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Was Mitarbeiter sich wirklich wünschen

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft - doch es gibt psychologisch wie finanziell geschicktere Möglichkeiten als Bargeld, um Mitarbeiter zu motivieren.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern einiges bieten, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Dabei geht es nicht allein um die Bezahlung, sondern vor allem auch um ein gutes Arbeitsverhältnis und individuelle Wertschätzung – das zeigt eine Studie von Sodexo.  

Was erhoffen sich Arbeitnehmer im Hinblick auf ihre Arbeitsstelle? Was macht ein Unternehmen für Bewerber attraktiv? Und was hält Mitarbeiter langfristig bei ihrem Arbeitgeber? Soviel vorweg: Das Geld allein ist es nicht. Sicherlich gehen faire Entlohnung und fähige Unternehmensführung Hand in Hand – sind die Mitarbeiter im Branchenvergleich unterbezahlt, werden sie auch den attraktivsten Arbeitsplatz früher oder später verlassen.

Aber genau das gilt eben auch umgekehrt: Ein Unternehmen kann seine Mitarbeiter noch so gut bezahlen, wenn sie sich nicht wertgeschätzt fühlen, bleiben sie entweder dauerhaft hinter ihren Möglichkeiten zurück (was wiederum die Produktivität des Unternehmens zu senken droht) oder sie schauen sich nach einem anderen Arbeitgeber um. 

Das gilt in verstärktem Maße, seit die Generation Y den Arbeitsmarkt erobert hat, die Generation der zwischen 1980 und 2000 Geborenen, für die sinnhaftes Arbeiten, Freiräume und Selbstverwirklichung im Beruf wichtiger sind, als bloßes Geldverdienen. Neben der Bezahlung müssen also auch andere Faktoren stimmen, wenn ein Unternehmen sich im engen Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte behaupten will – Faktoren, die sich unter dem Schlagwort „gutes Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis“ subsumieren lassen. 

Ausreichend Urlaubstage und Weiterbildung sind ganz oben auf der Wunschliste  

Was sich Arbeitnehmer im Einzelnen von ihrem Arbeitgeber wünschen, ist freilich eine sehr individuelle Angelegenheit – einige Tendenzen lassen sich dennoch ausmachen. Das zeigt eine Umfrage unter 1.000 Arbeitnehmern, die von Sodexo, dem führenden Anbieter für betriebliche Sozialleistungen und Incentives, durchgeführt wurde: Auf Platz eins steht unangefochten der Wunsch nach ausreichend Urlaubstagen – egal wie gut das Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis auch sein mag, auf die wohlverdienten Auszeiten wollen 90 Prozent der Befragten ungern verzichten. Unmittelbar danach folgt auf dem zweiten Platz der Wunsch nach Weiterbildung: 88 Prozent der Umfrageteilnehmer legen Wert darauf, sich im Rahmen von Fortbildungen fachlich oder persönlich weiterentwickeln zu können. Interessant ist an dieser Stelle die große Kluft zwischen Wunsch und Realität: Tatsächlich wird es nämlich fast der Hälfte (47 Prozent) der Befragten in ihrem jetzigen Job nur selten oder gar nicht ermöglicht, an entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen.

Ebenfalls hoch im Kurs stehen flexible Arbeitszeiten: Für 82 Prozent der Studienteilnehmer ist es wichtig, in ihrem individuellen Rhythmus arbeiten zu können, so dass sich auch private Interessen wie Freizeit und Familie in den Alltag integrieren lassen. Für drei Viertel der Befragten (75 Prozent) ist es von Bedeutung, dass es keine Überstunden gibt – oder dass diese zumindest bezahlt werden. Die Familienfreundlichkeit des Unternehmens ist für immerhin 64 Prozent ein relevanter Faktor, 48 Prozent der Teilnehmer an der Sodexo-Umfrage möchten auch auf Urlaubsbeihilfen nicht gern verzichten.

Individuelle Wertschätzung ist gefragt

Wenn die Umfrageergebnisse eines deutlich machen, dann, dass Unternehmen es selbst in der Hand haben, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern – aber eben nur dann, wenn sie sich über die individuellen Wünsche ihre Mitarbeiter im Klaren sind und bereit dazu, ebenso individuell darauf einzugehen. Gefragt ist also ein möglichst breiter Mix an Instrumentarien, mit denen ein Arbeitgeber den Angestellten seine Wertschätzung ausdrücken kann. Neben gelebten Werten und einem Führungsstil, der Mitarbeitern Entscheidungsfreiraum bietet, sie fördert und motiviert, können das auch ganz konkrete Zusatzleistungen sein, die individuell ausgeschüttet werden. Besonders einfach geht das in Form von Gutscheinen und aufladbaren Karten. Mehr als eine Viertelmillion Arbeitnehmer nutzen bereits diese Instrumente. Zahlreiche Dax-Konzerne aber auch kleinere Mittelständler setzen auf Gutschein-Incentives, da sich damit Sachleistungen erbringen lassen, die anders als eine Barlohnerhöhung steuerlich begünstigt sind.

Beispielsweise kann eine Firma durch Urlaubsbeihilfen zum Ausdruck bringen, wie wichtig ihr die Erholung ihrer Mitarbeiter ist. Mitarbeiter, die regelmäßig mit dem Auto zur Arbeit kommen, freuen sich vielleicht mehr über Tankgutscheine. Wer dagegen kein Auto fährt, aber gerade eine Familie gegründet hat, fühlt sich womöglich durch einen flexibel einsetzbaren Einkaufsgutschein besonders wertgeschätzt. Und mit Restaurantchecks lässt sich prinzipiell allen Angestellten etwas Gutes tun, schließlich bleibt so mehr vom Gehalt für andere Dinge übrig, als die tägliche Verpflegung.

Mit Gutscheinen Steuerfreigrenzen ausschöpfen

Solche Gutscheine als Teil einer Auswahl an betrieblichen Sozialleistungen haben also den Vorteil, dass sie variabel einsetzbar sind. Vor allem aber bieten sie Unternehmen die Möglichkeit, einen Spielraum im Lohnsteuerrecht sinnvoll zu nutzen, der sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern zugute kommt: Bewegen sich die Geldwerte der Gutscheine innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Freigrenzen, fallen dafür keine Abzüge an.

Während also eine einfache Lohnerhöhung für den Arbeitgeber zusätzliche Sozialversicherungs- und Lohnnebenkosten mit sich bringt und vom Arbeitnehmer versteuert werden muss, handelt es sich bei Restaurantchecks, Tank- und Einkaufsgutscheinen innerhalb der Freigrenzen um einen Brutto-für-Netto-Zufluss zusätzlich zum Grundgehalt.

Gleich in drei Bereichen können die Steuerfreigrenzen ausgeschöpft werden: Sie gelten für Verpflegung, für Sachzuwendungen ohne persönlichen Anlass sowie für Sachzuwendungen anlässlich eines persönlichen Anlasses. So darf die Verpflegung der Mitarbeiter arbeitstäglich mit 6,20 Euro steuerfrei bezuschusst werden – aufs Jahr hochgerechnet, ergibt dies über 1300 Euro steuerfreien Gestaltungsspielraum, den Unternehmen jedem Mitarbeiter in Form von Restaurantschecks auszahlen können. Quasi als Kantine für die Hosentasche. Die Freigrenze für Sachzuwendungen beträgt 44 Euro pro Monat und Mitarbeiter, also 528 Euro im Jahr, wiederum steuerfrei, die zum Beispiel für Tankgutscheine eingesetzt werden können. Hinzu kommen noch einmal 60 Euro für Sachzuwendungen, die aus persönlichen Anlässen vergeben werden – beispielsweise Einkaufsgutscheine zum Geburtstag, Betriebsjubiläum oder zur Geburt eines Kindes.

Flexibles Vergütungssystem dank Zusatzleistungen

Rechnet man all diese Möglichkeiten zusammen, so können Unternehmen jedem Mitarbeiter mit verschiedenen Gutschein-Instrumenten jährlich rund 2.000 Euro zukommen lassen, ohne dass dafür Steuern oder Sozialabgaben anfallen. So lässt sich ein flexibles Vergütungssystem errichten, das zusätzlich zum festen Gehalt individuelle Sachleistungen einbezieht.

Solche Vergütungssysteme sind stark im Kommen: Im europaweiten Durchschnitt liegt der variable Gehaltsbestandteil inzwischen bei 40 Prozent. Deutschland hinkt im internationalen Vergleich allerdings noch deutlich hinterher: Hier liegt der Anteil bei gerade einmal 12 Prozent. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels wird es aber auch hierzulande nicht ausbleiben, dass Unternehmen ihre Attraktivität als Arbeitgeber unter anderem durch solche Zusatzleistungen zu steigern lernen – und ihren Mitarbeitern damit die Wertschätzung zukommen lassen, die ihnen gebührt.

 

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