Personalie

Bilanz der Amtszeit von Ralf Steuer bei der DGFP


Ralf Steuer 40 Köpfe

Am 30. April 2026 schließt Ralf Steuer zum letzten Mal die Tür seines Büros im Berliner Quartier "Am Tacheles". Nach fünf Jahren als Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) ist es Zeit für eine Bilanz: Was hat Steuer erreicht, was nicht? Ein Ortsbesuch in der Hauptstadt.

Im Quartier "Am Tacheles", nur wenige Gehminuten vom Bahnhof Friedrichstraße entfernt, findet man die Räumlichkeiten der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). Es ist kein Repräsentationsbau, sondern es sind moderne Büros mit Arbeitsambiente. Sie spiegeln den Geist wider, den Ralf Steuer der DGFP eingeimpft hat und für den er auch selbst steht: bodenständig, nahbar und fokussiert auf das Wesentliche.

DGFP: Stolze Geschichte

Der Empfang im Konferenzzimmer ist herzlich, doch der Blick an die Wand mahnt zur Demut. Die Schwarzweiß-Bilder erinnern an die Gründer der DGFP, zu denen auch Walter Scheel gehörte, der als Erster die Geschäfte führte und Jahrzehnte später Bundespräsident wurde. Insgesamt zehn Geschäftsführer haben die Geschichte der DGFP geprägt. In der jüngeren Vergangenheit war die Amtszeit von Hans Böhm (1992 bis 2007) die längste, die einerseits eine Blütezeit des Berufsverbandes mit einem florierenden Akademiegeschäft darstellte. Andererseits machte der damalige Erfolg Vorstand und Geschäftsführung blind für neue Entwicklungen, die zur Gründung des Bundesverbandes der Personalmanager*innen (BPM) im Jahr 2009 führten und eine existenzbedrohende Krise für die DGFP auslösten.

Die Amtszeit von Ralf Steuer ist vor dem Hintergrund der Krisenbewältigung zu bewerten, mit der die DGFP acht Jahre lang zu kämpfen hatte. Katharina Heuer musste als Geschäftsführerin (2013 bis 2018) Standorte schließen, Immobilien verkaufen und Personal entlassen. Geschäftsführerin Norma Schöwe (2018 bis 2021) verlegte den Sitz der DGFP nach Berlin, verkaufte das Akademiegeschäft und stellte das Veranstaltungsgeschäft – getrieben durch die Coronapandemie – auf Onlineformate um, die bis heute prägend sind.

Stabilisierung und Erneuerung des Fachverbands

Als Ralf Steuer im März 2021 das Ruder übernahm, war die Verunsicherung in der Organisation groß. "In der Geschäftsstelle waren zehn Menschen beschäftigt, alle engagiert, doch es fehlte an Strukturen und Kompetenzen", berichtet Steuer, der ein Professionalisierungsprogramm startete: Er baute neue Kompetenzen auf, etwa im Projektmanagement, erweiterte das Team von damals zehn auf heute 30 Köpfe und gestaltete den Außenauftritt neu. Es folgten Prozessoptimierung und Digitalisierung, wozu auch die Einführung eines neuen CRM-Systems gehört, das in den nächsten Monaten implementiert werden soll. Für die Neuorganisation der DGFP benutzt Steuer gerne ein Bild aus dem Bauwesen: "Wir mussten zuerst das Fundament gießen, auf dem wir dann die neue Architektur errichten konnten".

Der Erfolg des Neuaufbaus lässt sich an Zahlen ablesen. Steuer verweist auf ein Mitgliederwachstum von zwei Prozent in den letzten vier Jahren. Austritte wurden durch Neueintritte mehr als kompensiert. Das ist keine Selbstverständlichkeit. "Es ist viel Dynamik im Markt und der Aufwand, neue Mitglieder zu gewinnen, steigt deutlich", so Steuer. Der Umsatz ist zwischen 2020 und 2025 um 13 Prozent gestiegen. Die Mitgliederzahl der Erfahrungsaustausch-Gruppen (ERFA), das Herzstück der DGFP, ist in den letzten fünf Jahren um 47 Prozent angewachsen, was zeigt: Das Netzwerk der DGFP hat Frischluft bekommen und ist quicklebendig.

Neue Dashboards

Bei der Aufzählung seiner wirtschaftlichen Bilanz schwingt etwas Stolz mit – und das zu Recht. Doch der Weg dorthin war ein Kraftakt. An die Anfänge erinnert er sich noch gut: Zwei Wochen nach seinem Start war die erste Vorstandssitzung terminiert, die er vorbereiten musste. "Es gab keine Agenda, keine Zahlen, keine Struktur", erzählt Steuer, der aus der Konzernwelt kam und wusste, was Vorstände erwarten. "Sie mögen Dashboards mit den wichtigsten wirtschaftlichen Kennzahlen". Also machte er sich daran, diese Informationen aus Ordnern und diversen Unterlagen zusammenzusuchen. "Bei der Vorstandssitzung präsentierte ich mit der ersten Folie das neue Dashboard. Das kam sehr gut an und war die Grundlage für die weitere Diskussion", berichtet der Geschäftsführer, der mit diesem Vorgehen das Vertrauen des Vorstandes gewonnen hatte und sich dieses bis heute bewahren konnte.

Führung von unten – eine stille Kunst

Bemerkenswert ist Steuers Umgang mit dem hochkarätigen Vorstandsgremium. Anfangs war er noch respektvoll zurückhaltend, doch im Laufe der Zeit hat er eine Rolle gefunden, die man mit "Führung von unten" beschreiben kann. Strategische Entscheidungen lagen beim Vorstand – aber Steuer sorgte dafür, dass diese mit Analysen, Szenarien und Vorschlägen bestmöglich vorbereitet waren. Und auch bei der Gewinnung neuer Vorstandsmitglieder war sein Einfluss spürbar – die in den vergangenen Jahren neu aufgenommenen Persönlichkeiten entstammen seiner Vorschlagsliste.

Erneuertes Selbstverständnis der DGFP

Genauso wichtig wie die strukturellen Maßnahmen war die kulturelle Erneuerung, die unter Steuer stattgefunden hat. Die DGFP wirkt heute selbstbewusster als zu Beginn seiner Amtszeit – nicht laut oder anmaßend, aber mit einem klaren Bild davon, wer sie ist und was sie leisten möchte. Der Abstand zum BPM, der in den Krisenjahren gefühlt uneinholbar groß geworden war, hat sich merklich verringert. Im Ansehen der HR-Community hat die DGFP aufgeholt.

Offene Punkte

So beeindruckend die Bilanz ist – die notwendige Konsolidierungsphase hinterlässt auch Leerstellen. Radikal Neues hat die DGFP noch nicht geschaffen. Das Portfolio wurde durch Präsenzveranstaltungen wie den Frühjahrsempfang erweitert. Steuer stieß im Jahr 2024 das Projekt "HR-Management der Zukunft" an, das auf drei Jahre terminiert ist und einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der DGFP leisten soll. Auftakt dazu war eine Trendstudie, die über Workshops, Vorträge und Whitepaper verbreitet wurde.

Der neue Thinktank hat ein Papier zur positiven Leistungskultur erstellt, mit dem die DGFP Einfluss auf die laufende Debatte nahm. Angestoßen hat er auch ein KI-Projekt zu einem DGFP-Wissenshub, das zusammen mit dem Fraunhofer IAO entwickelt wird. Ob sich aus diesen neuesten Initiativen ein neuer Drive in der Wahrnehmung entwickeln kann, wird sich unter seinem Nachfolger Christian Lorenz zeigen, der aus der eigenen Organisation kommt und am 1. Mai 2026 die Geschäftsführung übernimmt.

Fünf Jahre Ralf Steuer: Was bleibt?

Ralf Steuer steht für die wirtschaftliche und organisatorische Ertüchtigung der DGFP. Dazu gehört auch der Kauf der neuen Räumlichkeiten im Tacheles-Quartier, der aus eigenen Mitteln finanziert werden konnte und eng mit seiner Amtszeit verbunden bleibt. "Die DGFP hat mitten in der Hauptstadt Berlin eine neue Heimat gefunden", nennt das Steuer. 

Nach 25 Jahren im Lufthansa-Konzern waren die fünf Jahre bei der DGFP auch für Ralf Steuer persönlich eine prägende Zeit, die mit vielen neuen Erfahrungen verbunden war. Es war der Sprung vom Konzernmanager zum Kleinunternehmer, den er auch als befreiend erlebt. "Wir konnten Dinge schnell und ohne große Abstimmungen umsetzen", berichtet er und erzählt, wie sie nach Ausbruch des Angriffskriegs auf die Ukraine Veranstaltungen organisiert haben, um den Betrieben zu helfen. Fasziniert hat ihn aber nicht nur die Schnelligkeit der Organisation, sondern auch die Einflussmöglichkeiten auf die gesamte HR-Community. Die Arbeit bei der DGFP war für ihn auch Bildungsarbeit. "Es war eine Zeit, die ich nicht missen möchte", resümiert Steuer, der seinen Lebensmittelpunkt nun von Berlin zurück in den Taunus verlegt.


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