An Coppens entwickelt Spiele und Gamification-Elemente rund um HR-Prozesse. Bild: An Coppens

Spiele in der Weiterbildung und im Recruiting sind beliebt – aber auch andere HR-Prozesse lassen sich gamifizieren. Die Spieleentwicklerin An Coppens erklärt, wie Gamification in HR gelingt und wie Personalverantwortliche verhindern, dass ihre Games im Unternehmen auf Spielemuffel treffen.

Haufe Online-Redaktion: Gamification kennen die meisten wohl am ehesten aus Weiterbildung und Recruiting. Welche HR-Prozesse lassen sich denn sonst noch gut gamifizieren?

An Coppens: Weiterbildung und Recruiting sind tatsächlich die beiden großen Bereiche. Aber Gamification-Elemente funktionieren auch in anderen, ganz unterschiedlichen HR-Prozessen: etwa im Employer Branding, um eine spielerische Unternehmenskultur nach außen zu transportieren; im Performance Management, um kontinuierliches Feedback zu geben; rund um Benefits, damit sich die Mitarbeiter vielleicht zusätzliche Urlaubstage verdienen können – oder auch, um die Produktivität der Mitarbeiter zu erhöhen.

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Haufe Online-Redaktion: Können Sie ein Beispiel nennen, wie ein HR-Prozess mit wenig Aufwand gamifiziert werden kann?

Coppens: Wir hatten einen Kunden, dessen Mitarbeiter ihre Spesenabrechnungen jeden Monat zu spät einreichten. Wir haben das Problem gelöst, indem wir ein Whiteboard aufgestellt haben, auf dem alle Teams zu sehen waren. Die Teams, die ihre Spesen rechtzeitig und richtig einreichten, bekamen auf dem Board ein rotes Herzchen. Schnell entstand eine Diskussion darüber: Die Teams, die kein Herzchen bekommen hatten, wollten wissen, woran das lag. Dabei kam heraus, dass manche den Abrechnungsprozess nicht verstanden hatten. Es dauerte nicht lange, da waren alle Spesenabrechnungen korrekt. Wir haben hier also mit wenig technischem Aufwand einen großen Effekt erzielt. Wesentlich beim Gamifizieren von HR-Prozessen ist aber immer, wie im Beispiel das erwünschte Verhalten zu belohnen – und nicht, unerwünschtes Verhalten zu bestrafen

Gamification kann sogar bei Austritten helfen

Haufe Online-Redaktion: Spiele rund um die Spesen kommen also gut an. Aber bei weniger erfreulichen Prozessen, wenn etwa ein Mitarbeiter austritt, ist Gaming doch keine gute Idee, oder?

Coppens: Im Gegenteil: Hier können Gaming-Elemente sogar helfen. Ich denke hier vor allem an Communities, in denen Mitarbeiter nach ihrem Austritt den Kontakt zum Unternehmen halten können. Und Unternehmen, die auch in anderen Prozessen Spiele nutzen, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass gute Mitarbeiter, die gekündigt haben, irgendwann noch einmal zurückkommen.

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Haufe Online-Redaktion: Aber es gibt doch bestimmt Prozesse, in denen Gaming nicht anzuraten ist ...

Coppens: Tatsächlich gibt es einige Grenzen. Wenn ein Mitarbeiter schlecht performt, muss er das in einem persönlichen Gespräch hören – und nicht über eine Gaming-Software. Gleiches gilt für Team-Meetings: Persönliche Treffen sind durch nichts zu ersetzen. Und auch in der Gehaltsabrechnung stößt Gaming an seine Grenzen.

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Haufe Online-Redaktion: Schwierig wird es auch, wenn einzelne Mitarbeiter nicht mitspielen wollen. Was lässt sich dagegen machen?

Coppens: Wer Prozesse gamifizieren will, sollte vorher wissen, welche Spielertypen es in seinem Unternehmen gibt und wie er diese zum Spielen motivieren kann. Die Bandbreite der Spielertypen geht von Leuten, die jedes Game aus Spielfreude mitmachen, über solche, die nur mitspielen, wenn sie dadurch irgendwie vorankommen, hin zu Menschen, die nur spielen um zu zeigen, dass das Spiel nicht funktioniert. Unternehmen sollten Spiele so gestalten, dass sie den Spielertypus ansprechen, der die Mehrheit stellt.

Niemanden zum Spielen zwingen – aber Lust darauf machen

Haufe Online-Redaktion: Was tun, wenn Mitarbeiter partout nicht spielen wollen?

Coppens: Man kann niemanden zwingen. Nur wer freiwillig spielt, ist motiviert. Lust aufs Spielen kann man den Mitarbeitern aber trotzdem machen – indem man etwa einen Trailer zu einem neuen Spiel veröffentlicht oder auf Gaming-Fans setzt, die es im Unternehmen bekannt machen.


Das Interview führte Andrea Sattler, Redaktion Personal.

An Coppens ist "Chief Game Changer" bei Gamification Nation in London und berät Unternehmen, die HR-Prozesse gamifizieren.


Zum Weiterlesen: Auf dem Haufe-Visions-Blog lesen Sie einen Erfahrungsbericht aus einem Workshop von An Coppens, der sich ums Gamifizieren von HR-Prozessen drehte.

Schlagworte zum Thema:  Weiterbildung, Recruiting

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