Agile Personalentwicklung: Konzepte und Methoden

Die Anforderungen an Unternehmen und deren Mitarbeitende wandeln sich schneller denn je. Agile Personalentwicklung ist ein Ansatz, hier Schritt halten zu können. Selbstgesteuertes Lernen und stärkere Eigenverantwortung treten dabei an die Stelle vorgegebener Seminarprogramme.

So wie die Arbeitswelt insgesamt dahin tendiert, vermehrt auf agile Arbeitsweisen zu setzen und agile Organisationen herauszubilden, so wandelt sich auch die Rolle der Personalentwicklung hin zu einem agilen Konzept mit der Betonung der Selbstverantwortung und Selbstentwicklungskompetenz der Mitarbeitenden und der individuellen Gestaltung von Lernprozessen.

Agile Personalentwicklung: Definition

Die Anforderungen an Kompetenzen und Wissen der Mitarbeitenden in den Fachbereichen ändern sich so rasant, dass auch die Personalentwicklung wesentlich anpassungsfähiger und wendiger agieren muss und sich konsequent an den Bedürfnissen ihrer Kunden - den Mitarbeitenden - ausrichten muss. Im Zuge der agilen Personalentwicklung erhalten die Fachbereiche und einzelnen Mitarbeitenden daher mehr Verantwortung für ihre berufliche Entwicklung. Schließlich kennen sie die Anforderungen und Trends hinsichtlich neuer Technologien oder Methoden am besten und können Kompetenzlücken einschätzen. Die Rolle der Abteilung Personalentwicklung wandelt sich damit von der Top-Down-Gestalterin hin zur Ermöglicherin von Lernprozessen. In vielen Unternehmen spiegelt sich dies auch in Neubenennungen der entsprechenden Abteilung wider: Corporate Learning, Learning & Development oder Ähnliches.

Konzepte der agilen Personalentwicklung

Eine agile Personalentwicklung überträgt die agilen Grundwerte auf die Förderung von Talenten im Unternehmen. Diese stammen ursprünglich aus dem Bereich der Softwareentwicklung. Um agile Werte auf die Personalentwicklung anzuwenden, müssen drei Voraussetzungen gegeben sein:

  1. Die Führungsebene muss geeignete Rahmenbedingungen für das Lernen schaffen und es als selbstverständlichen Teil des Tagesgeschäfts verstehen. Jede Führungskraft sollte einen Teil ihrer kostbaren Zeit für die agile Talententwicklung ihrer Mitarbeitenden nutzen und verstehen, dass sich das lohnt. Klassische agile Konzepte wie zum Beispiel Scrum fördern diese Reflexion durch regelmäßigen Austausch über das im Prozess Gelernte.
  2. Agile Personalentwicklung erfordert Trainer und Trainerinnen sowie Coaches, die die passende Haltung haben. Keine Allwissenden, die goldene Regeln präsentieren, die angeblich immer funktionieren. Stattdessen sind eher Prozessbegleitende gefragt, die gemeinsam mit den Mitarbeitenden auf deren individuelle Situation eingehen und Lösungen erarbeiten.
  3. Agile Personalentwicklung bedeutet für Führungskräfte, Lernanforderungen beständig zu erkennen. Lernerfahrungen müssen völlig auf den Nutzen des individuellen Mitarbeitenden ausgerichtet sein sowie "on-demand" und zeitnah ermöglicht werden. Das bedeutet, agile Personalentwicklung ist das Gegenteil von Standardseminaren, die allen Mitarbeitenden im regelmäßigen Turnus in leicht veränderter Form angeboten werden.

Agile Konzepte in der Personalentwicklung führen unweigerlich zur Frage, über welche Methoden und Formate man agiles Lernen ermöglichen kann.

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Agile Methoden der Personalentwicklung

Grundsätzlich können bekannte Lernmethoden und -formate wie zum Beispiel Mentoringprogramme oder Workshops auch in der agilen Personalentwicklung genutzt werden. Sie sollten jedoch agilen Prinzipien entsprechen und als agile Impulse genutzt werden. Individualisierung und die Anpassungsmöglichkeit des Lernprozesses sind ausschlaggebend für agiles Lernen. Lernziele sind auf den Erwerb von Kompetenzen und nicht von Wissen ausgerichtet und können sich im Lernprozess ändern. Es geht für die Lernenden darum, ihre ganz individuellen neuen Herausforderungen meistern zu können. Dadurch nimmt die Rolle von Lernen im Arbeitsprozess und durch den Austausch im Team zu.

Ganz grundsätzlich ist informelles Lernen am Arbeitsplatz im Vorteil, wenn die Personalentwicklung nicht angebotsorientiert, sondern nachfrageorientiert gesteuert wird. Hierzu zählt das selbstgesteuerte Lernen mithilfe einer digitalen Lernplattform ebenso wie der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie - ganz klassisch - die Nutzung von Fachbüchern. Informelles Lernen im Sinne einer agilen Personalentwicklung kann also sehr unterschiedliche Gestalt annehmen, es erfordert jedoch stets die Eigeninitiative der Mitarbeitenden.

Die Personalentwicklung kann diese Form des Lernens unterstützen, indem sie Workshops anbietet, die den Mitarbeitenden das selbstgesteuerte Lernen vermitteln und Möglichkeiten zur Selbst- und Fremdeinschätzung geben. Auch die Bereitstellung von Räumlichkeiten, in denen Mitarbeitende lernen, diskutieren und sich konzentrieren können, gehört dazu. Mithilfe von Learning Experience Plattformen können Mitarbeitende Kompetenzen bei Bedarf erwerben und direkt im Arbeitsprozess anwenden. Zudem sind Formate gefragt, die das Lernen voneinander ermöglichen. Viele Lernplattformen ermöglichen es darum, dass Mitarbeitende eigene Lerninhalte, zum Beispiel Erklärvideos, hochladen und so mit ihren Kolleginnen und Kollegen teilen.

Agile Personalentwicklung als Teil von New Work

Unter dem Gesichtspunkt "New Work" betrachtet, kann agile Personalentwicklung hierarchische Strukturen auflösen, die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden stärken und die Entwicklung der Unternehmenskultur unterstützen. Durch die komplexen Anforderungen der VUCA-Welt sind Unternehmen heute angewiesen auf Mitarbeitende, die herausfordernde Situationen als Lernchance begreifen und Marktentwicklungen kreativ mitbestimmen, statt angepasst zu reagieren. Darüber hinaus zahlt agile Personalentwicklung auch auf die Arbeitgebermarke ein, wenn Talente sich in ihren Entwicklungswünschen ernst genommen fühlen und ihr Potenzial in einem Unternehmen ausschöpfen können.


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Schlagworte zum Thema:  Personalentwicklung, Agilität, New Work