Wenig Austausch zwischen privatem und öffentlichem Sektor
Die private Wirtschaft und der öffentliche Dienst können vom Austausch untereinander profitieren: Führungskräfte etwa, die in einem Bereich Erfahrungen gesammelt haben, können neue Perspektiven mitbringen, wenn sie in den anderen Bereich wechseln. Soweit die Theorie – in der Praxis kommt es jedoch offenbar kaum zu einem Austausch zwischen beiden Sektoren. Das hat eine Kurzstudie der Hertie School of Governance in Zusammenarbeit mit dem Personalberater Egon Zehnder gezeigt. Die Studie basiert auf den Ergebnissen von drei aktuellen in Deutschland durchgeführten Führungskräftebefragungen in der staatlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft.
Kaum Kontakt zwischen beiden Sektoren
Die mangelnde Interaktion der beiden Sektoren ist demnach sowohl bei Karrierepfaden als auch in der tatsächlichen Zusammenarbeit zu erkennen. Im Einzelnen stellten die Studienautoren fest, dass die Karrieremobilität zwischen den beiden Sektoren sehr gering ist: Weniger als zehn Prozent der befragten Führungskräfte haben mindestens fünf Jahre Berufserfahrung im jeweils anderen Sektor.
Auch darüber hinaus gibt es kaum Kontakt zwischen den beiden Bereichen: Staatliche Stakeholder sind die vorletzte Gruppe, mit der Privatunternehmen im alltäglichen Geschäftsleben in Kontakt treten; umgekehrt nennt die Verwaltung die Privatwirtschaft als fünftletzte Gruppe. Haben sie dann Kontakt, machen die beiden Sektoren ungleiche Erfahrungen miteinander: Die Privatwirtschaft schätzt ihre Erfahrungen mit der öffentlichen Verwaltung besser ein als umgekehrt.
Führungskräfte priorisieren Ziele ähnlich
Die Studienautoren befragten die Teilnehmer auch zu ihrem beruflichen Selbstverständnis und ihrer Motivation. Hier zeigen Führungskräften beider Sektoren Übereinstimmungen: Sowohl eine "herausfordernde und interessante Tätigkeit" als auch das "selbstständige Arbeiten" werden von beiden Gruppen als die wichtigsten Merkmale eingestuft.
Gemeinsamkeiten zeigen sich auch bei der Einstellungen der befragten Führungskräfte gegenüber staatlichem Handeln: Beide Seiten mahnen die Reformbedürftigkeit der Verwaltung an – wenn auch die Verwaltung dies deutlich weniger stark tut.
Einig sind sich Führungskräfte aus beiden Sektoren auch in der Priorisierung einiger Führungsziele: Sie setzen Gerechtigkeit vor Effizienz, Ergebnisorientierung vor Regelbefolgung und sind für eine Finanzierung durch Nutzergebühren statt durch Steuern.
Bei anderen Führungszielen treten allerdings deutlichere Unterschiede zutage: Bei der Privatwirtschaft rangieren "Kundenbedürfnisse" und "Rentabilität/Wirtschaftlichkeit" vorne, bei der Verwaltung "Ausrichtung auf Langfristigkeit" sowie "Förderung einer Kultur der Teilhabe".
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