Die Krise rückt Arbeitszeitflexibilität in den Vordergrund
Die aktuelle Auswertung der Trendanalyse des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (Ifaa) ist eindeutig: In der gegenwärtigen Corona-Lage werden einige betriebs- und arbeitsorganisatorische Themen anders beurteilt als in "normalen Zeiten".
Ifaa-Trendbarometer: Arbeitszeitflexibilisierung und mobile Arbeit
Nach Ansicht der befragten Fach- und Führungskräfte ist die Flexibilisierung der Arbeitszeit das momentan bedeutendste Thema. Konkret stellten die Möglichkeiten der Arbeitszeitflexibilisierung, zu der Mechanismen wie beispielsweise Kurzarbeit oder ausgedünnte Schichtpläne zählen, für die befragten Fach- und Führungskräfte das wichtigste Potenzial der Arbeits- und Betriebsorganisation dar, um die Krise zu meistern. Auch die mobile Arbeit, insbesondere im Homeoffice, hat durch die Corona-Krise einen enormen Bedeutungszuwachs bekommen. Unternehmen wurden von jetzt auf gleich gezwungen, sich anzupassen, digital aufzurüsten oder die bereits vorhandenen digitalen Strukturen zu nutzen.
"Die Krise hat gezeigt, wie flexibel Unternehmen und Beschäftigte sein können, wenn es drauf ankommt. Daran müssen wir anknüpfen", erklärt Professor Sascha Stowasser, Direktor des Ifaa.
Als aktuell sehr bedeutend wurden von den Unternehmen neben der Arbeitszeitflexibilisierung auch die Prozessorganisation, der gesetzliche Arbeits- und Gesundheitsschutz, die kontinuierliche Verbesserung (KVP) und Produktionssysteme eingeschätzt.
Die laut Trendanalyse wichtigsten Themen der Zukunft
Gefragt nach den bedeutendsten Themen in der Zukunft scheint nur das Thema "Arbeits- und Gesundheitsschutz" als kurzfristige Herausforderung gesehen zu werden. Die anderen vier Top-Themen werden, so die Überzeugung der Befragten, auch in Zukunft eine sehr starke Rolle in den Unternehmen spielen.
Nach Einschätzung der Studienautoren sind die gegenwärtigen Verhältnisse in der Wirtschaft verantwortlich für die geänderte Einschätzung der zukünftigen Bedeutung der Themen. Dass auch in Zukunft starke neue Herausforderungen zu bewältigen sind, schlage sich zum Beispiel bei den deutlich gestiegenen Positionen der zukünftigen Bedeutung der Themen Produktionssysteme und mobile Arbeit nieder. Auch das Thema vernetzte Digitalisierung und Industrie 4.0, das in der Corona-Krise aktuell an Bedeutung verloren hatte, wird, so die Studienergebnisse, wieder an Bedeutung zunehmen. Dazu Stowasser: "In Kombination mit den anderen sehr hoch bewerteten Themen Fachkräftesicherung, kontinuierliche Verbesserung und Prozessorganisation ist hier ein starkes Bündel aufgelistet, welches geeignet ist, auch die unabsehbaren Folgen und weiteren Herausforderungen der Krise meistern zu können. Die Zeichen der Zeit sind in den Unternehmen eindeutig erkannt worden."
Starker Neueinstieg: Nachhaltigkeitsmanagement
In der Themenliste des Ifaa-Trendbarometers wurde erstmalig die Bedeutung von Nachhaltigkeitsmanagement aufgenommen. Auf betrieblicher Ebene bedeutet dies die Unternehmenssituation bereits heute zu verbessern, ohne die langfristigen Aussichten für Unternehmen, Inhaber, Beschäftigte, Kunden und Lieferanten zu verschlechtern. Für die befragten Fach- und Führungskräfte hat die Nachhaltigkeit sowohl aktuell als auch für die nächsten Jahre eine hohe Bedeutung. Die zunehmende Thematisierung in der breiten Öffentlichkeit scheint hier ihre Wirkung zu zeigen.
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