04.02.2014 | Top-Thema Aktuelle Entlastungsmöglichkeiten bei Stromsteuer und Energiesteuer

Praxisbeispiel zu den Entlastungsmöglichkeiten

Kapitel
Gesetzlich geregelte Entlastungsmöglichkeiten helfen, die Belastung ggf abzumildern.
Bild: Haufe Online Redaktion

Eine Gießerei, damit ein Unternehmen des produzierenden Gewerbes hat einen Stromverbrauch von 6.000 MWh, davon werden 2.000 MWh zur Wärmeerzeugung im Rahmen des Gießprozesses (Vorwärmen und Warmhalten von Gießformen) verwendet

Zum Schmelzen der Legierungen kommen 6.000 MWh Erdgas zum Einsatz, 1.500 MWh werden zum Heizen der Gebäude verwendet.

Das Unternehmen hat im Rahmen der Löhne und Gehälter, für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber je die Hälfte zu tragen haben, einen ArbG-Beitrag zur Rentenversicherung in Höhe 500.000 EUR geleistet. Des Weiteren hat der Arbeitgeber 3.000 EUR an RV-Beiträgen für solche Entgelte geleistet, wofür er alleine die RV-Beiträge aufzuwenden hat (z.B. im Rahmen von Altersteilzeitaufstockungen).

Vergleicht man die Belastung des Arbeitgebers mit Rentenversicherung nach dem Beitragssatz 2013 mit dem RV-Satz, der vor Einführung der ökologischen Steuerreform galt, so hat er hieraus einen Vorteil von 37.259,26 EUR erzielt.

1steuerpflichtige Strommenge 6.000,000 MWh
1.1abzgl. prozessbezogener Strom -2.000,000 MWh
1.2= sonstiger Strom4.000,000 MWh
2steuerpflichtige Erdgasmenge7.500,000 MWh
2.1abzgl. prozessbezogenes Erdgas-6.000,000 MWh
2.2= sonstiges Erdgas1.500,000 MWh
3Einsparung ArbG-RV-Anteil:voller Beitraghalber Beitrag
3.1./. ArbG-Beitrag zur RV im Jahr 20133.000 EUR500.000 EUR
3.2./. ArbG-Beitrag nach § 10 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 StromStG18,90 %9,45 %
3.3./. ArbG-Beitrag (fiktiv) nach § 10 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 StromStG19,50 %9,75 %
3.4

= fiktive Einsparung ArbG-Anteil in gegenüber Beitragssatz 1998

20,30 %10,15 %37.259,26 EUR


Erlass, Erstattung oder Vergütung der Steuer für bestimmte Prozesse und Verfahren

Nach § 9a StromStG bzw. § 51 EnergieStG werden der Strom und die Energieerzeugnisse, die prozess-spezifisch verbraucht werden vollständig entlastet:

Ermittlung der Vergütung nach § 9a StromStG
4prozessbezogene Strommenge2.000,000 MWh
5Stromsteuer: Steuerentlastung für bestimmte Prozesse und Verfahren (§ 9a StromStG)20,50 EUR41.000 EUR
5prozessbezogene Gasmenge6.000,000 MWh
6Energiesteuer: Steuerentlastung für bestimmte Prozesse und Verfahren (§ 51 EnergieStG)5,50 EUR33.000 EUR
74.000 EUR


Steuerentlastung für Unternehmen

Der Strom und die Energieerzeugnisse im Rahmen der sonstigen Verwendung durch Unternehmen des Produzierenden Gewerbes werden nach Maßgabe der §§ 9b StromStG, § 54 EnergieStG entlastet. Dabei ist nach beiden Vorschriften ein Selbstbehalt von max. 250 EUR einzubehalten, zu vergleichen mit der zumutbaren Eigenbelastung im Einkommensteuerrecht.

Ermittlung der Vergütung nach § 9b StromStG
7Allgemeinstrom4.000,000 MWh
8Stromsteuer: Steuerentlastung prod. Unternehmen (§ 9b StromStG) vor Selbstbehalt-5,13 EUR20.520 EUR
9abzügl. Sockelbetrag (§ 9b Abs. 2 StromStG)-250 EUR
10Stromsteuer: Steuerentlastung prod. Unternehmen (§ 9b StromStG)20.270 EUR
Ermittlung der Vergütung nach § 54 EnergieStG
10bezogene Erdgasmenge (ohne besondere Prozesse)1.500,000 MWh
11Vergütungsanspruch (§ 54 Abs. 2 Nr. 2 EnergieStG)-1,38 EUR2.070 EUR
12abzügl. Sockelbetrag (§ 54 Abs. 3 EnergieStG)-250,00 EUR
13Energiesteuer:  Steuerentlastung prod. Unternehmen (§ 54 EnergieStG)1.820 EUR
22.090 EUR


Erlass, Erstattung oder Vergütung in Sonderfällen

Bei der Berechnung der Entlastung in Sonderfällen nach §§ 10 StromStG, 55 EnergieStG wird zunächst von der Belastung durch die ökologische Steuerreform ausgegangen. Nach Abzug weiterer Selbstbehalte werden die steuerlichen Entlastungen abgezogen, die bereits nach anderen Vorschriften gewährt wurden.

Da Nicht feststeht, ob die steuerliche Belastung größer ist als die Vorteile aus der Absenkung der RV-Beiträge, erfolgt die Entlastungsrechnung in zwei Schritten. In Schritt I.) wird die mögliche, maximale Entlastung berechnet. In Schritt II.) erfolgt dann die Berechnung unter Abzug eines evtl. Rentenbeitragsvorteils. Der kleinere Betrag aus I.) und II.) entspricht dann der Entlastung.

Ermittlung der Vergütung nach § 10 StromStG
I. Berechnung der Steuerentlastung vor Vergleich mit dem Höchstbetrag
14Stromsteuer (Zeile 1,2 * 20,50 EUR/MWh)6.000,000 MWh20,50 EUR123.000 EUR
15Stromsteuer nach Abzug Selbstbehalt  (§ 10 Abs. 1 StromStG)-1.000 EUR122.000 EUR
16Entlastung Stromsteuer nach § 9a StromStG-41.000 EUR
17Entlastung Stromsteuer nach § 9b StromStG-20.270 EUR
18verbleibende Belastung mit Stromsteuer60.730 EUR
19Steuerentlastung vor Vergleich mit dem Höchstbetrag (90 % der Stromsteuer nach § 10 Abs. 1 Satz 1 StromStG)90 %54.657 EUR
II. Berechnung des Höchstbetrages
20Stromsteuer nach § 10 Abs. 1 Satz 1 StromStG60.730 EUR
21abzügl. Einsparung ArbG-RV-Anteil (Nr. 3,4)-37.259,26 EUR
22übersteigende Stromsteuer (Nr. 20 ./. Nr. 21)23.470,74 EUR
23Höchstbetrag 90 % nach § 10 Abs. 2 StromStG)90 %21.123,67 EUR
24Stromsteuer-Erstattung in Sonderfällen (§ 10 StromStG)21.123,67 EUR
Ermittlung der Vergütung nach § 55 EnergieStG
I. Berechnung der Steuerentlastung vor Vergleich mit dem Höchstbetrag
25Erdgas1.500,000 MWh2,28 EUR3.420 EUR
26abzügl. Sockelbetrag (§ 55 Abs. 3 EnergieStG)-750,00 EUR-750 EUR
27Steueranteil nach § 55 Abs. 3 EnergieStG2.670 EUR
28Steuerentlastung vor Vergleich mit dem Höchstbetrag (90 % der Stromsteuer nach § 55 Abs. 3 EnergieStG)90 %2.403 EUR
II. Berechnung des Höchstbetrages
29Steueranteil nach § 55 Abs. 3 EnergieStG (Nr. 27)2.670 EUR
30Stromsteuer nach § 10 Abs. 1 Satz 1 StromStG (Nr. 15)60.730 EUR
31Zwischensumme (Nr. 29 + Nr. 30)63.400 EUR
32abzügl. Einsparung ArbG-RV-Anteil (Nr. 3,4)-37.259,26 EUR
33Zwischensumme (Nr. 31 + Nr. 32)26.140,74 EUR
34Höchstbetrag 90% nach § 55 EnergieStG90 %23.526,67 EUR
35Energiesteuer-Erstattung in Sonderfällen (§ 55 EnergieStG)2.403 EUR
23.526,67 EUR


Gesamtbetrachtung

Betrachtet man die drei Entlastungsschritte nunmehr zusammen, so ergibt sich im Beispielsfall folgende Gesamtentlastung:

Vergütung insgesamt
36Stromsteuer: Steuerentlastung für bestimmte Prozesse und Verfahren (§ 9a StromStG)41.000 EUR
37Stromsteuer: Steuerentlastung prod. Unternehmen (§ 9b StromStG)20.270 EUR
38Energiesteuer: Steuerentlastung für bestimmte Prozesse und Verfahren (§ 51 EnergieStG)33.000 EUR
39Energiesteuer:  Steuerentlastung prod. Unternehmen (§ 54 EnergieStG)1.820 EUR
40Stromsteuer-Erstattung in Sonderfällen (§ 10 StromStG)21.123,67 EUR
41Energiesteuer-Erstattung in Sonderfällen (§ 55 EnergieStG)2.403 EUR
42= Summe119.616,67 EUR


Entlastungen von 100.000 Euro und mehr sind selbst für mittelständische Unternehmen keine Seltenheit.

Ausgehend von der Ursprungsbelastung und nach Abzug des Vorteils aus den RV-Beiträgen der steuerlichen Entlastungen sieht man, dass bei guter Kenntnis und Anwendung der Entlastungsvorschriften fast keine definitive Belastung mehr übrig bleibt:

43steuerliche Anfangsbelastung Stromsteuer6.000,000 MWh20,50 EUR123.000 EUR
44steuerliche Anfangsbelastung Energiesteuer7.500,000 MWh5,50 EUR41.250 EUR
45= steuerliche Anfangsbelastung gesamt164.250,00 EUR
46./. Entlastung RV-Beiträgen-37.259,26 EUR
47./. Entlastung nach StromStG und EnergieStG-119.616,67 EUR
48verbleibende definitive Belastung7.374,07 EUR




Schlagworte zum Thema:  Energiesteuer, Stromsteuer

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