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Es ist noch nicht ausgemacht, wann den Umsatzballons Buchführung, Steuererklärung und Jahresabschluss durch die den digitalen Wandel die Luft ausgeht. Das kann in 3, 5 oder sogar erst 10 Jahren sein. Doch wer heute nicht damit beginnt, den Umsatzballon Beratung aufzublasen, dem könnte später die Luft dafür fehlen.

Wenn alle Prognosen eintreffen, und 80 % der vereinbaren Tätigkeiten automatisiert sind, was dann? Mit welchen Mandanten und Beratungsthemen verdienen Sie 2020 oder später Ihr Einkommen? Das Geschäftsfeld der vereinbaren Tätigkeiten wird bleiben. Die reine Abwicklung - also das Verbuchen der Geschäftsvorfälle und Erstellen von Steuererklärungen – wird dabei allerdings von Maschinen erledigt werden. Die Bearbeitungszeiten verkürzen sich dramatisch. Es geht bei dieser Entwicklung also um die Frage, für welche Leistungen Mandanten in Zukunft bereit sind, Honorar zu bezahlen und welche Geschäftsfelder in Zukunft lukrativ sind.

Positionieren Sie sich bei den Zielgruppen der Zukunft

Viele Kanzleien schätzen den Mandanten-Mix und verzichten bewusst auf eine Spezialisierung. Und wenn Sie auch so denken, überspringen Sie diesen Punkt und gehen gleich zu den Beratungsthemen. Alle anderen haben durch die Fokussierung auf eine Zielgruppe die Chance,  sich einen Expertenstatus aufzubauen und höhere Honorare abzurechnen – ähnlich dem Unterschied zwischen dem Allgemeinarzt und dem Facharzt. Die Empfehlungsquote in einer Zielgruppe ist zudem höher, sodass auch die Mandatsgewinnung erheblich einfacher wird. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie und Ihre Mitarbeiter sich das erforderliche Spezialwissen für diese Mandantengruppe aneignen.  Für die Zielgruppen mit Wachstumspotenzial lohnt sich ein Blick auf die gesellschaftlichen Trends, die unser künftiges Leben maßgeblich beeinflussen.

Zielgruppe 1: Tech-Start-Ups 

Existenzgründer nehmen bereits einige Kanzleien unter ihre Fittiche. Durch die fortschreitende Digitalisierung und Entwicklung von Cloudlösungen, Apps und Chatbots ist hier ein Gründungsboom im Gange, der durch Formate wie "Höhle der Löwen" in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist. Diese Start-Ups erhalten von Investoren Gelder zum Teil in Millionenhöhe und entwickeln sich im besten Fall zu Einhörnern. Auch wenn Sie nicht gleich in dieser Liga mitspielen, sind es gerade die Tech-Start-Ups, die einen Berater auf Augenhöhe suchen. Wenn Sie schon mal von Legal-Tech, Fin-Tech, Tax-Tech und Blockchain gehört haben, haben Sie die erste Hürde überwunden. Wenn Sie Spaß daran haben, mit hochmotivierten jungen Menschen zu arbeiten, dann schauen Sie sich auf den einschlägigen Gründermessen und Hackathons um und knüpfen Sie so viele Kontakte wie möglich.

Zielgruppe 2: Generation Z

Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern und verdient zum Teil heute schon über Youtube und Instagram ein halbes Vermögen. Sie mögen bis jetzt vielleicht Youtube-Kanäle mit Schminktipps und Let's Player belächelt haben (falls Sie bis jetzt noch nicht davon gehört haben, fragen Sie Ihre Kinder), doch die Top-Verdiener wie Bibi von Bibis Beauty Place und Sarazar bringen es vermutlich auf ein 6-stelliges Jahreseinkommen.

eGamer sind inzwischen ebenfalls ernst zu nehmende Sportler und die eGaming-Industrie ist ein stark wachsender Wirtschaftszweig. Bei "Dota2 The International" wurden 2011 $ 1,6 Mio. Preisgelder vergeben, im Jahr 2016 waren es $ 18,6 Mio. und 2018 wird sich der Preispool bei $ 20 bis 21 Mio. einpendeln. Auch in Deutschland finden diese sog. MMO (Massively Multiplayer Online) Games großen Zuspruch: Im Jahr 2015 fand beispielsweise in der O2-World-Halle in Berlin die League of Legends Weltmeisterschaft statt.

Wer diese jungen Menschen heute gut betreut, baut sich schon das nächste Geschäftsfeld auf. Denn irgendwann ist es vorbei mit Online-Spielen oder Youtube-Kanal, da sie zu alt werden und die nächsten Jungen nachkommen. Mit einem guten finanziellen Polster ausgestattet, suchen sie sich neue Betätigungsfelder und werden möglicherweise Tech Start-Ups oder gründen ein anderes spannendes Unternehmen.

Zielgruppe 3: Die 3 großen Branchen-H: Heilberufe, Handwerker, Händler 

Diese 3 Branchen werden bereits heute von spezialisierten Kanzleien betreut. Sie werden auch künftig eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielen. Heilberufe in einer immer älter werdenden Gesellschaft sogar noch mehr. Haben Sie bei diesen Branchen besonders im Blick, wie sich deren Umfeld verändert und wie es deren Geschäftsbetrieb beeinflusst. 3-D-Drucker und Zahnlabors, Händler und Amazon, Handwerker und Smart-Home, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Stimmen Sie Ihr Leistungsangebot darauf ab.

Sie wissen noch nicht, ob und welche Zielgruppe überhaupt für Sie in Frage kommt, möchten sich diesem Thema aber nicht verschließen?

Inder "Clusterplattform Deutschland" ist gelistet, in welcher Region
welche Branchen besonders gefördert werden, z. B. "Fair Trade" in Siegen oder Biotechnologie in Freiburg. Schauen Sie, welche Industriezweige in Ihrer Region gefördert und angesiedelt werden. Und unter www.messen.de finden Sie alle großen und kleinen Messen regional geordnet. Vielleicht finden Sie so die für Sie passende Branche.

Beratungsthemen, die morgen (noch) gefragt sind

Es gibt eine Vielzahl von Beratungsthemen die bereits in der Vergangenheit und auch in der Zukunft sinnvoll angeboten werden können, wie beispielsweise 

  • Finanzierung und Liquidität,
  • Forderungsmanagement, 
  • Planung, Erfolg und Wachstum • Unternehmenskauf, Verkauf, Zusammenschluss, Nachfolge,
  • Familienplanung – Sparen und Vorsorge, Hausfinanzierung, Finanzielle Zukunft, Versorgung.

Und für weitere Themen wird es zunehmend Nachfrage geben:

Beratungsthema 1: Prozessberater Rechnungswesen

 Die meisten Mandanten haben den Weg in die papierarme und digitale Welt noch vor sich. Sie haben das in Ihrer eigenen Kanzlei schon hinter sich und entsprechendes Erfahrungswissen angesammelt. Kombiniert mit dem Thema GoBD und Ersetzendes Scannen können Sie die Prozesse vor Ort beim Mandanten optimieren. Gefördert wird das derzeit auch noch mit dem Förderprogramm go-digital des BMWi 

Beratungsthema 2 Einhaltung der Formvorschriften - Compliance Manager

In Zukunft wird es sicherlich noch mehr staatliche Regulierung geben. GoBD und DSGVO sind da nur ein Vorgeschmack. Machen Sie sich diese Tatsache zunutze. Wer sich als Experte für die Einhaltung von Formvorschriften versteht, wird zum Spezialisten rund um die Betriebsprüfung. Risikoanalyse und Simulationen sind hier das Tagesgeschäft. Wie wäre es beispielsweise mit dem Angebot einer "Generalprobe Kassennachschau – bevor der Prüfer zweimal klingelt"?

Beratungsthema 3 Echtzeitberater mit Weitblick

Wer in die Vergangenheit blickt, ist Forensiker. Viel spannender und mithilfe von Big Data künftig möglich ist der Forecaster, also die Vorhersage eintretender Ereignisse. Internationale Lösungen können es bereits: Aufgrund der aktuell gebuchten Daten, einem Abgleich mit Vergangenheitswerten und unter Berücksichtigung von Auftragslage und Umweltdaten können konkrete Aussagen getroffen werden. Sie werden beispielsweise gewarnt, dass in 3 Monaten ein Liquiditätsengpass zu 85 % wahrscheinlich ist und können mit den Mandanten Gegenmaßnahmen einleiten.

Bilanzbesprechung zur Meinungsforschung nutzen

Wenn Sie unsicher sind, in welche Richtung Sie gehen sollen, fragen Sie einfach mal Ihre Mandanten, was heute und in Zukunft für sie wichtig ist. Nutzen Sie den Abschluss der Bilanzbesprechung zur Meinungsforschung. Diese 3 Fragen eröffnen Ihnen zahlreiche neue Perspektiven:

  • Was ist Ihre größte Herausforderung?
  • Was lässt Sie nachts nicht schlafen?
  • Wenn Sie einen Zauberstab hätten…

Tipp: Steuern Sie mit Ihren Mandanten erfolgreich in die Zukunft!

Die vielfältigen Aspekte des digitalen Wandels in der Steuerberatung sortieren wir für Sie regelmäßig in unserem e-Magazin Steuer 1. Nachdem wir in der letzten Sonderausgabe die digitalen Abläufe in den Kanzleien selbst beleuchtet haben, gehen wir nun den nächsten Schritt und stellen die digitale Zusammenarbeit mit Ihren Mandanten in den Fokus.

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Schlagworte zum Thema:  Kanzleimanagement, Steuerberatung, Steuerberater, Digitalisierung

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