Zweifel an Chancengleichheit im Job
Welche Faktoren haben den größten Einfluss darauf, wie sich jemand auf dem Arbeitsmarkt schlägt und wie es bei der Karriere läuft? Diese Frage war ein Schwerpunkt der achten Auflage der Studie "So arbeitet Deutschland" der Personalberatung SThree in Zusammenarbeit mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Yougov. Für die repräsentative Erhebung wurden mehr als 2.000 Menschen aus Deutschland befragt.
Dabei wird deutlich: Aspekte, die am stärksten negativ auf dem Stellenmarkt wirken können, haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach Ansicht der Befragten gar nicht selbst in der Hand – das stellt die Chancengleicht im Job deutlich infrage. Jeweils ein Viertel der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer sagt nämlich, die Nationalität (28 Prozent) hemme die Chancen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland. Dieser Faktor wird damit am häufigsten von allen genannt. Dass die soziale Herkunft zum Nachteil auf dem Arbeitsmarkt werden kann, sagen 24 Prozent.
Studie zur Gleichstellung: Nationalität als Karrierefaktor
Beim näheren Hinschauen fällt auf, dass Menschen mit und ohne Migrationshintergrund die Sachlage deutlich verschieden wahrnehmen. Denn fast die Hälfte der Befragten mit Migrationshintergrund (42 Prozent) betrachten die Nationalität als besondere Hürde, während nur 26 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund dieser Ansicht sind.
Dass allein der Bildungsabschluss über die Jobaussichten entscheidet, denkt rund ein Viertel (26 Prozent) der Befragten. Dabei ist der Anteil bei den über 55-Jährigen (30 Prozent) allerdings doppelt so hoch wie bei den 18- bis 24-Jährigen (15 Prozent). Die Studienmacher erkennen hierin einen Generationenkonflikt. "Die Jugend scheint den Glauben an den Weg zum sozialen Aufstieg nicht zu haben", sagt Timo Lehne, Geschäftsführer von SThree, "dabei ist der deutsche Ausbildungs- und Stellenmarkt keinesfalls gesättigt und bietet viel Ein- und Aufstiegspotenzial, auch für Quereinsteiger – insbesondere bei dem vorherrschenden Fachkräftemangel in Deutschland."
Mitarbeiterbindung steht und fällt mit dem Geld
Viel wird über "Purpose" und die Bedeutung sinnstiftender, erfüllender Arbeit geschrieben, wenn es ums Thema Mitarbeiterbindung geht. Die Ergebnisse der neuen Studie zu diesem Punkt wirken da ein wenig ernüchternd. Demnach ist weiterhin das ausschlaggebende Kriterium der Mitarbeiterbindung ein überdurchschnittliches Gehalt – zumindest aus Perspektive der Studienteilnehmenden. Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) nennt nämlich ein hohes Gehalt als Schlüsselfaktor.
Drehte sich die öffentliche Diskussion in den vergangenen Jahren um den Punkt, dass vor allem jungen Leuten die persönliche Entfaltungsmöglichkeit in der Karriere wichtig sei, zeigt die Studie hier ein anderes Bild: Für 61 Prozent der Befragten, die noch studieren, ist ebenfalls das Gehalt für eine langfristige Unternehmensbindung ausschlaggebend. Allerdings zeigt die Studie ebenfalls, dass die Wertschätzung gegenüber dem Einzelnen (42 Prozent) sowie die Vereinbarkeit des Privaten mit dem Beruf (45 Prozent) auch sehr bedeutsam bei der Arbeitgeberwahl sind.
Speziell bei den Jüngeren, den 18- bis 24-Jährigen, lässt sich mit Blick auf den "Purpose" generell eine gewisse kritische Grundhaltung aus den Befragungsergebnissen herauslesen. Knapp ein Fünftel dieser Gruppe (22 Prozent) gibt an, ein gezielt kommunizierter "Corporate Purpose" sei reines Marketing. Zudem spielt für fast die Hälfte (44 Prozent) "Corporate Purpose" nach eigenen Angaben bei der Arbeitgeberwahl keine Rolle.
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