Vor kurzem startete die Zusatzfunktion "Facebook Jobs" in Deutschland. Agentur-Chefin Claudia Leischner testete das neue Feature und erläutert, welche Vorteile es für Arbeitgeber bringt und wo seine Schwächen liegen. Ihr Fazit: Richtig genutzt, bringt es zumindest Aufmerksamkeit.

Glasermeister Sven Sterz aus Geestland im Kreis Cuxhaven läuft mit einer Glasscheibe in der Hand aus seiner Werkstatt. Auf halber Strecke lässt er sie fallen. Die Scheibe zerspringt in tausend Scherben. So beginnt die virale Job-Kampagne einer kleinen Glaserei an der Nordseeküste. Dem aufmerksamkeitsstarken Intro folgt ein attraktives und gut vergütetes Jobangebot von Sterz an interessierte Azubis. Ein Glasermeister, der Glas zerdeppert? Da hat jemand verstanden, wie virale Videos im Social Web funktionieren.  

Gute Auszubildende zu finden, ist derzeit ähnlich schwer wie Menschen mit Erfahrung in der digitalen Wirtschaft zu rekrutieren. Nur selten genügt es, eine Stellenanzeige zu schalten oder einen Headhunter zu beauftragen. Auch die Plattformen Xing und Linkedin taugen nicht für alle Joblevel und Branchen. Weil die Menschen nicht nur viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringen, sondern sich dort auch häufig die scharfe Trennlinie zwischen Beruflichem und Privatem auflöst, gibt es nun ein neues Angebot: Ende Mai brachte Facebook die Zusatzfunktion „Facebook Jobs“ auf den deutschen Markt.    

Facebook Jobs: ein Angebot für den lokalen Mittelstand?

Seitdem können Unternehmen Stellenangebote offen bei Facebook ausschreiben und Stellensuchende ihre Bewerbung über ein natives Online-Formular einreichen. Die Bewerbungen treffen im normalen Posteingang auf der Facebook-Seite des Unternehmens ein. Diese können sich per E-Mail über neu eingegangene Bewerbungen informieren lassen. Antworten können sie entweder direkt auf Facebook oder über die E-Mail-Adresse, die der Bewerbung anhängt.

Nach Angaben von Facebook soll sich das neue Feature vor allem an lokale, mittelständische und handwerkliche Unternehmen richten - und damit den Business-Plattformen wie LinkedIn, Xing und Co. keine Konkurrenz machen. Aber sollte Facebook Jobs gut funktionieren, dann dürfen sich meines Erachtens die Mitbewerber im Markt für Stellenanzeigen warm anziehen.     

Was sind die Vorteile von Facebook Jobs?

Im Vergleich zu traditionellen Jobportalen und Plattformen bringt Facebook Jobs folgende Pluspunkte mit sich:

  • Mobile Bewerbung: Sich schneller zu bewerben geht kaum in Zeiten der mobilen Kommunikation. In diesem Jahr nutzen mehr als 55 Millionen Deutsche ein Smartphone. Daher ist es nachvollziehbar, dass Facebook den Trend der mobilen Bewerbung nutzt und statt auf eine mehrseitige Bewerbungsmappe auf den Erstkontakt über einen kurzen Lebenslauf setzt.
  • Abkehr vom Adjektiv-Bingo: Nichtssagende Standardfloskeln wie „führend, innovativ, erfolgreich“, die sich in den allermeisten Stellenanzeigen finden, sind auf Facebook Jobs wenig verbreitet. Hier können sich Arbeitgeber durch ein ausgefallenes Erscheinungsbild und einen regionalen Bezug von anderen Unternehmen abheben. So eröffnen sich vor allem für Firmen, die innovative und kreative Köpfe suchen, neue Möglichkeiten, sich als attraktive Arbeitgeber von den Wettbewerbern abzusetzen​​​​​​​
  • Flexible und skalierbare Kosten: Auf der einen Seite haben Unternehmen bei Facebook Jobs die Möglichkeit, kostenlos eine komplette Stellenbeschreibung auf ihrer Seite zu teilen. Der Post wird zusätzlich zur Präsenz auf der eigenen Facebook-Seite auch im „Entdecken“-Bereich, bei Marketplace und im News Feed gestreut. Auf der anderen Seite sollten die Arbeitgeber aber – ähnlich wie bei allen Content-Formaten auf Facebook – ein Werbebudget einplanen, damit die Stellenanzeige besser platziert wird und mehr Reichweite bekommt.  

Welche Schwächen hat Facebook Jobs?

Auf den ersten Blick erscheint das Angebot sehr attraktiv. Denn besonders kleineren Unternehmen bietet Facebook durch das neue Feature einen einfachen Ausweg aus dem Dilemma, dass sie als Arbeitgeber kaum beachtet werden. Jedoch gibt es auch hier einige Baustellen, die es zu beheben gilt:

  • Wenig Raum für individuelle Bewerbungen: Die Tatsache, dass eine Bewerbung auf Facebook Jobs schon in wenigen Schritten ausgefüllt werden kann, bringt nicht nur Vorteile mit sich, sondern hat auch ihre Grenzen: Raum für Individualität und Kreativität wird den Bewerbern kaum geboten. Verweise auf ein PDF, eine andere Website oder andere Social-Media-Profile, wo die eigentliche „Kreativ-Bewerbung“ wartet, könnten die Chancen einer erfolgreichen Bewerbung deutlich erhöhen. 
  • Fehlerhafte Hitlist: Viele Unternehmen begehen den Fehler, ihre Stellenprofile in falschen Job-Kategorien einzustellen oder diese mangelhaft auszufüllen. Aus der Reichweitenfixiertheit folgt eine Kettenreaktion, die für Bewerber die Job-Suche immens erschwert. Häufig werden den Arbeitssuchenden Stellen angeboten, die nicht zu dem gewünschten Suchmuster passen. Das wiederum führt zu Unzufriedenheit der Nutzer und letztlich auch zu einer höheren Abbruchrate.
  • Heikler Datenschutz: Selbstverständlich profitiert Facebook auch von seinem neuen Feature. An das US-amerikanische Unternehmen werden diejenigen personenbezogenen Daten übermittelt, die Bewerber auf den Facebook-Server hochladen. Unternehmen sollten ihre Recruitingmaßnahmen über Facebook vorab unbedingt in das eigene DSGVO-konforme Datenschutzkonzept integrieren.

Bei Bewerbern auffallen und Klischees entkräften

Mein persönliches Fazit zu Facebook Jobs: Beim B2B-Netzwerk Gyro sammeln wir schon seit längerem positive Erfahrungen mit Instagram als Recruiting-Kanal und begrüßen deshalb auch Facebook Jobs. Zum einen bietet uns das Feature die Möglichkeit, Arbeitsuchenden aus der Region zu zeigen, dass es bei uns zahlreiche spannende Stellen zu besetzen gibt. Zum anderen können wir hervorheben, dass wir als Arbeitgeber in München genauso attraktiv sind wie andere Unternehmen im fernen Berlin.

Vor allem in der Kreativ-Szene stolpere ich häufiger über das Vorurteil, München sei ein gallisches Dorf der deutschen Marketing-Wirtschaft, in dem hart gerackert wird, die Kreativität aber zu kurz kommt. Meiner Meinung nach sind es genau diese kleinen Features, die originell genutzt werden müssen, um bei den Bewerbern aufzufallen und mit dem Klischee-Denken zu brechen.  


Über die Autorin: Claudia Leischner ist Geschäftsführerin des B2B-Netzwerks Gyro in München.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Social Media, Employer Branding