Erfahrungsbericht

Berufsbegleitend zum Master: Zwischen Bahn, Bits und Business


Christian Redlich

Christian Redlich übersetzt als Business Analyst Wünsche des Zug­personals in IT-Lösungen. Ein berufsbegleitendes Master­studium half ihm, neue Perspek­tiven zu gewinnen – und betriebs­wirtschaftliches Denken mit technologischem Know-how zu verbinden.

Zwischen zwei Welten vermitteln, Brücken bauen, Interessen ausbalancieren – Christian Redlich könnte genauso gut Diplomat sein. Doch statt internationaler Verhandlungen ist sein Einsatzgebiet die Deutsche Bahn. Als Business Analyst bei DB Systel übersetzt er die Wünsche von Zugführerinnen und Zugführern in praktikable Lösungsvorschläge und arbeitet mit Softwareentwicklern daran, diese umzusetzen – ohne aus den Augen zu verlieren, ob diese Lösungen für die Bahn auch wirtschaftlich sinnvoll sind.

Dabei macht Redlich deutlich, dass Technologie für ihn kein Selbstzweck ist. Nicht jedes Problem brauche eine IT-Lösung, sagt er. "Am Ende geht es darum, die Leute ausreden zu lassen, ihnen genau zuzuhören und die richtigen Fragen zu stellen." Diese Softskills mit technischem Know-how zu verbinden, ist die große Herausforderung in Redlichs Job. Indem er die Sichtweisen aller Beteiligten zusammenbringt, schafft er eine gemeinsame Grundlage, bevor es an die Lösungsfindung geht. Das betrifft die Nutzerinnen und Nutzer, also das Zugpersonal, Entwicklerinnen und Entwickler sowie das Management. "Dolmetschen" nennt das Redlich. Denn Dolmetscher müssen mehrere Sprachen sprechen – und in der Lage sein, verschiedene Perspektiven zu übernehmen. 

Masterstudium bringt neue Blickwinkel und betriebswirtschaftliches Denken

Um die eigene Perspektive zu erweitern, habe ihm auch sein Masterstudium "Informatik und IT-Management" an der Hochschule Schmalkalden geholfen. "Uns ITlern hilft es, auch mal eine andere Sichtweise einnehmen zu müssen und betriebswirtschaftlicher zu denken. Es ist wichtig, sich zu fragen, welche Voraussetzungen überhaupt gegeben sein müssen, damit ein Unternehmen eine Kaufentscheidung trifft." 

Als sich der 34-Jährige im Jahr 2019 dazu entschloss, das berufsbegleitende Masterstudium zu beginnen, arbeitete er als technischer Projektleiter beim Informationstechnikzentrum des Bundes. Zwar hätte sich der Arbeitgeber finanziell beteiligt; jedoch war es Redlich wichtig, eine gewisse Flexibilität auf dem Karriereweg zu behalten – und inhaltlich genau das Studium zu absolvieren, das ihn interessierte.

"Mit Unterstützung des Arbeitgebers wäre es Public Administration gewesen, also quasi das Gegenstück zu Business Administration und zudem kein IT-Studium." Der reine Fokus auf Verwaltung überzeugte Redlich nicht – und so entschloss er sich, die rund zweieinhalb Tausend Euro pro Semester aus eigener Tasche zu zahlen. "Kein Pappenstiel" nennt er das, weist jedoch auf die Unterstützung seines Bundeslandes hin. "Als Thüringer kann man ein solches Studium mit der Steuererklärung zu einem Drittel gefördert bekommen. Der Rest war eine Investition in mich selbst." 

Offener Dialog mit Dozenten und Kommilitonen trotz Remote-Seminaren

Das Studium selbst war auf Berufstätige zugeschnitten. Die Module wurden in Wochenendblöcken unterrichtet, sodass Redlich trotz Vollzeitbeschäftigung teilnehmen konnte. Ursprünglich waren die Seminare vor Ort geplant, doch die Pandemie machte dies nur viermal möglich – der Rest fand online statt. Für Redlich war dies zwar eine kleine Enttäuschung, denn er hatte sich bewusst für die Hochschule Schmalkalden entschieden, weil das Studium eben nicht vollständig remote war. "Der persönliche Austausch vor Ort ist einfach etwas anderes." Doch der offene Dialog mit Dozenten und Kommilitonen machte das Studium auch so zu einer fruchtbaren Erfahrung. "Wir hatten alle bereits berufliche Verantwortung und haben uns gegenseitig wertvolle Einblicke geben können. Es war spannend, die Theorie der Dozenten mit der Praxis abzugleichen und zu sehen, wo die Stolperstellen in der Realität liegen." Die Kursgröße war mit nur elf Teilnehmern klein, was den Austausch intensivierte.

Mit straffem Zeitmanagement und dem richtigen Umfeld zum Master

Auch die Inhalte des Studiums haben Redlichs Interesse geweckt – insbesondere die Module zu Künstlicher Intelligenz. "Ich habe mich damals intensiv mit Deep Learning beschäftigt und eine KI programmiert, die Musikgenres erkennen sollte. Das Thema war privat motiviert, aber ich konnte dabei viel über aktuelle Technologien lernen."

Neben der fachlichen Expertise hat er auch gelernt, Studium, Beruf und Privatleben zu jonglieren. "Es war nicht einfach, Projektleiter zu sein und gleichzeitig zu studieren. Ohne eine gute Lerngruppe hätte ich das nicht geschafft." Mit einem straffen Zeitmanagement und klaren Routinen konnte er den Anforderungen gerecht werden. "Ich habe mich auf mein privates Umfeld verlassen und meine Lernaufwände durch drei geteilt. Das war die einzige Möglichkeit, das Pensum zu bewältigen." Die Studienstruktur der Hochschule war auf das duale Modell ausgelegt: Pro Monat fiel eine Klausur an – jeweils im Anschluss an den zugehörigen Themenblock, nicht gesammelt am Semesterende. "Du hast den Inhaltsblock, und vier Wochen später schreibst du dazu die Prüfung." Das verteilte den Lernaufwand gleichmäßig über das Studium. 

"Ich war sehr stolz auf mich – und bin es auch immer noch"

Für die Präsenzphasen benötigte Redlich rund fünf zusätzliche Urlaubstage pro Jahr. Der Stoff sei komprimiert und praxisorientiert gewesen – ein Format, das speziell auf Berufstätige zugeschnitten war. Nach insgesamt viereinhalb Jahren hielt Redlich schließlich seinen Masterabschluss in den Händen. "Es hat sich angefühlt wie ein Autorennen zu gewinnen. Ich war stolz auf mich und bin es auch immer noch, denn ein solcher Abschluss ist in unserer Gesellschaft nicht selbstverständlich."

Finanziell hat sich das Studium für Redlich nicht unmittelbar ausgezahlt, das war auch nicht sein Plan; doch die Kompetenzen, die er erlangte, stärkten sein Selbstbewusstsein und eröffneten ihm bessere berufliche Perspektiven. "Das Studium war für mich ein persönliches Enablement. Es hat mir geholfen, Themen zu vertiefen, neue Perspektiven zu entwickeln und betriebswirtschaftlich fundierter zu denken. Das ist ein großer Mehrwert – beruflich und privat."

Dieser Beitrag ist erschienen im Sonderheft "Personalmagazin Business Schools". Darin finden Sie auch eine Anbieterübersicht für MBA, Mater und Zertifikate. Hier geht es zum Download.


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