Wenn der ehemalige Personalchef von Google eine neues KI-Tool für HR entwickelt, erregt das Aufmerksamkeit. 18 Monate lang hat er über Details seines Start-ups geschwiegen. Jetzt geht Laszlo Bock mit "Humu" offiziell auf den Markt: Mithilfe von "Nudges", kleinen Anstupsern, soll sein Tool Organisations- und Personalentwicklung verzahnen.

Schon im Frühjahr 2017 begann der ehemalige Personalchef von Google zusammen mit Wayne Crosby, ehemals Googles Director of Engineering, und Dr. Jessica Wisdom, zuvor Google People Analytics Manager, mit der Entwicklung des neuen HR-Tools. Nach 18 Monaten intensiver Beschäftigung mit dem aktuellen Forschungsstand und verschiedenen Testläufen ihrer Idee haben die drei nun den geheimen "Stealth Mode" verlassen und gehen mit ihrer Entwicklung an die Öffentlichkeit.

Drei Ex-Googler gründen Humu

Durch die Kombination von Forschung, Technologie und Menschlichkeit – so Laszlo Bock auf dem hauseigenen Blog von Humu – sei es möglich, zu messen, was für eine Organisation zählt und sich somit auf die schrittweisen, aber dramatischen Veränderungen zu konzentrieren, die zu einem stärkeren, glücklicheren und produktiveren Arbeitsplatz führen.

Das neue Unternehmen Humu will ein einfaches und praktisches Tool anbieten, mit dem strategische Überlegungen, etwa zur Entwicklung der Unternehmenskultur, ganz einfach in den breiten Arbeitsalltag implementiert werden können.

Die "Nudge Engine" soll strategische Vorgaben auf kleinteilige "Nudges" verteilen

In einem ersten Schritt analysiert das Humu-Tool "Nudge Engine" dafür das bisherige Unternehmen und die jeweiligen Mitarbeiter mit dem Ziel, diejenigen Aspekte herauszuarbeiten, die für den Unternehmenserfolg entscheidend sind. Um diese Aspekte gezielt voranzutreiben, entwickelt das System im nächsten Schritt selbstständig kleine Anregungen, sogenannte "Nudges", die den Mitarbeitern und Führungskräften gezielt zugespielt werden und auf deren jeweilige persönliche Eigenschaften und Potenziale abgestimmt sind.

"Versuche, in den ersten zehn Minuten das Wort zu ergreifen." So lautet eine der möglichen Nudges (Anstupser), die dank Humu künftig voll automatisch an einen Mitarbeiter in dem Unternehmen rausgeht, das die neue "Nudge Engine" nutzt. 

"Nudges" sind motivierende, persönliche Anregungen

Ein anderes Nudging-Beispiel: Um das Wohlbefinden beim Ansprechen von wichtigen oder problematischen Themen zu steigern, könnte das System einer Führungskraft beispielsweise raten, einen offenen Austausch zu organisieren und die Mitarbeiter gezielt zu bitten, kritische Fragen vorzubereiten. An einen durchsetzungsstarken Mitarbeiter gerichtet, könnte das System hingegen empfehlen, in Meetings mehr Raum für Ideen zu eröffnen, indem die eigenen Sprachbeiträge gezügelt werden. So lautet eines der Nudges von Humu: "Create space for other’s ideas by listening more, talking less. It turns out you get what you give."

Besonderes Augenmerk bei der Gestaltung dieser Nudges liegt, neben der Anpassung an persönliche Eigenschaften und unternehmerische Interessen, auf der Kleinteiligkeit und den freundlichen, motivierenden Formulierungen, die dazu führen sollen, dass der Angestupste die Vorschläge leicht und zeitnah umsetzen kann.

Die Nudge Theory von Richard Thaler

Der Hintergrund zum Nudging: Für die "Nudge Theory" hat Richard Thaler von der University of Chicago im Jahr 2017 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. Thaler schlägt unter anderem vor, dass durch das gezielte Einstreuen von Verhaltensanreizen ganze Staaten versuchen könnten, ihre Bürger zu besseren Verhaltensweisen heranzuziehen.


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