Der Fachkräftemangel wird teuer: Die Löhne für hochqualifizierte Arbeitskräfte in Deutschland könnten bis 2030 um 16.000 US Dollar (13.658 Euro) pro Kopf steigen. Das zeigt eine neue Studie von Korn Ferry.  Weltweit könnten die Löhne für Fachkräfte um 2,5 Billionen US Dollar ansteigen.  

Bis zum Jahr 2030 werden rund 85 Millionen qualifizierte Fach- und Arbeitskräfte der Weltwirtschaft fehlen. Als Konsequenz, so die Untersuchung „The Salary Surge“ der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry, ist ein Wachstum der Löhne für hochqualifizierte Arbeitnehmer um 2,5 Billionen US-Dollar möglich. Die Löhne für hochqualifizierte Fach- und Arbeitskräfte in Deutschland werden demzufolge bis 2030 um 176 Milliarden US-Dollar (über 150 Milliarden Euro) steigen. Noch höhere Steigerungen werden für die USA (+531 Milliarden US-Dollar), Japan (+468 Milliarden US-Dollar) und China (+343 Milliarden US-Dollar) erwartet.

 „Der Arbeitsmarkt der Zukunft wird sich durch eine Gleichzeitigkeit von Knappheit und Überfluss auszeichnen“, sagt Annette Goldhausen, Vergütungsexpertin bei Korn Ferry. „Eine große Anzahl Menschen steht zur Verfügung, allerdings nicht mit den benötigten Qualifikationen. Darum wird ein Großteil der Gehälter nur mit den üblichen Inflationsraten mitwachsen. Für spezifische Gruppen werden die Lohnkosten jedoch regelrecht explodieren.“

Gehälter für Fachkräfte in Deutschland steigen um 176 Milliarden US-Dollar

Die Studie geht davon aus, dass die Gehälter für Hochqualifizierte in Deutschland bereits 2020 um 96 Milliarden US-Dollar steigen werden, im Jahr 2025 um 135 Milliarden US-Dollar und im Jahr 2030 schließlich um 176 Milliarden US-Dollar. Top-Kandidaten mit universitärem Abschluss sowie theoretisch und praktisch erworbenen Zusatzqualifikationen, die sich ständig weitergebildet haben, können auf ein jährliches Plus von durchschnittlich 16.000 US-Dollar hoffen.

Fachkräftemangel lässt Löhne für Qualifizierte weltweit pro Kopf um 11.000 US-Dollar steigen

Weltweit könnten die Löhne für qualifizierte Kandidaten pro Kopf um 11.000 US-Dollar steigen. Die höchsten Steigerungsraten hätten Hong Kong (+40.500 US-Dollar), Singapur und Australien (beide rund +29.000 US-Dollar) sowie Japan (+18.500 US-Dollar) vor Deutschland. Diese Zahlen stellen die potentielle Erhöhung dar, die über die allgemein zu erwartenden Steigerungen hinausgehen.

Investitonen in Weiter- und Ausbildung  zahlen sich beim Fachkräftemangel aus  

Geringer fällt das Plus im Vereinigten Königreich (8.000 US-Dollar), Saudi-Arabien, Brasilien und auch den Niederlanden aus (alle drei rund 11.000 US-Dollar). „Die Arbeitsmärkte dieser Länder verfügen über ein größeres Potenzial an geeigneten Kandidaten“, sagt Annette Goldhausen. „Die angelsächsischen Länder ziehen seit jeher sehr gute Kandidaten  aus dem Ausland an und verfügen über eine exzellente Bildungslandschaft und -kultur. Auch die Niederlande agieren sehr weltoffen. Saudi-Arabien und Brasilien verfügen selbst über eine große Anzahl an Menschen, in deren Ausbildung heute intensiv investiert wird.

Nur in Indien keine überproportionalen Lohnsteigerungen

Einzig Indien bleibt von den überproportionalen Erhöhungen ausgenommen. Für das Jahr 2020 werden noch Mehrkosten von 22 Milliarden US-Dollar erwartet. Ab dem Jahr 2025 aber kann das Angebot auf dem Arbeitsmarkt in Indien die Lücken füllen und von einem Gehaltsanstieg außerhalb der üblichen Steigerungsraten ist nicht auszugehen. Annette Goldhausen sagt: „In Indien schlummert ein unglaubliches Potenzial, da das Land sich frühzeitig auf technologische Themen fokussiert und IT-Kompetenz aufgebaut hat. Aktuell finden sich noch Knappheiten, die aber in den nächsten fünf Jahren immer stärker zurückgehen werden. Indien verfügt heute über eine exzellente Bildungsinfrastruktur und kann damit die Anforderungen der Wirtschaft erfüllen. Abzuwarten bleibt, inwieweit indische Arbeitnehmer auch weiterhin von der Möglichkeit gebraucht machen, in anderen Märkten zu arbeiten und damit die dortigen Lücken zu füllen.“

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