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| Frauenquote

Was Intel von deutschen Unternehmen lernen kann

Welche Vorurteile bei der Personalauswahl unbewusst entstehen, zeigt die Bilderserie.
Bild: MEV-Verlag, Germany

In Las Vegas begeistern die Technologieriesen derzeit auf der CES mit ihren Zukunftsvisionen. Intel nutzt die Plattform zudem für seine soziale Vision der Arbeitswelt: Chef Brian Krzanich kündigt an mehr Frauen und Minderheiten beschäftigen zu wollen. Das Geld dafür hat er.

Das Silicon Valley stand im vergangenen Jahr in keinem guten Licht: Weiße Männer beherrschen die Chefetagen, belegten die veröffentlichten Transparenzberichte

Der Chip-Konzern Intel will dagegen etwas tun – mithilfe von 300 Millionen Dollar, wie Krzanich auf der CES verkündete. Allein was genau er mit dem Geld anstellen will, um tatsächlich Frauen und Minderheiten im Unternehmen zu fördern, ließ er offen. Zumindest machte er klar, dass er die Prämien des Managements an die Erfüllung der Gleichberechtigungsziele koppeln will. Wie ein solcher Quotenbonus im Management aussehen kann, zeigt Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe, im Interview mit dem Personalmagazin. Ihr Top-Management erhält weniger Bonus, wenn es Frauen nicht ausreichend fördert.

Auswahlverfahren werden überarbeitet

Und es gibt weitere Beispiele aus Deutschland, die sich Krzanich ansehen könnte – wenngleich auch hierzulande Männer noch immer die besseren Chancen auf einen Vorstandsposten haben als Frauen. Das belegt eine Studie der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young). Danach gab es nur 37 Frauen im Top-Management der Firmen im Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax, Ende des Vorjahres waren es noch 41. Dem stehen aktuell 626 männliche Vorstandsmitglieder gegenüber.

Doch immer mehr Konzerne arbeiten daran, überholte Denkmuster zu überwinden. Und in den Ebenen unter dem Vorstand scheint sich einiges getan zu haben - immer mehr Konzerne gehen bei der Suche nach Frauen für Führungspositionen neue Wege. "Unser Ziel ist es, bis zum Jahresende 2015 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen", sagte der Personalvorstand der Allianz Deutschland, Wolfgang Brezina, der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit sind es rund 28 Prozent. Um mehr weibliche Talente zu entdecken, hat der größte deutsche Versicherer Auswahlprozesse verändert. Das Ziel war es, alte Denkmuster zu überwinden, die zu sehr auf männliche Führungskräfte ausgerichtet waren.

Wissenschaft bestätigt unbewusste Vorurteile in der Personalauswahl

Unter dem Begriff "Unconscious Bias" (Unbewusste Vorurteile) wird das Phänomen seit einiger Zeit diskutiert. Wissenschaftler sehen in dem stereotypen Denken einen Grund dafür, dass bei der Suche nach Führungskräften oft Männern der Vorzug gegeben wird. Der Psychologe Matthias Spörrle, der die Allianz bei dem Projekt berät, nennt unter anderem eine tiefe Stimme oder die Körpergröße als Einflussfaktoren, die unbewusst in Personal-Entscheidungen einfließen. Weitere Merkmale nennt er auch im Personalmagazin, Ausgabe 11/2010 (siehe auch die Bilderserie). Inzwischen hat die Allianz einen weitgehend standardisierten Fragenkatalog entwickelt, der als Leitfaden bei Einstellungsgesprächen helfen soll, stereotypes Denken zu vermeiden.

Auch der Konsumgüterhersteller Henkel hat nach eigenen Angaben verschiedene Instrumente entwickelt, um "Unconscious Bias" bei Personalentscheidungen entgegenzuwirken. So würden in der Regel bei Stellenbesetzungen mehrere Interviews geführt und dabei gezielt unterschiedliche Gesprächspartner eingesetzt. Henkel hat den Anteil von Frauen in den Führungspositionen seit 2008 von gut 26 Prozent auf heute rund 32 Prozent gesteigert und strebt eine weitere Erhöhung an.

Die Commerzbank setzt bei Auswahlverfahren für Führungspositionen unter anderem auf gemischt-geschlechtliche Beobachtergruppen. Weitere Maßnahmen zur Förderung von Frauen: Ausbau der Kinderbetreuung, zudem können sich Führungskräfte eine Stelle teilen. Die Bank will den Anteil von Frauen in verantwortlichen Positionen auf 30 Prozent steigern. Im Sommer 2014 lag er bei 27,8 Prozent konzernweit.

Thyssenkrupp will den Anteil verantwortlicher Managerinnen von 8,8 Prozent im vergangenen Jahr auf 15 Prozent bis 2020 steigern. Dazu gibt es unter anderem ein Mentoring-Programm für Frauen und Schulungen, bei denen Führungskräfte auf unterbewusste Vorbehalte aufmerksam gemacht werden.

Gesetz zur Frauenquote schon auf dem Weg

Ein Gesetz zur Frauenquote von 30 Prozent in großen Unternehmen hat das Kabinett noch im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht. 

Doch noch mehr Unternehmen hatten sich vorab freiwillig auf eine Quote festgelegt. Welches Unternehmen sich welche Quotenziele zur Frauenförderung schon freiwillig gesteckt hat, hat das Personalmagazin analysiert – mit negativem Ergebnis. Hier können Sie eine Kurzübersicht der Ergebnisse abrufen.

In seiner Kolumne richtet Alexander R. Zumkeller drei wichtige Bitten zur Umsetzung des Gesetzes zur Frauenquote an die Regierung.

dpa / Haufe Online Redaktion

Hier geht's zur Bilderserie "Vorurteile im Recruiting"

Frauenquote, Diversity Management, Personalauswahl

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