Gender AI Gap: Männer nutzen KI häufiger als Frauen
Männer nutzen KI häufiger als Frauen – der Unterschied beträgt 16 Prozentpunkte. Das zeigt die gemeinsame Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Initiative D21. Ausgewertet wurden repräsentative Daten von rund 4.800 Erwerbspersonen. Demnach bleibt auch dann ein bereinigter Gender AI Gap von acht Prozentpunkten, wenn Alter, Bildung, Einkommen, Beruf und individuelle Einstellungen herausgerechnet werden.
Der Gender AI Gap ist messbar – und betrifft vor allem die Jungen
Besonders auffällig ist der Befund für junge Erwerbstätige: In der Generation Z+, also den Jahrgängen 1996 bis 2010, nutzt jeder zweite Mann Künstliche Intelligenz intensiv. Bei den Frauen derselben Altersgruppe ist es weniger als jede Dritte. "Gerade da, wo es um zukünftige Karrierechancen geht, ist der Gender AI Gap am größten", sagt IAB-Forscherin Carola Burkert. Ihre Kollegin Katharina Diener warnt: "Ähnlich wie beim Gender Pay Gap drohen sich diese Muster ohne gezielte Intervention zu verfestigen."
Es geht bei KI nicht ums Können – sondern ums Erleben
Die Studie zeigt: Wer im Berufsalltag digital arbeitet und das Internet nutzt, greift zwar häufiger auf KI zurück – die Lücke zwischen Frauen und Männern schließt sich dadurch jedoch nicht. Männer profitieren in solchen Umgebungen sogar oft stärker.
Was laut Studie tatsächlich wirkt, ist der erlebte Mehrwert. Demnach steigt die Nutzungswahrscheinlichkeit um 30 Prozentpunkte, wenn Menschen KI als Entlastung bei monotonen oder ungeliebten Aufgaben erleben – und das gilt für Frauen wie Männer gleichermaßen. "Wichtig ist, dass die Einführung von KI als nützlich erlebt wird", erklärt IAB-Forschungsbereichsleiterin Britta Matthes. Erfolgreiche KI-Einführung beginne nicht mit den Tools, sondern damit, konkrete Einsatzmöglichkeiten im Arbeitsalltag zu identifizieren.
Gender AI Gap: Wie Unternehmen die KI-Lücke schließen
Die Studie zeigt auch: Der Gender AI Gap ist kein Naturgesetz. In Unternehmen, die KI aktiv implementieren, digitale Anwendungen erproben und Weiterbildung anbieten, verliert er statistisch an Bedeutung.
Entscheidend ist laut Studie zudem die Art des Lernens. Wer selbst aktiv wird – also ausprobiert, Tutorials schaut oder Online-Kurse belegt –, nutzt KI häufiger: Frauen um 15 Prozentpunkte mehr, Männer jedoch nur um acht Prozentpunkte mehr. Zahlen Arbeitgeber die Weiterbildung, schrumpft die Lücke zwischen den Geschlechtern bei intensiver Nutzung sogar auf einen Prozentpunkt. Anders verhält es sich beim sozialen Lernen: Wenn Kollegen, Familie oder Freunde helfen, wirkt dies laut Studie nur bei Männern signifikant – bei Frauen bleibt der Effekt aus. Informelle Netzwerke reproduzieren damit bestehende Ungleichheiten, statt sie abzubauen. "Wer betriebliche Weiterbildung nicht gezielt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse seiner Beschäftigten ausrichtet, verstärkt am Ende ungewollt die Ungleichheiten, statt sie zu beseitigen", betont Sandy Jahn von der Initiative D21.
KI-Strategie ist immer auch Gleichstellungsfrage
Die Studienautorinnen betonen: Digitale Transformation ist nicht geschlechtsneutral. Wer KI ohne Blick auf unterschiedliche Voraussetzungen einführt, kann bestehende Ungleichheiten sogar verstärken. Wer sie hingegen strategisch verankert und alle Beschäftigtengruppen mitnimmt, gewinnt doppelt – mit mehr Innovationskraft und mehr Chancengerechtigkeit.
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