Neue Initiative zu People Analytics

Beim Thema Predictive People Analytics fehlt es oft an wissenschaftlich fundierten Kenntnissen, der Wissenschaft wiederum fehlen die Datensätze. Deshalb möchte Professor Florian Englmaier von der LMU München enger mit Unternehmen zusammenarbeiten. Wie das konkret aussieht, erklärt er im Interview.

Haufe Personal Redaktion: Am 27. November fand der erste "PPA Industry - Academia Summit" in München statt. Das suggeriert, dass eine Fortsetzung geplant ist.

Florian Englmaier: Ja, das war nur der Auftakt von mehreren Aktivitäten. Wir wollen eine große Veranstaltung im Jahr machen und dann etwa alle vier bis sechs Monate kleinere fokussierte, halbtägige Treffen zu bestimmten Themen.

Neue Initiative des Lehrstuhls für Organisationsökonomik

Haufe Personal Redaktion: Wer steht dahinter?

Englmaier: Das ist eine neue Initiative des Lehrstuhls für Organisationsökonomik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Den Anstoß dazu gab vor allem Theo Siegert, der bis 2012 als Honorarprofessor an der LMU gelehrt hat und Spezialist für Finanzanalyse und Unternehmensführung ist.  

Haufe Personal Redaktion: Sind Sie mit der Resonanz zufrieden?

Englmaier: Auf jeden Fall. Es haben sich knapp hundert Teilnehmer angemeldet, darunter etwa 20 Wissenschaftler. Immer mehr HR-Manager verstehen die Komplexität der neuen Herausforderungen. Früher waren die Aufgaben von HR klar definiert. Heute ändert sich für die Funktion vieles und sie wird - dank People Analytics - oftmals genauso beurteilt wie zum Beispiel das Produktionsmanagement. Gleichzeitig hat HR heute aber auch die Möglichkeit, als Funktion eine zentrale Rolle zu bekommen. Denn es gibt einen generellen Trend, dass die Wertschöpfung in den Köpfen und im Innovationsvermögen der Mitarbeiter entsteht. Die Pflege der Mitarbeiter wird daher künftig den größten Stellenwert haben.

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Haufe Personal Redaktion: Was ist Ihr Interesse an dem Thema?

Englmaier: Unser Interesse ist es, Fragen aus der Praxis zu bekommen. Denn viele davon lassen sich empirisch untersuchen. Dazu brauchen wir aber den Zugang zu den Daten und möchten diese selbst erheben. Daher ist eine frühzeitige Einbindung in Prozesse notwendig. Ich erhoffe mir also mehr Anfragen von Unternehmen, ob wir sie bei ihrem Prozess begleiten.

Unterstützung der Unternehmen mit empirischer Forschung

Haufe Personal Redaktion: Wollen Sie damit den Beratern Konkurrenz machen?

Englmaier: Nein, wir wollen tolle Forschung machen. Wir suchen eine Ebene mit den Unternehmen, um sie mit empirischer Forschung bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen zu unterstützen. Bisher war das oft sehr limitiert, weil die Firmen - zum Beispiel gegenüber dem Betriebsrat - nicht offen darüber kommunizieren konnten oder keinen hinreichend integrierten Zugriff auf die Daten hatten. Heute ist der Nutzen durch People Analytics viel deutlicher sichtbar und meine Hoffnung ist, dass Unternehmen damit auch offener werden.

Haufe Personal Redaktion: Sie haben auch eine neue Plattform im Netz geschaffen. Was soll dort passieren?

Englmaier: Das ist eine moderierte Interaktionsplattform, bei der HR-Verantwortliche ihre Fragen oder ihren Input eingeben können. Sie können ihre Herausforderungen beschreiben, sich austauschen und Informationen teilen. Und sie können nachschauen, ob es dazu aktuelle Forschungsergebnisse gibt. Bisher haben wir Zusammenfassungen von Forschungsartikeln eingestellt, aber das Ganze soll natürlich durch den Input aus der Praxis wachsen.

Heute ist der Nutzen durch People Analytics viel deutlicher sichtbar und meine Hoffnung ist, dass Unternehmen damit auch offener werden." - Florian Englmaier


Das Interview führte Bärbel Schwertfeger, freie Journalistin, für die Haufe Personal Redaktion.

Professor Florian Englmaier leitet den Lehrstuhl für Organisationökomomik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und legt in seiner Forschung einen Schwerpunkt auf Personalökonomie.


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