20.02.2014 | Serie HR-Verbände zum Koalitionsvertrag

Wie die DGFP sich in die Regierungsarbeit einbringen will

Serienelemente
Katharina Heuer, Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP), zeigt die Meinung des Verbands zu den Regierungsplänen auf.
Bild: philipp von recklinghausen / lux-fotografen.de

Die Regierungspläne enthalten einige Punkte, die das HR-Management beeinflussen werden. Das Personalmagazin hat Katharina Heuer, Vorsitzende der Geschäftsführung Deutsche Gesellschaft für Personalführung, gefragt, wo die HR-Verbände nun Chancen haben, um sich in Berlin zu positionieren.

personalmagazin: Wie bewerten Sie den Koalitionsvertrag im Hinblick auf die zukunftsorientierte Ausgestaltung der Arbeitswelt?

Katharina Heuer: Der Koalitionsvertrag zeigt zunächst einmal, dass die HR-Themen in der Politik angekommen sind und das ist gut.  Problematisch ist allerdings, dass der Fokus stellenweise zu eng auf Regulierungsaspekten liegt. Damit wird man manchen Herausforderungen der Unternehmen nicht gerecht. Das Thema Mindestlohn ist ein Beispiel dafür. 

personalmagazin: Wo sehen Sie die größten Chancen, die der Vertrag dem Personalmanagement eröffnet?

Heuer: Zahlreiche HR-Themen sind in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion und politischen Debatte gerückt. Angesichts von Herausforderungen von demografischem Wandel und Fachkräftemangel, Globalisierung oder auch dem Wertewandel in unserer Gesellschaft ist es wichtig, dass hierzu ein Diskurs über das Personalmanagement und die Unternehmen hinaus stattfindet. Wir können seitens HR hierzu wertvolle Kompetenz beitragen und wollen diesen Diskurs deshalb aktiv mitgestalten. Der Koalitionsvertrag hat den Grundsatz der Tarifautonomie wieder gesetzlich festgeschrieben. Das befürworten wir sehr. 

personalmagazin: Wo sehen Sie die größten Schwierigkeiten, die auf das Personalmanagement der Unternehmen zukommen?

Heuer: Die Durchlässigkeit des Bildungssystems beschränkt sich im Koalitionsvertrag auf die Verzahnung von Hochschule und Beruf. Das ist ein wichtiges Thema, doch dabei kann die Verzahnung von Schule und Beruf nicht außer Acht gelassen werden. Das duale Ausbildungssystem in Deutschland bedarf einer dringenden und konsequenten Weiterentwicklung, um weiterhin als Garant für die Fachkräftesicherung und damit für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen und des Wirtschaftsstandortes Deutschland bestehen zu können. Die DGFP hat zusammen mit der HR Alliance ein Memorandum vorgelegt, um den öffentlichen und politischen Diskurs hierzu voranzubringen. Wichtig ist, dass wertvolle Flexibilisierungsinstrumente nicht durch  Missbrauchsfälle grundsätzlich in Verruf geraten: Das Thema Zeitarbeit ist ein gutes Beispiel dafür. Sie ist ein wichtiger Baustein für die Flexibilisierung von Belegschaften, die für unsere Unternehmen gerade in Zeiten volatiler Konjunktur von Bedeutung ist und als „Klebeeffekt“ auch die dauerhafte Übernahme von Beschäftigten fördert. Zu starke gesetzliche Regulierungen riskieren diese Flexibilität, die – richtig genutzt – mit den Unternehmen am Ende auch den Arbeitnehmern zugutekommt. 

personalmagazin: Worauf muss die Regierung bei der Umsetzung in gesetz­liche Regelungen besonderes Augenmerk legen?

Heuer: Die Politik muss Augenmaß walten lassen. Nötig ist eine gute Balance zwischen Markt und Staat im Sinne der sozialen Marktwirtschaft. Werden Probleme lediglich auf Unternehmen abgewälzt, werden damit neue Probleme geschaffen. Das heißt konkret: Alle Regulierungen müssen sorgfältig auf ihre Praxis­tauglichkeit überprüft werden. Es muss eine Folgenabschätzung stattfinden, damit die Umsetzung in den Unternehmen auch wirklich die beabsichtigte Wirkung erzielt. 

personalmagazin: Welche Erwartungen haben Sie an die Amtsführung der künftigen Arbeitsministerin?

Heuer: Wir hoffen auf einen guten Dialog mit den Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Wir brauchen ein offenes Ohr für die betrieblichen Themen im Ausgleich zwischen Arbeitnehmern und Arbeitergeberinteressen. Wir stehen vor großen gemeinsamen Herausforderungen, die – gerade weil sie komplex und von hoher Relevanz für die Zukunftssicherung von Wirtschaft und Gesellschaft sind – nur im gemeinsamen Ringen zu bewältigen sind. Die DGFP wird sich im Sinne ihrer Mitgliedsunternehmen verstärkt dafür einsetzen. 

Hinweis: Eine Analyse der Verbandsstellungnahmen sowie alle Antworten in der Übersicht finden Sie im Personalmagazin, Ausgabe 03-2014.

Schlagworte zum Thema:  Koalitionsvertrag, Human Resources (HR), Human Resource Management

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