Schnell, schneller, eingestellt - der Faktor Zeit im Recruiting
Liegt eine passende Bewerbung vor, heißt das noch lange nicht, dass sich der Bewerber auch wirklich für diesen Arbeitgeber entscheidet. Allein im Vorstellungsgespräch gehen zahlreiche Kandidaten verloren. Selbst nach der Vertragsunterzeichnung werden Arbeitgeber mit einer Absage konfrontiert – 17 Prozent sogar häufig oder sehr häufig. Das ermittelte eine repräsentative Studie, für die Bitkom Research im Auftrag von Personio deutschlandweit mehr als 300 Unternehmen befragt hat.
In 95 Prozent dieser Fälle hat der Bewerber inzwischen eine Stelle in einem anderen Unternehmen gefunden – einem Unternehmen, das wahrscheinlich schneller agiert und so den Bewerber für sich gewonnen hat.
Der Erfolg im Recruiting steigt mit der Unternehmensgröße
Je größer ein Unternehmen ist, desto höher liegt die Erfolgsquote, wenn es darum geht, aus einem Vorstellungsgespräch einen geeigneten Mitarbeiter zu gewinnen. Während Unternehmen mit 50 bis 99 Mitarbeitern hierbei nur in elf Prozent aller Fälle erfolgreich sind, erreichen Firmen mit 100 bis 499 Mitarbeitern einen Anteil von 18 Prozent. Bei größeren Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern führen rund 35 Prozent der Vorstellungsgespräche zu einer Anstellung.
Den Grund dafür sehen die Studienautoren in der besseren softwaretechnischen Abbildung der Recruitingprozesse in größerer Unternehmen. Größere Firmen haben laut Studie häufiger HR-Software im Einsatz (34 Prozent) als mittlere (17 Prozent) oder kleinere Unternehmen (zwölf Prozent). Darüber hinaus verfügen die meisten größeren Unternehmen über einen definierten und strukturierten Einstellungsprozess (94 Prozent). Bei den mittleren Unternehmen sind es nur 69 Prozent und bei den kleinen Firmen lediglich 31 Prozent.
Software spart Vorstellungsgespräche und bringt mehr Vertragsabschlüsse
Wer eine Software für das Bewerbermanagement installiert hat, führt deutlich weniger Bewerbungsgespräche (18 Prozent) als Unternehmen ohne Bewerbermanagementsystem (23 Prozent), selektiert also besser vor. Am Ende resultieren aus der Gesamtzahl der Bewerber jedoch prozentual genauso viele Neueinstellungen (fünf Prozent) wie bei den Unternehmen, die keine Software nutzen, aber deutlich mehr Gespräche führen.
Doch noch besteht beim Einsatz von Bewerbermanagement-Software Luft nach oben. Nur 16 Prozent der befragten Firmen nutzen eine solche Lösung, weitere acht Prozent planen die Einführung und 17 Prozent diskutieren immerhin darüber.
Für die Personalauswahl fällt viel Arbeitszeit an – oft unnötig
Die Studie zeigt darüber hinaus, wie sehr der Auswahlprozess die internen Kräfte des Unternehmens bindet: Bei der Besetzung einer Führungskraft-Stelle benötigen die Unternehmen im Schnitt 2,8 Auswahlrunden, bei einer Fachkraft-Stelle durchschnittlich 1,8 Termine. Im Durchschnitt sind 4,3 Mitarbeiter an den Auswahlrunden beteiligt – am häufigsten Personalverantwortliche (durchschnittlich 1,6), Mitarbeiter aus der Fachabteilung (1,5) und Mitglieder der Geschäftsführung oder des Vorstands (1,1).
Bessere Vorselektion der Bewerber vonnöten
Die Hauptgründe für das Nicht-Einstellen von Bewerbern sind jedoch Kriterien, die bereits durch eine gute Vorselektion festgestellt werden könnten: In 97 Prozent der Fälle erfüllen die Bewerber nicht die Kriterien der Stellenanzeige, in weiteren 97 Prozent der Fälle nennen sie zu hohe Gehaltsvorstellungen.
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