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21.01.2015 | Serie Kolumne Recruiting

Das ungeliebte Stiefkind der Personaler: Arbeitgeberbewertungsportale

Serienelemente
Henner Knabenreich, Berater und Blogger, zeigt in seiner Kolumne monatlich neue Recruiting-Trends auf.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Aufregung unter HR-Experten ist groß: Glassdoor, das größte Bewertungsportal für Arbeitgeber, kommt nach Deutschland. Kolumnist Henner Knabenreich kann den Wirbel darum nicht nachvollziehen. Für ihn bietet diese Plattform genauso wie Kununu große Potenziale im Employer Branding.

Ein ungeliebtes Stiefkind deutscher Personaler sind Arbeitgeberbewertungsportale. Obwohl bereits seit acht Jahren um Aufmerksamkeit buhlend, sind sie längst noch nicht in der breiten Masse angekommen. Ob sich das mit dem Markteintritt der weltweit größten Plattform, Glassdoor, ändern wird, bleibt abzuwarten. Denn die HR-Community empfängt Glassdoor nicht gerade mit Begeisterung. Schade eigentlich, schließlich bedeutet ein weiterer Anbieter in Deutschland doch endlich mal etwas Wettbewerb im bis dato Quasi-Monopolmarkt von Kununu.

Employer Branding könnten von Bewertungen profitieren

Und das wäre wirklich begrüßenswert, bieten diese Plattformen doch hervorragende Potenziale in Sachen Employer Branding. Wer das Ganze als "Arbeitgeber-Pranger" versteht, hat das Prinzip nicht verstanden. Schaut man nämlich den Durchschnitt aller Bewertungen an, so liegt der bei größer drei auf einer Skala von 0 bis 5. Ein durchaus guter Wert. Denn natürlich gibt es immer wieder Mitarbeiter, die eben nicht mit allem zufrieden sind. Und wie wahrscheinlich ist es, als Arbeitgeber volle fünf Sterne zu bekommen?

Personaler verkennen den Nutzen von Kununu und Glassdoor

Allerdings unterschätzen nach wie vor viele Personaler das Thema Digitalisierung, wie auch die letzten IAB-Berichte verdeutlichen. Die ganze Bandbreite an Maßnahmen, die das Internet in Sachen Personalbeschaffung bietet, wird demnach nur von einem Bruchteil (gemessen an der Gesamtheit deutscher Unternehmen) der Unternehmen genutzt. So ist selbst das Veröffentlichen von Stellenanzeigen auf der Website noch längst kein Standard. Und so ist es natürlich wenig verwunderlich, dass auch die Relevanz von Arbeitgeberbewertungsportalen noch nicht bei den Verantwortlichen angekommen ist.

Bewertungsportale kommen vor allem beim Googeln ins Spiel

Selbst wenn uns die ein oder andere Studie etwas anderes suggerieren will: Weder auf Personaler- noch auf Bewerber-Seite sind diese Portale im Bewusstsein verankert. Da Bewerber allerdings zunehmend direkt nach Stellenangeboten respektive Informationen über Arbeitgeber googeln, finden viele über die Suchergebnisse zu den Portalen, informieren sich dort oder geben gleich eine Bewertung ab.

Von Seiten der Unternehmen werden die Potenziale bis dato nur ansatzweise genutzt, wie eine kurze Stichprobe bei Kununu zeigt. So gibt es dort je Arbeitgeber im Schnitt vier Bewertungen. Selbst Großunternehmen mit mehreren Tausend Mitarbeitern haben im Verhältnis nur wenige Bewertungen. Auch der Zuwachs dieser Bewertungen innerhalb eines Jahres hält sich stark in Grenzen. Allerdings: Auch wenn die Anzahl der Bewertungen oftmals verhältnismäßig gering ausfällt, sie werden sehr wohl wahrgenommen. Und mehr als 100.000 Aufrufe sind keine Seltenheit.

Unternehmen reagieren kaum auf Aussagen in Bewertungsportalen

Vor diesem Hintergrund ist das Engagement der dort aktiven Unternehmen eher ein Trauerspiel. Schließlich ist es nicht damit getan, um jeden Preis Bewertungen einzusammeln - egal ob positiv oder negativ. Entscheidend ist, die entsprechende Wertschätzung zu zeigen,  "Danke" zu sagen und die Bewertungen zu kommentieren. Schließlich kann selbst der richtige Umgang mit einer (negativen) Bewertung, sprich eine Stellungnahme auf eine solche, positiv wirken. Die Bewerber merken: Da kümmert sich jemand, die Bewertung und der dahinter stehende Mensch werden ernst genommen.

Aber die Angst davor, dass nun auf einmal nicht mehr das Unternehmen, sondern der Bewerber oder Mitarbeiter die Informationshoheit hat, sitzt bei Personalern tief. Dabei bekommen sie hier sogar unentgeltlich Marktforschungsdaten, die ins Qualitätsmanagement einfließen können. Denn auch wenn Arbeitgeberbewertungsportale keine Mitarbeiterbefragung ersetzen, so sind sie dennoch ein Indikator für die aktuell herrschende (Miss)-Stimmung im Unternehmen.

Positiv verfälscht Bewertungen hätten Bumerang-Effekt

Ein anderes oft gehörtes Argument gegen den Nutzen von Bewertungsportalen: Solche Bewertungen seien ohnehin geschönt. Das wäre dann allerdings viel zu kurz gedacht. Denn zum einen müsste man in der Tat massiv fälschen, um einen (negativen) Gesamteindruck zu korrigieren. Zum anderen würde man mit unrealistisch positiven Bewertungen Bewerber anlocken, die dann, wenn sie mit der Realität konfrontiert werden, natürlich unzufrieden das Weite suchen. Und das natürlich schnell bei Kununu & Co. mitteilen.

Henner Knabenreich ist Geschäftsführer der Knabenreich Consult GmbH. Er berät Unternehmen bei der Optimierung ihres Arbeitgeberauftritts. Zudem ist er Initiator von personalblogger.net und betreibt selbst den Blog personalmarketing2null.de.

Haufe Online Redaktion

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Personalmarketing, Recruiting, Arbeitgeberattraktivität, Rekrutierung