03.12.2014 | Serie Kolumne Recruiting

Peinliche Personalwerbung

Serienelemente
Henner Knabenreich, Berater und Blogger, zeigt in seiner Kolumne monatlich neue Recruiting-Trends auf.
Bild: Haufe Online Redaktion

Als Mitinitiator der „Goldenen Runkelrübe“ sammelt Henner Knabenreich die schlechtesten Beispiele für Personalmarketing-Maßnahmen und hat dabei schon viel gesehen. Trotzdem kann er es kaum glauben, wie viel dabei wirklich schief läuft. In seiner Kolumne nennt er die gröbsten Fehler.

Immer wieder frage ich mich, was in einigen (Personaler-) Hirnen vorgehen mag, wenn so manche Personalmarketing-Kampagne abgesegnet wird. Oft sagt einem schon der gesunde Menschenverstand: Finger weg!

Die Reputation als Arbeitgeber steht auf dem Spiel

Warum muss beispielsweise eine Verkäuferposition für ein Online-Magazin mit einer nackten Frau beworben werden? Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass die Brust zwar leicht bedeckt ist. Aber es handelt sich nicht um ein Erotik-, sondern um ein Nachrichtenmagazin.

Warum muss ein Branchenverband mit einem Tanga-Slip (ob getragen oder nicht, lässt sich nicht unmittelbar erkennen) auf seine Lehrstellen aufmerksam machen? Klar, wäre es der Branchenverband Trikotage, würde ein Schuh draus. Aber in welchem Kontext steht das Motiv zu Facility Management?

Und wieso muss eigentlich eine Bettszene und ein nahezu nacktes (männliches) Model Werbung für einen angeblichen "Top-Arbeitgeber" machen? "Sex sells" – schon klar. Aber fällt Unternehmen wirklich nichts anderes ein, um die begehrten Talente zu erreichen? Selbst wenn sich jemand dafür begeistern kann (jedes Töpfchen findet ja bekanntlich sein Deckelchen), ist fraglich ob es sich lohnt dafür die Reputation als Arbeitgeber aufs Spiel zu setzen.

In der Stellenanzeige bei Jugendlichen anbiedern

Aber es sind nicht nur die nackten Tatsachen. Beliebt ist auch die Anbiederung bei der jugendlichen Zielgruppe. So heißt es zum Beispiel bei einer Stadtverwaltung in der Werbung für Azubis „Bist du krass?“ Gesucht werden dann Kandidaten für den "Bachelor of Laws". Die verlinkte Website ist dann alles andere als krass. Krass langweilig und krass im Behörden-Style, ja. Oder die regelmäßig wiederkehrenden "Recruiting-Raps". Ist es wirklich so, dass die gesamte Generation Y dem Rap hörig ist? Definitiv nicht, nein. Nun, immerhin konnte letztes Jahr das anbiedernde Video der Polizei NRW neben der Goldenen Runkelrübe auch noch den Silbernen Sellerie abräumen. Erfolg auf ganzer Linie also.

Jobtitel in der Stellenanzeige verwirren oft

Wenig Erfolg versprechen hingegen oft die Stellentitel selbst. Beliebte Position: Der Referent (m/w natürlich). Was genau sich dann hinter solch einer Stelle verbirgt, kann sich der Bewerber anhand des Anforderungsprofils selbst heraussuchen. Vorausgesetzt, er findet die Stellenanzeige aufgrund des austauschbaren Jobtitels überhaupt. Ebenfalls beliebt: Anglizismen und interne Begriffe. Da wird dann ein "IT Application Developer" gesucht, der eigentlich ein Anwendungsentwickler ist. Leider führt das dann dazu, dass diese Stellen nicht nur nicht gefunden werden, sondern in der Folge auch unbesetzt bleiben.

Möglicherweise liegt es zudem daran, dass die Stellenanzeige auch inhaltlich zum Davonlaufen ist. Nicht selten kommt sie nicht auf den Punkt und erschlägt den Bewerber mit einer Fülle an Anforderungen. Geht es um die Benefits, die man als Arbeitgeber zu bieten hat, bleiben dafür zwei Textzeilen – wenn überhaupt. Gerne werden auch Einsatzort, Unternehmensdarstellung oder Ansprechpartner vergessen. Oder man sucht gleich die Eier legende Wollmilchsau – zum Beispiel eine Putzfrau mit Rettungsschwimmerschein. 

Austauschbare Bilder sorgen nicht für Bewerber

Und dann die Sache mit der Bildauswahl: Gerne bedient man sich bei Billigbilddatenbanken. Mit der Folge: Verschiedene Unternehmen werben gleichzeitig mit identischen Zahnpasta-Grinse-Gesichtern. Blöd, wenn dies dann in der gleichen Stadt passiert und der Bewerber unweigerlich über die gleichen Bildmotive stolpert. Auch hier setzt das Unternehmen seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel und verprellt potenzielle Bewerber.

Bei all propagiertem Frechmut im Personalmarketing: Vergessen Sie nicht, dass Ihr Auftritt die Grundlage für die Erwartungshaltung der Bewerber an den künftigen Arbeitgeber darstellt. Demzufolge gilt das Gebot der Authentizität: Etwas vorzuspiegeln, was nicht der Realität oder Unternehmenskultur entspricht, ist tabu. Vielmehr sollten Sie alles dafür tun, dass Sie Bewerber für sich gewinnen. Mit auffindbaren, authentischen und am Bewerber orientierten Stellenanzeigen. Oder ehrlichen Recruiting-Videos beispielsweise. Andernfalls erweist sich ihre vermeintlich originelle Personalmarketingmaßnahme nämlich schnell als Bumerang.

Henner Knabenreich ist Geschäftsführer der Knabenreich Consult GmbH. Er berät Unternehmen bei der Optimierung ihres Arbeitgeberauftritts. Zudem ist er Initiator von personalblogger.net und betreibt selbst den Blog personalmarketing2null.de.

Schlagworte zum Thema:  Personalmarketing, Stellenanzeige, Recruiting, Rekrutierung

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