| Weiterbildung der Zukunft

Digitalisierung fordert Selbstmarketing-Profis

Um in der digitalen Arbeitswelt bestehen zu können, müssen sich Arbeitnehmer künftig besser als bisher selbst vermarkten können, so eine Studie.
Bild: Stockbyte

Künftig sollten Weiterbildner auf ihrer Personalentwicklungsagenda wohl vermehrt Weiterbildungen zum Thema "Selbstmarketing" und "Selbstorganisation" anbieten. Denn die Fähigkeit dazu werde im Zuge der Digitalisierung immer wichtiger, prognostizieren Forscher des Fraunhofer-Instituts ISI.

Heute ist der "Deutsche Weiterbildungstag": Deutschlandweit finden hunderte Veranstaltungen rund um das Thema "Weiterbildung" statt. Ziel des Aktionstags, der 2007 vom Bundesverband der Träger beruflicher Bildung (BBB) und dem Deutschen Volkshochschul-Verband (DVV) initiiert wurde, ist es die öffentliche Wahrnehmung dafür zu schärfen, was die verschiedenen Formen von Weiterbildung in Deutschland leisten.

Der diesjährige Aktionstag steht ganz im Zeichen der Digitalisierung. Die Zukunft der Weiterbildung spielt in zahlreichen Veranstaltungen die Hauptrolle. (Mehr Informationen zum "Deutschen Weiterbildungstag 2016" finden Sie hier.)

Welche Fähigkeiten werden künftig wichtig?

Auch für Weiterbildner, die heute nicht an Veranstaltungen zum "Weiterbildungstag" teilnehmen, ist die Aktion ein guter Anlass darüber nachzudenken, welche Fähigkeiten künftig in der digitalisierten Arbeitswelt wichtig werden und was dies für die Zukunft von Aus-, Weiterbildung und Personalentwicklung bedeutet.

Antworten auf diese Frage geben die Forscher des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI: Im Auftrag der Vodafone-Stiftung haben sie eine Zukunftsstudie erststellt, die Prognosen darüber zulässt, wie die digitale Arbeitswelt in Zukunft aussehen könnte, welche Fähigkeiten wichtig werden und welche Anforderungen dies an die Aus- und Weiterbildung stellen wird.

Dabei stellten sie zwei wichtige Tendenzen fest: Zum einen werde künftig die Fähigkeit, sich selbst zu vermarkten, immer wichtiger. Und zum anderen würden die Grenze zwischen den Branchen immer mehr verschwimmen.

Crowdworking und Projektarbeit: Immer neu bewerben

Die Gründe dafür erklären sie so: In der digital vernetzten Wirtschaft könnten die Wertschöpfungsprozesse in immer kleinere Arbeitsschritte unterteilt und dann flexibel ausgelagert werden. Die Palette dieser Tätigkeiten reicht von wissenschaftlichen Analysen, die an spezialisierte Forscher vergeben werden, über Grafik-Entwürfe an freiberufliche Designer bis hin zu einfachen Routine-Tätigkeiten an ein Heer aus "Click-Workern" (mehr zum Thema "Crowdworking" lesen Sie im Titelthema "Arbeitskräfte aus der Crowd" in Ausgabe 10/2016 des Personalmagazins. Hier können Sie die Ausgabe als App herunterladen.)

Dieser Prognose zufolge werden also künftig immer mehr Menschen - aus allen Hierarchiestufen und Berufsfeldern - an immer häufiger wechselnden Projektaufträgen arbeiten, um die sie sich immer wieder neu bewerben müssen.

Die Folgen: Wer sich immer wieder neu für Aufträge und Projekte bewerben muss, muss sich nicht nur gut selbst organisieren, sondern auch vermarkten können.

Berufliche Fitness im Internet teilen?

Die Forscher warnen in diesem Zusammenhang vor einer zunehmenden Spaltung des Arbeitsmarkts - zwischen den Menschen, die perfekt vernetzt sind und ihre Kompetenzen auf Karriereseiten und Auftragsvergabeplattformen im Internet gut darstellen können und all jenen, die dies nie gelernt haben.

"Noch brisanter wird all dies dadurch, dass es mithilfe digitaler, tragbarer Messgeräte, 'Wearables', immer mehr Möglichkeiten gibt, seine eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu bewerten und im Internet zu teilen", schreiben die Forscher. "Was bereits heute viele Hobby-Sportler freimütig tun, um zum Beispiel ihre Joggingerfolge online zu vergleichen, könnte bald auch auf die 'berufliche Fitness' ausgeweitet werden", konkretisieren sie ihre Bedenken.

Weiterbildungen zu Selbstmarketing und Selbstorganisation gefordert

Die neuen Anforderungen an Arbeitnehmer bedeuten auch, dass Lehrer, Ausbilder und Personalentwickler in Schulen und in der betrieblichen Weiterbildung ihre Curricula anpassen müssen – zum einen, um die Lerner in den digitalen Basiskompetenzen sowie in den Bereichen Selbstmarketing und Selbstorganisation zu schulen und ihnen auch selbstgesteuertes Lernen beizubringen (mehr zum Thema "selbstgesteuertes Lernen" lesen Sie hier).

Zum anderen, so die Studienautoren, müssten Aus- und Weiterbildner die Lerner aber auch im Bereich "Soft Skills" dabei unterstützen, ihre Stärken und Kompetenzen präzise einzuschätzen und verantwortungsvoll Daten über sich selbst zu verbreiten.

Mehr fachübergreifende Kompetenzen gefragt

Da die Digitalisierung über Branchengrenzen hinweg ermöglicht, Abläufe zu automatisieren, werde künftig auch die Bedeutung branchenübergreifender Kompetenzen steigen, prognostizieren die Studienautoren. Dies gelte sowohl für digitale Qualifikationen an den Mensch-Maschine-Schnittstellen als auch bestimmte soziale Fähigkeiten, die nicht durch Computer ersetzt werden können. Auf diese Weise werde künftig in Deutschland auch die klassische Berufsstruktur aufgeweicht. Die Autoren erwarten dadurch bei den Arbeitnehmer mehr Berufs- und Branchenwechsel.

Auch hierfür sind in der Weiterbildung spezielle Angebote und Anreize gefragt. Dazu empfehlen die Studienautoren einen Ordnungsrahmen mit besseren Qualitätsstandards, der es erleichtern soll, diejenigen Weiterbildungen auszuwählen, die wirklich gut und anerkannt sind. Und schließlich steige auch die Bedeutung von Weiterbildungszertifikaten – denn die Arbeitnehmer müssen ja in der Lage sein, ihre Kompetenzen gut zu vermarkten.

Ausbildung: Anreize für Nachwuchstalente schaffen

Auch auf Ausbilder in Schulen und Betrieben sehen die Studienautoren dadurch neue Anforderungen zukommen: Sie müssten neue, fachübergreifende Kompetenzen in die duale Ausbildung integrieren und für mehr Flexibilität beim Wechsel zwischen Ausbildungsberufen sorgen.

Zudem müssten die Betriebe neue Anreize für Nachwuchstalente schaffen um diese ans Unternehmen zu binden – wenn ihnen künftig nicht nur andere Unternehmen, sondern auch andere Branchen offen stehen.

Wenn künftig immer mehr Menschen im Laufe ihres Lebens die Branche oder den Beruf wechseln, müsse sich auch die Berufsberatung allen Altersgruppen widmen – nicht nur den jungen Arbeitnehmern und Schulabgängern. Um das lebenslange Lernen zu unterstützen, brauche es auch eine lebenslange Berufsberatung, fordern die Autoren.


Die Studie steht zum kostenlosen Download bereit unter www.vodafone-stiftung.de.

Schlagworte zum Thema:  Weiterbildung, Personalentwicklung, Lernen, Digitalisierung, Marketing, Ausbildung

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