Forscher untersuchen den machiavellistischen Chef
Der Wille zur Macht ist nach wie vor eine der wichtigsten Eigenschaft von aktuellen und künftigen Top-Managern – das hat kürzlich eine Studie gezeigt. Nimmt der Machtwille allerdings überhand und gipfelt darin, dass die Manager alle moralischen Prinzipien über Bord werfen, kann das im Unternehmensalltag große Probleme bereiten.
Diesen Cheftypus haben nun Forscher der Universitäten Ulm, Bonn und der walisischen Cardiff University um den Ulmer Psychologieprofessor Christian Montag genauer untersucht. Die Wissenschaftler nutzen das Attribut "machiavellistisch", um eine solche Führungskraft zu beschreiben. Der Begriff geht zurück auf den italienischen Politiker und Philosophen Niccolò Machiavelli, der in seinem Renaissance-Bestseller "Il Principe" einen Fürsten beschreibt, der auf eben solche, ruchlose Weise seine Macht sichert.
Befragung ist von Machiavelli inspiriert
Vorab hatte schon eine Zwillingsstudie gezeigt, dass diese Persönlichkeitsausprägung in Teilen genetisch bedingt sein muss. Zusätzlich gaben Studien, bei denen das Gehirn gesunder Menschen mit bildgebenden Verfahren untersucht wurde, und Erkenntnisse aus der Schizophrenieforschung erste Hinweise darauf, dass der als "Glückshormon" bekannte Neurotransmitter Dopamin dabei eine Rolle spielen muss.
Auf dieser Grundlage führten die deutschen und britischen Wissenschaftler eine gemeinsame Studie durch. Dazu untersuchten sie 630 Probanden mit molekularbiologischen Methoden auf eine bestimmte, auf Dopamin reagierende Genvariation.
Zudem gab eine ausführliche Befragung, die teilweise von Machiavellis "Principe" inspiriert worden war, Aufschluss über Persönlichkeitsmerkmale der vorwiegend jungen Studienteilnehmer, die als angehende Akademiker Chancen auf eine Führungsposition haben.
Um unter den Teilnehmern schizotype Persönlichkeiten, die durch eine verzerrte Wahrnehmung, exzentrisches Auftreten sowie distanziertes Verhalten in sozialen Beziehungen auffallen, zu finden, füllte eine Untergruppe von ihnen zudem die Kurzform des "Schizotypal Personality Questionnaire" aus – ein Fragebogen, der hilft, schizotype Merkmale zu erkennen.
Männer zeigen häufiger machiavellistische Züge
Bei der Auswertung der Studienergebnisse stellten die Wissenschaftler fest, dass Träger der untersuchten, auf Dopamin reagierenden Genvariation und schizotype Persönlichkeiten eher zu Machiavellismus neigen. Zudem beobachteten sie, dass vor allem Männer, die diese Genvariation trugen, erhöhte machiavellistische Verhaltenstendenzen zeigten.
Aus den Studienergebnissen folgern die Wissenschaftler jedoch keine Notwendigkeit für Personaler, künftig bei Recruiting und Beförderungen von Führungskräften mit Genetikern und Psychologen zusammenzuarbeiten, um machiavellistische Kandidaten zu enttarnen. Neben der dafür verantwortlichen Genvariation spielten nämlich noch eine große Zahl weiterer Genvariationen und die Umwelt eine Rolle bei Persönlichkeitsmerkmalen wie Machiavellismus, so die Forscher.
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Rita Rosenstolz
01.04.2015 17:14 Uhr
Wie schön, dass es nun einen so wohlklingenden Namen fürs 'Arschloch sein' gibt.
Andrea Sattler
08.04.2015 15:48 Uhr
Liebe Rita Rosenstolz,
vielen Dank für Ihren Kommentar.
Wer führt wie ein Fürst erfreut sich bei seinen Mitarbeitern in der Tat meist keiner großen Beliebtheit.
Zu diesem Thema empfehle ich Ihnen den Beitrag "Führungskräfteentwicklung: aufsteigen, aber am Boden bleiben" aus unserer Personalentwicklungs-Kolumne auf haufe.de/personal: Unser Kolumnist Oliver Maassen beschreibt darin, dass viele Manager ihren Mitarbeitern immer weniger Wertschätzung entgegenbringen, je weiter sie die Karriereleiter hinaufklettern - was er als "Arschloch-Entwicklung" bezeichnet.
Die gute Nachricht: Es gibt Gegenmaßnahmen - wohl auch bei genetischer Vorbelastung. Mehr dazu lesen Sie in der Kolumne unter https://www.haufe.de/personal/hr-management/fuehrungskraefteentwicklung-aufsteigen-aber-am-boden-bleiben_80_286304.html.
Beste Grüße
Andrea Sattler, Redaktion Personal