Corporate Citizenship

Alle packen an! Welchen Wert haben Social Days? Und für wen?


Senioren Hände halten

Einmal im Jahr mit den Mitarbeitenden etwas Gutes tun? An sogenannten „Social Days“ bringen Unternehmen ihre Mitarbeitenden zusammen, um gemeinsam Gutes zu tun. Das Engagement hat Wirkung und steht gleichzeitig in der Kritik. Wie kann das sein?

Etwa jede dritte Person engagiert sich ehrenamtlich – gibt Essen an Obdachlose aus, erklärt Seniorinnen und Senioren, wie Smartphones funktionieren, engagiert sich freiwillig im Rettungsdienst oder schreibt Social-Media Posts für soziale Organisationen. Die Möglichkeiten, sich zu engagieren, sind vielfältig und die Wirkung ist in fast allen Fällen klar ersichtlich. Sowohl kleine Organisationen als auch die großen Wohlfahrtsverbände, ganz besonders aber deren Zielgruppen, profitieren vom Support Ehrenamtlicher. Wenn nun noch Unternehmen dazu beitragen, dass die Zahl ehrenamtlicher Menschen zunimmt, gewinnen doch alle, oder? Die Antwort lautet: Jein. 

Bevor wir weiter in das Thema einsteigen, noch eine kurze Verortung: 

Bei einem Social Day engagieren sich Mitarbeitende eines Unternehmens an einem festen Tag gemeinsam für einen guten Zweck. Das private Engagement Einzelner wird auf eine organisationale Ebene gehoben – statt einer ehrenamtlichen Person engagieren sich ganze Teams innerhalb ihrer bezahlten Arbeitszeit. Deshalb sprechen wir hier auch von Corporate Volunteering. Entsprechend wird das Engagement auch unternehmerisch gesteuert und oft auch durch verschiedene Tools und Anbieter unterstützt. Warum Unternehmen sich engagieren, scheint klar: 

Organisationen bringen sich im Rahmen ihrer Corporate Social Responsibility (CSR), also aufgrund ihrer sozialen Verantwortung, ein. Der Social Day fällt in den äußeren von CSR, das Corporate Citizenship (CC). Hier taucht alles auf, was eine Organisation „zur guten Bürgerin“ macht, also neben dem ehrenamtlichen Engagement auch die Spende an den lokalen Fußballverein. Aber ist der Wunsch, etwas zurückzugeben, der einzige Grund für Social Days? Nein, es gibt auch weitere Beweggründe – teilweise sind diese auch mit Kritik verbunden. 

Wie kann Gutes tun, schlecht sein? 

Es ist alles eine Frage der Perspektive. Wenn Sie am Ende des Jahres 1.000 Euro für einen guten Zweck spenden, spüren sie das vermutlich. Wenn Sie einen Tag lang Seniorinnen und Senioren mit einer Rikscha durch Berlin fahren (hier finden Sie dieses Ehrenamt) spüren sie das definitiv, und zwar in den Beinen! Unverhältnismäßig wird es, wenn eine große Bank 1.000 Euro spendet. Und vermutlich würden Sie auch kritisieren, wenn der Ölkonzern einmal jährlich ein paar Mitarbeitende entsendet, um Rikscha zu fahren, oder? Interessanterweise tauchen diese Beispiele auch noch gerne im Nachhaltigkeitsbericht mit einer Doppelseite auf… Was ist also richtig? 

„Meist geht es bei Social Days darum, eine schöne Story zu erzählen, die man mit schönen Bildern untermalen kann. Social Days sind sicherlich gut fürs Marketing, aber sind sie es auch für die Gesellschaft? Wenn man wirklich etwas verändern möchte, kann man zwei Wege gehen: Symptome behandeln oder man versucht, systemische Hebel zu bedienen. Viele der klassischen CSR-Maßnahmen sind eine nette Beschäftigung, aber kein Hebel für Veränderung“, sagt Michael Wunsch, Co-Gründer vom Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland und der Initiative Wirkungsmanagement. 

Glaubhaft ist Engagement, ob von Einzelpersonen oder Unternehmen, eben dann, wenn es ehrenamtlich bleibt und nicht für Marketingmaßnahmen instrumentalisiert wird. Leider ist es oft nicht das letzte noch fehlende Mittel intensiver CSR-Bemühungen, sondern bleibt eines der wenigen. Die Kritik hier: die Ausschließlichkeit, mit der Social Days durchgeführt werden.  

Social Days liegen im äußeren Verantwortungsbereich von CSR. Am wichtigsten und für die Gesellschaft langfristig am dienlichsten ist es, im inneren und mittleren Verantwortungsbereich tätig zu werden. Das bedeutet: Nachhaltigkeit muss in die Geschäftstätigkeit und Wertschöpfungsprozesse. Wenn Unternehmen soziale Verantwortung zeigen wollen, sollten sie den Weg von innen nach außen gehen. Am Beispiel einer Bank bedeutet das, Umweltkosten zu betrachten, zu internalisieren und zu steuern. Also nicht in Rüstung und Waffen zu investieren, sondern in Solar und Windparks, denn da liegt der eigentliche Hebel – worauf auch Michael Wunsch hinweist.

Wer sich von außen nach innen bewegt oder es gar bei einem Social Day belässt, betreibt nur eins: Greenwashing. 

Zweifelsohne berechtigt ist auch eine grundsätzliche Kritik an Social Days bzw. am Ehrenamt. Ehrenamt hat seine Freiwilligkeit verloren – es ist notwendig geworden. Ehrenämter gleichen Lücken in der staatlichen Daseinsvorsorge aus, sagt Soziologin Tine Haubner. Auf gut Deutsch: Der dritte Sektor funktioniert (nur noch?), weil Menschen unentgeltlich arbeiten. Die Tafeln sind zum Beispiel mittlerweile für viele „essenziell, um über die Runden zu kommen“, so Haubner im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Wenn Menschen nicht mehr ohne können, weist das auf strukturelle Probleme hin, die sich durch ein Ehrenamt nicht verändern. 

Warum gibt es also noch Social Days? 

„Corporate Volunteering wirkt auf drei Ebenen: Es trägt dazu bei, soziale Probleme anzugehen und hilft Menschen vor Ort. Es kann die Attraktivität von Arbeitgebenden und deren Bindung zu ihren Mitarbeitenden stärken und fast am wichtigsten: Es befähigt und berührt die Menschen, die sich beteiligen und hat eine echte Strahlkraft – weit über den Tag hinaus“, sagt Sebastian Prassek, Mitarbeiter der Engagement-Plattform Vostel. 

So überrascht es nicht, dass die Beteiligung von Mitarbeitenden am Corporate Volunteering weltweit steigt, wie die Zahlen des Global Corporate Volunteering Quotients 2025 zeigen. 

Auch im Recruiting wirken die Social Days: Zalando bietet zwei bezahlte Volunteering Days als Leistung in 8 Jobausschreibungen an und Organisationen wie On Purpose bieten zwei Stunden pro Monat bezahlte Arbeit in Ehrenämtern. Geschäftsführerin Hanna Weck sagt dazu: „Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich unsere Kolleg:innen im Rahmen ihrer Arbeitszeit engagieren können. Wir machen das gerne als Team, wichtig ist uns aber, dass es allen freisteht, wo sie sich engagieren. Dann ist die Identifikation wesentlich höher und auch der positive Impact. Wir machen das schließlich nicht für schöne Bilder, sondern um Veränderung zu bewirken“. Auch in den Stellenausschreibungen von On Purpose tauchen die Volunteering-Stunden auf und schärfen das Gesamtbild der Organisation. 

Auch der Monitor Unternehmensengagement 2025 zeigt, dass Unternehmen den Wert von Corporate Volunteering gerade im Recruiting-Bereich sehen. 90 Prozent der Großunternehmen nennen Arbeitgeberattraktivität, 85 Prozent Mitarbeitendenbindung und 55 Prozent Kompetenzentwicklung als Mehrwerte durch das Engagement. In allen Punkten Zuwächse von 8 bis 14 Prozentpunkte seit der letzten Befragung 2018.  

Und wir sehen: Das Marken- und Imageargument steht zwar bei 85 Prozent, hat aber knapp 10 Prozentpunkte verloren.Das Marken- und Imageargument verliert dagegen an Gewicht (85 Prozent, –9 Prozentpunkte gegenüber 2018) 

Wie setzt man einen Social Day um?  

Die Kurzantwort lautet: In Eigenregie oder mit Unterstützung!  

Wer auf Unterstützung setzen möchte, findet bei Plattformen, wie Go Volunteer, vostel oder lets act erfahrene Ansprechpartner, die beim gesamten Prozess begleiten: dem gemeinsamen Abstecken des relevanten Rahmens, der Suche nach konkreten Projekten, der Organisation des Events, der Materialbeschaffung uvm.  

Als Vermittler zwischen Unternehmen und Projekten sind die Plattformen mit den Bedarfen beider Seiten vertraut. Insbesondere Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitenden profitieren vom Support, damit rechtzeitig alle notwendigen Fragen beantwortet werden. Auch ermitteln die Plattformen passende Angebote aus ihrem breiten Pool unterstützenswerter Projekte. Ein Blick auf die entsprechenden Webseiten hilft die unterschiedlichen Angebote zu vergleichen. Diese unterscheiden sich in Preis, Ausrichtung und Tiefe der Betreuung.  

Bei einer selbstorganisierten Umsetzung ist meist die Zusammenarbeit mit großen Kooperationspartnern wie dem Deutschen Rote Kreuz sinnvoll, die solche Angebote selbst auf der Webseite listen. Aber auch kleinere Organisationen haben das Thema auf dem Schirm! Ein Beispiel ist das Berliner aber deutschlandweit tätige Start-Up LifeTeachUs, welches Ausfallstunden, Projekttage und regulären Unterricht in Schulen mit praxisnahen Life-Lessons von Personen aus unterschiedlichen Lebens- und Berufswelten füllt. 

Eine Frage der Ressourcen 

Für welches Vorgehen sich Unternehmen entscheiden, hängt letztlich von den eigenen Ressourcen ab. Die Kernfrage bleibt, welche Ressource gespart werden soll: die selbstständige Umsetzung eines Social Days spart Geld, die Zusammenarbeit mit einem Partner vor allem Zeit.  

Am wichtigsten ist, dass die Maßnahme vom Team gewünscht und getragen wird – schließlich sollen alle mitmachen! Wer hierzu auch noch Vorgesetzte abholen muss, findet ebenfalls bei den Anbietern, aber auch in Green-Teams-Netzwerken neben Gleichgesinnten auch die passenden Argumente und Erfahrungsberichte. 

Abschließend noch eine persönliche Empfehlung: Ein Social Day mit dem Team kann der eigenen Organisation vieles bringen. Den Mitarbeitenden bringt es vor allem Spaß. Gedanken um einen Greenwashing-Vorwurf muss sich wirklich nur machen, wer bei einem Social Day mit dem Kamera-Team aufläuft und versucht, daraus eine große Geschichte zu stricken. Den Kernnutzen des Social Days erzielt haben Sie auch, wenn Sie die Kamera im Büro lassen. Am Ende des Tages gehen Sie dann nicht nur mit einem Mehrwert für die Zielgruppe raus, sondern mit vor allem einem: glücklichen Mitarbeitenden. 

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