Mit Instant-Feedback hat die Digitalisierung eine mächtige Möglichkeit hervorgebracht, die Zufriedenheit der eigenen Belegschaft zu beurteilen. Die neuen Mitarbeiter-Feedback-Apps ermöglichen Befragungen in Echtzeit.

Viele Unternehmen wissen recht wenig über ihre Mitarbeiter. So werden zwar Fluktuation oder Rekrutierungskosten erfasst, aber zu den Einstellungen, Bewertungen und Präferenzen in der Belegschaft ist kaum etwas bekannt. Denn abseits von Kantine, Etagenküche oder Kaffeeecke fehlt so mancher Führungskraft ein funktionierender Rückkanal, um neben harten Zahlen auch Einblick in die Gedankenwelt seiner Mitarbeiter zu erhalten.

Was ist eine Mitarbeiter-Feedback-App

Unternehmensweite Mitarbeiterbefragungen alle zwei Jahre, deren Ergebnisse mit ein paar Monaten Verzögerung vorliegen, können das aktuelle Befinden der Mitarbeiter nicht nachhaltig widerspiegeln und wirken in Zeiten von Facebook-Like-Button & Co. auch etwas aus der Zeit gefallen. Durch die Digitalisierung wird Feedback schneller, unkomplizierter und individueller.

Digitale Technologien ermöglichen es mittlerweile sogar, Feedback jederzeit und überall zu erhalten – in Echtzeit. Ein solches Instant-Feedback, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Ob ein Instant Feedback über eine Smartphone-App oder via Webbrowser abgegeben wird, entscheidet in der Regel der Nutzer selbst. Allerdings ist die Smartphone-App klar die unmittelbarste Methode fürs Instant-Feedback, denn damit erfolgen die Rückmeldungen quasi im Turbomodus, ist das Handy doch für die meisten ein ständiger Begleiter, das Feedback nur ein paar Fingertipps entfernt.

Wer etwa nach einem Kick-off-Event oder der Vorstellung einer neuen HR-Kampagne wissen möchte, wie Mitarbeiter darüber denken, kann damit die Meinung ohne Zeitverzug abfragen. Ein weiterer Vorteil dabei ist, dass die Ergebnisse direkt von den richtigen Personen abgerufen werden können. Während bei zentralen Mitarbeiterbefragungen die Ergebnisse eventuell an weitere, zu informierende Verantwortliche geschickt werden mussten, können hier alle relevanten Personen unmittelbar Zugriff erhalten. Instant-Feedback bedeutet eben auch Instant-Reporting.

Aktuelle Mitarbeiter-Feedback-Apps auf dem Markt

Das Produktspektrum der Feedbackangebote ist vielfältig: Es sind Lösungen verfügbar, bei denen Instant Feedback ein Modul einer komplexeren, größeren Feedbacklösung ist, es gibt reine Instant-Feedback-Apps und in anderen Lösungen ist Instant Feedback ein zusätzliches Feature, das bestimmte Umfrageformate flankiert, beispielsweise als Ergänzung zu regelmäßigen Pulsbefragungen.

Allen Lösungen gemein ist, dass Umfragen auch frei formuliert werden können. Die Apps können die Mitarbeiter aus den App-Stores herunterladen, um sie mithilfe ihrer Zugangsdaten zu nutzen. Diese Zugangsdaten regeln gleichzeitig die unterschiedlichen Zugriffsberechtigungen und zugänglichen Features. Aktuell auf dem Markt sind beispielsweise die Haufe-IF-App, die HR-Instruments-App, die Honestly-Engage-App, die Impraise-App, die Question-Pro-App und die Quercus-App.

Die Feedback-App als Teil von 360-Grad-Feedback

Ein wichtiges Merkmal von Instant Feedback ist, dass Mitarbeiter Rückmeldungen auch proaktiv abgeben können. Dieses Feature kommt insbesondere beim 360-Grad-Feedback zum Tragen, bei dem sich Mitarbeiter gegenseitig bewerten. So beobachtet man bei Quercusapp Technologies in Zürich, dass innerhalb der Feedbacklösung des Unternehmens etwa zwei Drittel aller Feedbacks angefragt und circa ein Drittel der Feedbacks proaktiv abgegeben werden. „Egal ob Bank, Baustoffhersteller oder Agentur – diese Nutzungsquote beobachten wir bei Unternehmen aller Branchen, die unsere Lösung einsetzen“, erläutert Quercusapp-Mitgründer Mischa Riedo. Eine solche multidirektionale Echtzeit-Interaktivität wäre in Papierform undenkbar. Sie lässt sich nur digital abbilden.

Die Mitarbeiter-Feedback-App in die Feedback-Kultur integrieren

„Aber eine App allein verändert keine Unternehmenskultur“, betont Simon Werther, Professor für Innovationsmanagement an der Hochschule der Medien in Stuttgart und Gründer von HR Instruments in München. Auch sein Unternehmen hat eine Lösung für Instant Feedback im Portfolio. Eine Feedbackkultur zu etablieren, ist dem Experten zufolge ein umfangreicher Veränderungsprozess, der auf unterschiedlichsten Ebenen langfristig verfolgt werden muss. Voraussetzung sei, dass innerhalb eines Unternehmens eine Sensibilisierung und Offenheit für das Thema sichergestellt wird. Erst dann könne die Technik ihre Wirkung entfalten. Doch klar scheint: Instant Feedback und Feedback-Apps spielen dabei eine Schlüsselrolle.


Hinweis: Der Artikel ist zunächst in Ausgabe 07/2018 des Personalmagazins erschienen. Dort finden Sie auch einige Beispiele für Mitarbeiter-Feedback-Apps.

Schlagworte zum Thema:  Feedback, Mitarbeiterbefragung