04.02.2014 | Top-Thema Aktuelle Entlastungsmöglichkeiten bei Stromsteuer und Energiesteuer

Entlastungsmöglichkeiten

Kapitel
Für Unternehmen des produzierenden Gewerbes existieren mehrere Entlastungsmöglichkeiten.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Entlastungsanträge sind einschl. der entsprechenden Mengennachweise beim zuständigen Hauptzollamt (HZA) zu stellen. Antragsformulare finden Sie unter www.zoll.de. Antragsberechtigter ist derjenige, der die Energieerzeugnisse verwendet hat.

Erlass, Erstattung oder Vergütung der Steuer für bestimmte Prozesse und Verfahren

Die aus unternehmerischer Sicht günstigste Entlastungsmöglichkeit sind Erlass, Erstattung oder Vergütung für bestimmte Prozesse und Verfahren (§ 9a StromStG und § 51 EnergieStG).

Nach diesen Vorschriften wird Unternehmen des Produzierenden Gewerbes die Steuer i.S. der ökologischen Steuerreform für nachweislich versteuerten Strom bzw. Energieerzeugnisse vollständig erlassen, erstattet oder vergütet. Dies gilt für

  • die Herstellung von Glas und Glaswaren, keramischen Erzeugnissen, keramischen Wand- und Bodenfliesen und -platten, Ziegeln und sonstiger Baukeramik, Zement, Kalk und gebranntem Gips, Erzeugnissen aus Beton, Zement und Gips, keramisch gebundenen Schleifkörpern, mineralischen Isoliermaterialien, Asphalt, Waren aus Graphit oder anderen Kohlenstoffen, Erzeugnissen aus Porenbetonerzeugnissen und mineralischen Düngemitteln zum Trocknen, Brennen, Schmelzen, Erwärmen, Warmhalten, Entspannen, Tempern oder Sintern der vorgenannten Erzeugnisse oder der zu ihrer Herstellung verwendeten Vorprodukte,
  • die Metallerzeugung und -bearbeitung sowie im Rahmen der Herstellung von Metallerzeugnissen für die Herstellung von Schmiede-, Press-, Zieh- und Stanzteilen, gewalzten Ringen und pulvermetallurgischen Erzeugnissen und zur Oberflächenveredlung und Wärmebehandlung jeweils zum Schmelzen, Erwärmen, Warmhalten, Entspannen oder sonstigen Wärmebehandlung oder
  • chemische Reduktionsverfahren.

Das StromStG entlastet ferner Strom im Rahmen der Elektrolyse, das EnergieStG Energieerzeugnisse bei Verwendung für die thermische Abfall- oder Abluftbehandlung.

Steuerentlastung für Unternehmen

§ 9b StromStG bzw. § 54 EnergieStG enthalten Entlastungsvorschriften von der Strom- bzw. Energiesteuer für Unternehmen des produzierenden Gewerbes.

Nachfolgende Tabellen zweigen exemplarisch für Heizöl, Erdgas zum Heizen und Strom neben den Regelsteuersätzen die Nachlässe für produzierende Unternehmen (seinerzeitige DM-Beträge in EUR umgerechnet).

Des Weiteren haben wir die Entwicklungen der reduzierten Steuersätze aufgezeigt, um zu verdeutlichen in welchem Umfang die Strom- bzw. Energiesteuer gestiegen sind und wie wesentlich insofern entsprechende Kenntnis über Entlastungsvorschriften ist. Besonders auffällig ist der Anstieg bei der Stromsteuer; der für Stromsteuersatz für Unternehmen des produzierenden Gewerbes ist von eingangs 2,05 EUR auf inzwischen 15,37 EUR pro MWh, also auf das 7,5-fache angestiegen!

 

Energiesteuersätze für leichtes Heizöl

Jahr

Steuertarif / MWh

Nachlass prod. Unternehmen / MWh

reduzierter Steuertarif / MWh

Entwicklung reduzierter Steuertarif

vor 1.4.1999

40,90 EUR

-

40,90 EUR

100 %

ab 1.4.1999

61,35 EUR

16,36 EUR

44,99 EUR

110 %

ab 2003

61,35 EUR

8,18 EUR

53,17 EUR

130 %

ab 2007

61,35 EUR

16,36 EUR

44,99 EUR

110 %

ab 2011

61,35 EUR

15,34 EUR

46,01 EUR

112 %

 

Energiesteuersätze für Erdgas bei Verwendung zum Verheizen

Jahr

Steuertarif / MWh

Nachlass prod. Unternehmen / MWh

reduzierter Steuertarif / MWh

Entwicklung reduzierter Steuertarif

vor 1.4.1999

1,84 EUR

-

1,84 EUR

100 %

ab 1.4.1999

3,476 EUR

1,308 EUR

2,168 EUR

118 %

ab 2003

3,476 EUR

1,464 EUR

2,012 EUR

109 %

ab 2007

5,50 EUR

2,20 EUR

3,30 EUR

179 %

ab 2011

5,50 EUR

1,38 EUR

4,12 EUR

224 %

 

Stromsteuersätze

Jahr

Steuertarif / MWh

Nachlass prod. Unternehmen / MWh

reduzierter

Steuertarif / MWh

Entwicklung reduzierter Steuertarif

vor 1.4.1999

-

 

 

 

ab 1.4.1999

10,23 EUR

8,18 EUR

2,05 EUR

100 %

2000

12,78 EUR

10,22 EUR

2,56 EUR

125 %

2001

15,34 EUR

12,27 EUR

3,07 EUR

150 %

2002

17,90 EUR

14,30 EUR

3,60 EUR

175 %

ab 2003

20,50 EUR

8,20 EUR

12,30 EUR

600 %

ab 2011

20,50 EUR

5,13 EUR

15,37 EUR

750 %

 

Erlass, Erstattung oder Vergütung in Sonderfällen

Die Vorschrift des § 10 StromStG bzw. § 55 EnergieStG hinsichtlich Erlass, Erstattung oder Vergütung in Sonderfällen, auch als Spitzenausgleich oder Härtefallregelung bezeichnet, ist die komplexeste Entlastungsvorschrift.

Sie vergleicht die Belastung durch die ökologische Steuerreform einerseits mit dem Vorteil aus der Absenkung der Rentenversicherung andererseits. Ist das Unternehmen im Rahmen dieser Vergleichsrechnung „unter dem Strich“ noch belastet, erfolgt auf Basis des § 10 StromStG bzw. § 55 EnergieStG eine weitere Entlastung in Höhe von 90% des verbliebenen Saldos, die Nettobelastung liegt damit also nur noch bei 10%.

Schlagworte zum Thema:  Energiesteuer, Stromsteuer

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