
-
ESRS: Übersicht aller Datenpunkte zu Set 1 veröffentlicht
35
-
Wesentlichkeitsanalyse nach CSRD: ein dynamisches Projekt
34
-
Green Hushing: Wenn die Nachhaltigkeitskommunikation verstummt
22
-
Die wichtigsten ISO-Normen für Nachhaltigkeit in Unternehmen
20
-
Zur Vorbehaltsprüfung von Nachhaltigkeitsberichten
18
-
Durchbruch in Brüssel: Einigung zum Nachhaltigkeitsomnibus erzielt
09.12.2025
-
Nachhaltiges Essen aus dem Biertank
05.12.2025
-
„ESRS hat sich als Rahmenwerk etabliert – es führt kein Weg zurück“
03.12.2025
-
Einfach vernünftig: Wie die Uniklinik Tübingen nachhaltig wirtschaftet
02.12.2025
-
Antifragilität: Wie Störung stärken kann
27.11.2025
-
everwave: Die Plastikflut an der Quelle stoppen
25.11.2025
-
„Wenn Nachhaltigkeit zur neuen Norm wird, haben wir wirklich etwas verändert“
19.11.2025
-
Pragmatisch statt perfekt: Wie KMU den nachhaltigen Wandel anstoßen
17.11.2025
-
Alle warten auf Brüssel. Nur die Zukunft nicht
12.11.2025
-
Hey Circle: Mehrwegverpackungen für den Online-Handel
11.11.2025