In vier Schritten zum Glück
Haufe Online-Redaktion: Sie bezweifeln, dass positives Denken ein gutes Rezept für beruflichen und privaten Erfolg ist. Sind Sie eine typisch deutsche Bedenkenträgerin?
Gabriele Oettingen: Im Gegenteil. Unsere Forschung der vergangenen 20 Jahre zeigt, dass positives Denken wichtig für den Erfolg ist. Allerdings genügt es alleine nicht, um seine Ziele zu erreichen.
Glücksforschung: Positives Denken ist wichtig für den Erfolg, aber es genügt nicht alleine, um Ziele zu erreichen.
Click to tweet
Haufe Online-Redaktion: Aber guter Dinge zu sein und an die Zukunft zu glauben klingt doch, als käme der Schwung von allein.
Oettingen: Genau das ist das Problem. Wenn ich abnehmen oder einen neuen Job finden will und ich gehe mit der Haltung daran, das klappt von selbst, dann fühle ich mich schon angekommen und werde mich entspannen. Positive Zukunftsfantasien und unreflektierte Zufriedenheit übersehen die Dinge, die der Zielerreichung im Weg stehen. Wir haben in einer Studie gezeigt, dass Hochschulabsolventen, die sich lediglich positiven Zukunftsfantasien hingegeben hatten, nach zwei Jahren weniger verdienten und weniger Jobangebote erhielten als diejenigen, die auch negative Gedanken zugelassen hatten.
Haufe Online-Redaktion: Wie erklären Sie dies?
Oettingen: Die Energie sinkt bei rein positiven Tagträumen, das kann man über Selbstberichte messen und über das Absinken des systolischen Blutdrucks. Zum Erreichen von Zielen muss man Energie aufbringen und komplexe Themen anpacken. Wir müssen durchhalten und die Probleme geschickt lösen, wenn wir unsere Wünsche erfüllen wollen.
Haufe Online-Redaktion: Halten Glücksmanager die Mitarbeiter also vom Handeln ab?
Oettingen: Bunte Büromöbel, gutes Essen, Fitness-, Ruheräume, nette Kollegen: Das ist alles gut, um den Arbeitsalltag angenehmer zu machen. Glücksmanager können viel in Gang setzen. Aber: Das wird meine Wünsche nicht erfüllen. Ich muss selbst aktiv werden.
Glücksforscherin: Glücksmanager können viel in Ganz setzen. Aber die Mitarbeiter müssen selbst aktiv werden.
Click to tweet
Haufe Online-Redaktion: Das klingt nach Arbeit.
Oettingen: Nicht ganz, denn es geht erstmal um mentale Bilder. Diese setzen nicht-bewusste Prozesse in Gang, die mir helfen, die Ziele aktiv zu erreichen. Um aktiv zu werden, sollte man erst positiv über die Zukunft fantasieren, sich dann aber die inneren Hindernisse vor Augen führen. Diese Imaginationstechnik, die wir mentales Kontrastieren nennen, lässt uns die Ziele erreichen. Wir haben dies zu WOOP weiterentwickelt – einer mentalen Entdeckungstour in vier Schritten ( Mehr dazu ).
Haufe Online-Redaktion: Wie funktioniert WOOP?
Oettingen: W steht für Wish, O für Outcome, das zweite O für Obstacle, das P für Plan. Zuerst finde ich einen Wunsch, der herausfordernd ist, den ich aber erfüllen kann. Dann stelle ich mir das beste Ergebnis lebhaft vor – und wie ich mich fühle, wenn sich der Wunsch erfüllt. Dabei kann mancher Wunsch abgeschüttelt werden, weil er nicht wirklich wichtig ist. Nun kommt das Hindernis: Was in mir selbst hält mich davon ab, den Wunsch zu erfüllen? Ich identifiziere das Hindernis und stelle es mir lebhaft vor. Dann überlege ich, wie ich es überwinden kann und mache einen Plan, was ich tue, wenn das Hindernis eintritt.
Haufe Online-Redaktion: Können Unternehmen etwas beitragen?
Oettingen: Wenn Firmen den Anstoß geben und WOOP im Training vorstellen, ist das ideal. Man kann es als individuelles Instrument oder in der Gruppe nutzen. Ich kann die vier Schritte mit etwas Übung in fünf Minuten gehen – und habe so einen Freund fürs Leben.
Gabriele Oettingen ist Professorin für Pädagogische Psychologie und Motivation.
Das Interview führte Ruth Lemmer.
-
Acht rettende Sätze für schwierige Gesprächssituationen
372
-
HR-Software-Ranking der 25 größten Anbieter
204
-
Essenszuschuss als steuerfreier Benefit
201
-
BEM ist Pflicht des Arbeitgebers
177
-
Workation und Homeoffice im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen
177
-
Der große NLP-Bluff Teil I: Wie alles begann
1138
-
Probezeitgespräche als Feedbackquelle für den Onboarding-Prozess
110
-
Mitarbeiterfluktuation managen
914
-
Warum Offboarding an Bedeutung gewinnt
74
-
Was Arbeitgeber beim Datenschutz im BEM-Verfahren beachten müssen
61
-
Beliebte Ausbildungsberufe gestern und heute
02.10.2026
-
Wie Führungskräfte schwierige Entscheidungen kommunizieren
01.10.2026
-
Der Dienstplan ist nur die halbe Wahrheit
30.09.2026
-
KI hebt das Workforce Management auf ein neues Level
30.09.2026
-
Zuhören schafft Gemeinschaft und sichert Führungserfolg
30.09.2026
-
Die Zeit des People Managements
29.09.2026
-
Wie Unternehmen von lokalem Engagement profitieren
28.09.2026
-
Damit aus KI-Governance gelebte Praxis wird
28.09.2026
-
Workforce Management – weit mehr als Personaleinsatzplanung
25.09.2026
-
Der Abschluss-Check
25.09.2026