Wer HR-Startups verfolgt, könnte glauben, dass aktuelle Trends zu immer mehr und innovativeren Gründungen führen und 2018 ein gutes Jahr für die HR-Startup-Szene war. Verschiedene Studienergebnisse können diese These aber nicht bestätigen.

Anna Kaiser und Jana Tepe sind von Berlin als Standort für ihr Startup Tandemploy begeistert. „Berlin ist eine tolle Stadt für Gründerinnen und Gründer und gehört zu den spannendsten Metropolen Europas“, so werden die beiden im aktuellen deutschen Startup Monitor (DSM) zitiert. Tandemploy bietet eine Matchingsoftware zur Vernetzung von Mitarbeitern in einem Unternehmen und ist damit nur ein Beispiel von vielen für neue Gründungen im HR-Bereich. Auch der Megatrend Künstliche Intelligenz wird immer wieder in Bezug auf innovative HR-Ansätze aufgegriffen – wenn auch häufig nur als Schlagwort.

Man könnte meinen, dass 2018 ein gutes Jahr für die hiesige Startup-Szene war. Insbesondere HR-spezifische Startups scheinen von neuen Trends zu profitieren. Ein genauer Blick in aktuelle Studienergebnisse und konkrete Zahlen relativiert diese Euphorie schnell, wobei nur wenige Daten zu HR-Startups im speziellen erhoben werden.

Startup-Szene leidet an geringer Diversität

Die allgemeine Gründungsbereitschaft erfüllt dem Bundesverband deutscher Startups zufolge nicht ganz die Erwartungen. 33 Prozent der befragten Arbeitnehmer aus einer aktuellen Umfrage, die vom Bundesverband zusätzlich zum DSM durchgeführt wird, können sich vorstellen ein eigenes Unternehmen zu gründen. Grundsätzlich könne man mit diesen „mageren 33 Prozent nicht zufrieden sein“, so Florian Nöll, Vorsitzender des Verbandes. Darüber hinaus kritisiert er die fehlende Diversität unter Gründern: „Menschen, die sich die Gründung eines Unternehmens vorstellen können sind zumeist jung und häufig Männer.“ Dieser Effekt verstärke sich, wenn man die tatsächlichen Unternehmensgründungen betrachte.

Dem Gründungsmonitor der Bankengruppe KfW zufolge sank der Anteil von Frauen an allen Gründungen in Deutschland auf 37 Prozent im Jahr 2017, laut DSM 2018 liegt der Anteil von Gründerinnen unter Startups hingegen gerade mal bei 15 Prozent. Inwiefern diese fehlende Diversität sich auch negativ auf die Innovationskraft und Vielfältigkeit der deutschen Startups auswirkt, bleibt jedoch offen.

Allgemein weniger Gründungen

Die Gesamtzahl der Gründungen in Deutschland jedenfalls sinkt laut KfW-Gründungsmonitor seit dem Jahr 2014. Im Jahr 2017 gab es demnach nur 557.000 Gründungen, das sind 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch die Investitionen sind im Jahresvergleich erstmals gesunken: Laut Startup-Barometer, das im halbjährlichen Rhythmus von Ernst und Young herausgegeben wird, ist die Summe aller öffentlich zusammengetragenen Investitionen im ersten Halbjahr 2018 sieben Prozent geringer als im ersten Halbjahr 2017.

Aus dem kürzlich erschienenen KfW-Start-Up-Report geht hervor, dass 2017 aber mehr Startups gegründet wurden als noch 2016. Der Start-Up-Report bereitet die Daten des KfW-Gründungsmonitor hinsichtlich der Gründung von Startups im engeren Sinn auf.

HR-Startups machen vier Prozent aus

Der Trend KI zeigt grundsätzlich Auswirkung: Die digitale Wirtschaft ist laut DSM immer noch die größte Gründungsbranche in Deutschland. Es lässt sich aber schwer bewerten, ob die Personalwirtschaft von diesem Trend profitiert. Human Resources wird im aktuellen DSM erstmals als eigene Branche geführt und umfasst knapp vier Prozent aller Gründungen.

Startups: Mehr Chancen- als Notgründungen

Dennoch sind sich die Autoren des DSM und des KfW-Gründungsmonitors einig: Insgesamt gehen die Zahlen der Gründungen zwar zurück, aber dafür seien Gründungen heute tendenziell stabiler als noch vor einigen Jahren. Das zeige sich vor allem daran, dass der Anteil der Notgründungen, das heißt Gründungen aus Arbeitsnot, etwa nach einer Entlassung, deutlich zurückgehe, wohingegen der Anteil an Chancengründungen gestiegen sei. Das deutet zumindest darauf hin, dass Gründer heute häufiger gründen, weil sie eine vielversprechende, lukrative und innovative Idee verfolgen. Für diese These spricht auch, dass viele Gründer über einige Berufserfahrung verfügen, Startups ihre Geschäfte international ausweiten wollen und die durchschnittliche Mitarbeiterzahl pro Startup (12,3 Mitarbeiter) weiter angestiegen ist.

Der Startup Monitor 2018

Der Bundesverband deutscher Startups veröffentlichte im Oktober den Deutschen Startup Monitor 2018 (DSM). Die Studie wird wissenschaftlich vom Lehrstuhl für E-Business und E-Entrepreneurship der Universität Dusiburg-Essen geleitet und von KPMG in Deutschland unterstützt.

Der KfW-Gründungsmonitor basiert auf Angaben von 50.000 repräsentativ ausgewählten Personen in Deutschland und erschien bereits im Mai 2018.

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