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Warum das "Undercover Boss"-Konzept nicht funktioniert

CEOs verkleiden sich und arbeiten an der Basis: Das ist das Konzept der Doku "Undercover Boss".
Bild: Digital Vision

In der Doku-Soap "Undercover Boss" arbeiten Führungskräfte inkognito in ihrem Unternehmen, um die Sorgen an der Basis kennen zu lernen. Doch statt sich zu verkleiden sollten Chefs mehr Shopfloor-Management betreiben, fordert der Trainer und Berater Lothar Stempfle in der Wirtschaft + Weiterbildung.

Das "Management by Walking Around", also das persönliche Gespräch mit den Mitarbeitern und Führungskräften, sei vom Aussterben bedroht, warnt der Trainer und Berater Lothar Stempfle in der aktuellen Ausgabe der Wirtschaft + Weiterbildung. Stattdessen habe sich in vielen Firmen eine Art "Milchglasführen" etabliert: Der Chef und die Topführungskräfte sitzen in ihren isolierten, geschützten Büros und nehmen die Unternehmenswirklichkeit nur noch wie durch ein Milchglas wahr. Die Unternehmensrealität erleben die Führungskräfte bei dieser Art der Führung virtuell, durch den Filter von Powerpoint-Präsentationen oder im geschützten Meetingraum.

Boss arbeitet als Praktikant an der Basis

Ein Doku-Soap-Format auf RTL scheint gegen die mangelnde Realitätsnähe des obersten Chefs nun Abhilfe zu schaffen: In der Serie "Undercover Boss" wechseln CEOs die Seite und arbeiten eine Zeit lang inkognito als einfacher Arbeiter oder Praktikant auf den unteren Etage ihrer Firma. Dort, so das Ziel der Übung, sollen sie die Nöte und Sorgen an der Basis kennen lernen. Für gewöhnlich steht am Ende der Sendung eine Katharsis der Topführungskräfte, die in einem Meeting gemeinsam eine Verbesserung der Arbeitsumstände geloben.

Mittlere und untere Führungskräfte in Schach halten

Es reiche jedoch nicht, wieder mittendrin statt nur dabei zu sein und um zu wissen, was an der Basis konkret los ist und welche Ängste und Nöte die Mitarbeiter bedrängen, sagt Stempfle in der Wirtschaft + Weiterbildung. Noch viel wichtiger sei es, wieder die strategische Unternehmensführung an sich zu nehmen und zu verhindern, dass Führungskräfte der mittleren und auch unteren Ebene Befugnisse und Macht an sich reißen, die ihnen nicht zusteht.
Motto: "Raus aus dem Elfenbeinturm!"

Doch wie lässt sich die Distanz wieder verringern? Das Motto sollte lauten: "Raus aus dem Elfenbeinturm!", fordert Stempfle. Er empfiehlt dafür ein Konzept aus der Produktion, das "Shopfloor Management": Führungskräfte, die auf den oberen Etagen in ihren Büros Zahlenwerke  und Diagramme studieren und darüber den Bezug zu den Mitarbeitern, den Produktionsanlagen und Produktionsprozessen verloren haben, kehren zum eigentlichen Ort des Geschehens zurück: zum Shopfloor – das ist die Produktionshalle selbst.

In den konstruktiven Clinch gehen

Die Vor-Ort-Führungsphilosophie erfordere von der Führungskraft ein kräftiges Umdenken, so Stempfle, das umso extremer ausfalle, je höher sie in der Hierarchie steht. Auf der anderen Seite biete die Vor-Ort-Führung dem Manager den Vorteil, neue Kontrollinstrumente einzusetzen und zu nutzen – auch um notfalls die wartende Konkurrenz in Form von unteren und mittleren Führungskräften in Schach zu halten. Natürlich müsse die Topführungskraft den Mut und die Courage entwickeln, schreibt der Autor, insbesondere mit der einflussreichen mittleren Führungsebene in den konstruktiven Clinch zu gehen und sich mit der notwendigen Konsequenz und dem erforderlichen Durchsetzungswillen auseinanderzusetzen. Dabei dürfe sie keine Scheu haben, bei Bedarf strikt autoritär zu agieren und sich auf dem als richtig erkannten Weg durchzuboxen.

Den kompletten Beitrag "Das Undercover-Boss-Phänomen bekämpfen" lesen Sie in Ausgabe 06/2014 der Wirtschaft + Weiterbildung.

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