Deutscher Richterbund

Mehr als 1 Million offene Strafverfahren


Mehr als 1 Million offene Strafverfahren

Gerichte und Staatsanwaltschaften sind überlastet. Der Deutsche Richterbund (DRB) meldet, dass es im Jahr 2025 zum dritten Mal in Folge rund 5,5 Millionen Strafverfahren gegeben hat und die Zahl der offenen Fälle Ende 2025 erstmals die Millionenmarke überschritt.

Mehr als 5 Millionen neue Strafverfahren und 1 Million offene Fälle 

Der Deutsche Richterbund (DRB) weist mit Nachdruck auf die eklatante Überlastung der Gerichte und Staatsanwaltschaften hin und meldet, dass die Zahl der unerledigten Strafverfahren ein neues Rekordniveau erreicht hat: 2025 war das dritte Jahr in Folge mit rund 5,5 Millionen neuen Strafverfahren und die Zahl der offenen Strafverfahren hat zum Jahresende erstmals die Marke von einer Million überschritten. Ende 2020 waren es noch 700.000 offene Verfahren, was einer Steigerung von annährend 50 % in 5 Jahren entspricht. 

Hamburg und Nordrhein-Westfalen besonders betroffen 

Besonders dramatisch ist die Entwicklung in Hamburg, wo sich die Zahl der offenen Verfahren seit 2021 fast verdreifacht hat. Die dortigen Ermittler müssen einen Anstieg um 181 % von 22.900 Fällen zum Jahresende 2021 auf 64.404 zur Jahresmitte 2025 bewältigen. Als Hauptgründe für die Überlastung der Staatsanwaltschaft Hamburg sieht der Hamburgische Richterverein den Mangel an qualifizierten Bewerbern für die vielen offenen Stellen und die ständig hohe Zahl von Kündigungen aufgrund der herrschenden Arbeitsbedingungen.  

Die bundesweit höchste Zahl offener Verfahren gibt es in Nordrhein-Westfalen mit knapp 267.000 Fällen, was einem Zuwachs von rund 40 % im Vergleich zum Jahresende 2021 entspricht. Der DRB-Landesverband gibt an, dass in NRW 460 Staatsanwälte fehlen, und beziffert die Überlastungsquote der Staatsanwälte mit 141 %. 

Verfahren platzen, weil Fristen nicht eingehalten werden 

 Ebenso eklatant wie die Überlastung der Staatsanwälte sind deren Folgen: 2025 sind bundesweit 50 dringend Tatverdächtige nach 6 Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil die Verfahren zu lange gedauert haben. Der DRB weist ausdrücklich darauf hin, dass es in diesen Fällen in der Regel um den Vorwurf eines Verbrechens, also um Tötungsdelikte, Vergewaltigungen oder schwere Körperverletzungen geht. DRB-Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn beklagt die „viel zu hohe Zahl“ der geplatzten Verfahren und sieht diese als „Weckruf für die Politik, die chronisch unterbesetzte Strafjustiz deutlich besser aufzustellen“. 

Bundesweit fehlen 2.000 Stellen 

„Die U-Haft-Entlassungen sind nicht nur, aber auch ein Ergebnis überlasteter Staatsanwaltschaften und Strafgerichte“, stellt Sven Rebehn weiter fest. „Inzwischen fehlen der Strafjustiz etwa 2.000 Richter und Staatsanwälte, um mit ihren wachsenden Aufgaben und steigenden Fallzahlen Schritt halten zu können. Selbst vorrangige Haftsachen können nicht mehr in jedem Fall beschleunigt bearbeitet werden, sodass dringend Tatverdächtige wieder auf freien Fuß zu setzen sind.“ 

Der DRB fordert, dass die Bundesregierung den angekündigten „Pakt für den Rechtsstaat“ zügig umsetzt, in dem sie 500 Millionen Euro und 2.000 neue Stellen zur Stärkung der Justiz versprochen hat. 


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