Smartphones stören beim Denken
Je mehr mobile Geräte wie Smartphones Teil des täglichen Lebens werden, desto abhängiger werden viele Nutzer von ihnen. Die Abhängigkeit geht bei einigen so weit, dass die Angst, nicht mobil erreichbar zu sein, fast krankhafte Züge annimmt. Dafür ist aus dem englischen Sprachraum schon ein eigener Begriff herübergeschwappt: die Nomophobie (abgeleitet von "No-Mobile-Phone-Phobia").
Um sich zu versichern, dass sie nach wie vor erreichbar sind, werfen viele Smartphone-Nutzer deshalb gerne in regelmäßigen Abständen einen Blick auf ihr Display. Laut einer Umfrage von Mind Store Marketing tut dies mehr als die Hälfte der 3.795 befragten Smartphone-Nutzer alle fünf bis zehn Minuten. Fast ebenso viele fühlen sich ohne ihr Mobiltelefon sogar nackt.
Trainer sollten Smartphones aus dem Blickfeld verbannen
Der ständige Blick aufs Handy kann im analogen Umfeld, etwa in Meetings oder Seminaren, jedoch durchaus ablenken. In einer Befragung von Office Team beklagten etwa 60 Prozent von insgesamt 200 Personalmanagern, dass viele ihrer Firmenkollegen selbst in Meetings nicht von ihrem Mobilgerät lassen können. Die wenigsten Personaler haben für die Smartphone-Sucht ihrer Kollegen Verständnis.
Wenig Verständnis dürften auch Trainer oder Personalentwickler haben, wenn im Seminar oder Training Smartphones mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als die Lerninhalte. Viele möchten dem entgegenwirken und bitten die Teilnehmer präventiv, ihre Mobilgeräte während des Seminars nicht zu benutzen.
Einer US-Studie zufolge, die in der Zeitschrift "Social Psychology" erschienen ist, verspricht dies jedoch nur Erfolg, wenn die Geräte gänzlich aus dem Blickfeld der Besitzer verbannt werden: Denn demzufolge können Smartphones auch dann die kognitive Leistung verringern, wenn sie nicht aktiv benutzt werden.
Teilnehmer mit Smartphone schneiden schlechter ab
Mit dieser These ging ein Forschungsteam um Bill Thornton von der University of Southern Maine ans Werk. Um die These zu überprüfen, baten die Wissenschaftler Studenten zweier Kurse einer US-amerikanischen Universität eine Reihe von Aufgaben – wie zum Beispiel das Markieren bestimmter Zahlen in Zahlenreihen – unter Zeitdruck zu bearbeiten, um deren kognitive Fähigkeiten zu testen.
Die Aufgaben waren unterschiedlich schwer: Einige erforderten weniger und andere mehr Aufmerksamkeit und kognitive Kapazität. In einem der beiden Kurse wurde den Studierenden zudem gesagt, dass es in einem späteren Fragebogen um Mobiltelefone gehen würde, weshalb sie gebeten wurden, ihre Mobiltelefone vor sich auf dem Tisch bereit zu legen.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Studenten, die ein Mobiltelefon auf dem Tisch liegen hatten, bei schwierigen Aufgaben, die viel Aufmerksamkeit und kognitive Kapazität erforderten, schlechter abschnitten als ihre Kommilitonen, die ihr Mobiltelefon nicht in Sichtweite hatten. Bei leichten Aufgaben, die wenig Aufmerksamkeit und kognitive Kapazität erforderten, gab es hingegen keine Leistungsunterschiede zwischen den Studenten beider Kurse.
Bei kognitiv anspruchsvollen Aufgaben, so das Fazit der Wissenschaftler, sollten die Nutzer ihr Mobiltelefon also gemäß dem Sprichwort "aus den Augen, aus dem Sinn" lieber außer Sichtweite lassen.
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