Keine Industrie 4.0 ohne digitale Kompetenzen der Mitarbeiter. Das ist beinahe täglich zu lesen. Kolumnistin Gudrun Porath fragt sich: Was ist los mit den Kompetenzen derjenigen, die im Unternehmen dafür da sind, Personal bereitzustellen, das den Anforderungen genügt? Sie stellt fest: Die Personalentwicklung hat Lücken.

Das englische Beratungsunternehmen Towarts Maturity veröffentlicht in regelmäßigen Abständen einen umfassenden Learning Benchmark Report. Im Report 2017-18 gibt es auf Seite 14 eine sehr schöne Grafik, die sich mit den Kompetenzen der Learning Professionals in den Unternehmen befasst. Die  liegen demnach in erster Linie in den traditionellen Bereichen des Verwaltens und Organisierens von Trainings und Präsenzseminaren. Deutliche Mängel gibt es dagegen ausgerechnet bei den Kompetenzen, die dringend gebraucht werden, um eine digitale Lernstrategie auf- und umzusetzen. Was virtuelle Klassenräume/Webinare angeht, die Ermöglichung sozialen und kollaborativen Lernens sowie  Datenanalyse gaben gerade einmal rund 30 Prozent der Befragten an, die notwendigen Kompetenzen in der hauseigenen PE  zu haben. Nicht viel besser sieht es aus bei Kompetenzen zur  Entwicklung digitaler Lerninhalte, Evaluation von Programmen, Performance Consulting oder der Unterstützung von Workplace Performance und unternehmerischen Fähigkeiten. Und: Gegenüber 2016 sind kaum Veränderungen zu verzeichnen, obwohl nahezu 100 Prozent der Befragten diese Kompetenzen als wichtig erkannt haben!

Warum es mit dem digitalen Lernen nicht voran geht

Dieses Ergebnis ist durchaus dramatisch und die Frage nach dem Warum nur schwer zu klären. Denn wie soll digitales Lernen selbstverständlicher Bestandteil einer Lernstrategie sein, wenn ausgerechnet diejenigen, die den Mitarbeitern die Anleitung geben sollen,  auf dem Schlauch stehen? Wer nicht sicher ist, was er eigentlich tut, kann anderen nur schwer Sicherheit geben. Gleichzeitig wird so auch klar, warum wir nach wie vor an Themen wie Blended Learning laborieren, Jahre um Jahre ins Land gehen, ein E-Learning-Trend dem anderen folgt und nicht wirklich etwas passiert, was diese Lernformate selbstverständlich und effektiv wirksam werden lässt.

Mindset als Schlüssel zum Erfolg

Solange Learning & Development hier nicht  Kompetenzen auf- und Berührungsängste abbaut, wird das nichts. Auch wenn es ein bisschen entmutigend ist, dass immer wieder zu wiederholen. Es muss losgehen, schleunigst. Dabei hilft vielleicht ein Blick auf die Unternehmen, die bereits jetzt einen sehr hohen Digitalisierungsgrad aufweisen, bzw. vielfältige digitale Technologien nutzen. Sie sind, das hat das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ermittelt, in der Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter deutlich aktiver, setzen zudem häufiger digitale Lerntechnologien ein. Ein Grund könnte sein, mutmaßt das IW und sieht diese These durch die Befragung auch bestätigt, dass in diesen Unternehmen eine größere Affinität und Offenheit zu digitalen Medien herrsche. Der Mindset könnte also der Schlüssel zum Erfolg sein, Offenheit gegenüber einer vernetzten (Arbeits-)welt mit all ihren Risiken, vor allem aber Chancen. Umdenken, neue Schwerpunkte setzen, ganz bewusst und mit klarem Kopf. Dann kommen die digitalen Kompetenzen fast von selbst.

Über die Kolumnistin: Gudrun Porath ist freie Journalistin. Sie beobachtet unter anderem für das Haufe Personal-Portal und die Haufe-Zeitschrift "Wirtschaft + Weiterbildung" die Trends auf dem E-Learning-Markt. Ihre Schwerpunktthemen sind das Lernen mit digitalen und sozialen Medien.