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Krawatte oder nicht? Duzen oder siezen sich die Kollegen? Nur wer zur gelebten Unternehmenskultur passt, fühlt sich langfristig wohl. Bild: Veer

Es passiert häufiger, als es Personalern lieb ist: Ein Bewerber ist fachlich qualifiziert, berufserfahren und ein Teamplayer. Trotzdem kann er sich als Mitarbeiter nicht ins Team einfügen und letztlich keinen wertvollen Beitrag leisten. Ein häufiger Grund: Es fehlt der "Cultural Fit".

Dass die Mitarbeiter die Basis für den Erfolg eines Unternehmens sind, ist für HR-Spezialisten eine Binsenweisheit. In der heutigen Wissensgesellschaft, in der sich Markt- und Wettbewerbsumfelder immer schneller verändern, ist das richtige Personal auf dem richtigen Posten allerdings entscheidender denn je. Denn das Rollenverständnis von Fachkräften hat sich grundlegend verändert. Sie wollen heutzutage möglichst selbstbestimmt arbeiten. Genau das macht jede einzelne Mitarbeiterpersönlichkeit so wichtig wie nie zuvor.

Wenn es nicht passt, liegt das oft am fehlenden Cultural Fit

Wenn der einzelne Mitarbeiter eigenverantwortlicher arbeitet denn je, steigt die Bedeutung erfolgreicher Rekrutierung. Doch wie sieht der "perfekte Bewerber" eigentlich aus? Klar, er sollte fachlich die notwendigen Qualifikationen, eine einschlägige Berufserfahrung und die relevanten Soft Skills mitbringen. Doch macht die Summe der passenden Eigenschaften einen Kandidaten wirklich zur bestmöglichen Besetzung, dem angestrebten "Perfect Match"? Wahrscheinlich nicht. Denn dass Mitarbeiter trotz all ihrer Qualifikationen nicht motiviert bei der Sache sind, sich nicht ins Team einfügen können und unterm Strich keinen wertvollen Beitrag leisten, kommt in der Realität häufiger vor, als es Personalverantwortlichen lieb ist.

Die Folge solcher Fehlbesetzungen: enorme Kosten für das Unternehmen, hoher zeitlicher Aufwand und Unruhe bei den Mitarbeitern. Und über allem schwebt die Frage nach dem Grund für den Mismatch. Eine häufige Antwort: Es fehlt der Cultural Fit.

Was eine gute kulturelle Passung ausmacht

Unter Cultural Fit versteht man den Grad der Übereinstimmung zwischen einem Bewerber und einem Unternehmen in Bezug auf Normen, Werte und Verhaltensweisen. Kann der Bewerber sich mit der im Unternehmen gelebten Kultur identifizieren? Entsprechen der Umgang unter Kollegen, der Führungs- und Kommunikationsstil sowie die Vision des Unternehmens seinen Vorstellungen?

Um schon zu Beginn des Recruitingprozesses nur die wirklich passenden Bewerber anzusprechen, sollten Arbeitgeber sich ihrer Unternehmenskultur bewusst sein und diese schon in den Stellenanzeigen offensiv kommunizieren. Viele Unternehmen schrecken immer noch davor zurück, klare Kante zu zeigen und präzise zu kommunizieren, welche Persönlichkeiten und Arbeitsweisen zu ihnen passen und welche nicht. Doch mit oberflächlichen Beschreibungen ist nichts gewonnen, denn Arbeitgeber haben letztlich nichts davon, einen Stapel Bewerbungen von unpassenden Kandidaten zu erhalten, oder, noch schlimmer, Bewerber einzustellen, die das Unternehmen dann enttäuscht in der Probezeit verlassen.

Eine definierte Unternehmenskultur ist noch kein Standard

Voraussetzung für eine präzise Kommunikation der Unternehmenskultur im Bewerbungsprozess ist es, die eigene Unternehmenskultur zu kennen. Doch wie eine Studie der Online-Jobplattform StepStone mit rund 30.000 Teilnehmern zeigt, haben nur knapp sechs von zehn Unternehmen eine definierte Unternehmenskultur. Nur vier von zehn Recruitern sind der Meinung, dass die Kultur ihrer Unternehmen offensiv genug nach außen kommuniziert wird.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen gibt den Bewerbern vor dem Vorstellungsgespräch keine Chance, sich über die Unternehmenskultur zu informieren. Nur vier von zehn Arbeitgebern liefern Informationen zur Unternehmenskultur auf der Karrierewebsite oder in Stellenanzeigen. Eine umfassende Stellenanzeigen-Analyse zeigt, dass die meisten Unternehmen darin rein gar nichts über Unternehmenskultur, das Miteinander von Kollegen oder das Arbeitsklima verraten.

Kandidaten achten bei der Jobsuche gezielt auf den Cultural Fit

Dabei suchen Kandidaten aktiv nach solchen Informationen. Sie wollen wissen, welche Kultur bei einem potenziellen Arbeitgeber gelebt wird. Sechs von zehn Kandidaten achten bei der Jobsuche gezielt auf den Cultural Fit. Für die Hälfte ist die Kultur eines Unternehmens der wesentliche Faktor bei der Entscheidung für oder gegen eine Bewerbung. 56 Prozent der Befragten haben schon einmal den Job wegen einer unpassenden Unternehmenskultur gewechselt. Nur 14 Prozent würden jede Unternehmenskultur akzeptieren, solange die Bezahlung stimmt.

Die StepStone-Studie zeigt zudem einen klaren Zusammenhang zwischen Cultural Fit und Mitarbeiterzufriedenheit: Unter den Mitarbeitern, die mit ihrem Job zufrieden sind, können sich 59 Prozent mit ihrem Unternehmen identifizieren. Dagegen können sich nur neun Prozent aller Fachkräfte, die mit ihrer Stelle unzufrieden sind, trotzdem mit ihrem Arbeitgeber identifizieren.

Was genau Bewerber wissen möchten

Welcher Führungsstil wird gepflegt? Wie werden Entscheidungen im Unternehmen getroffen – sind die Hierarchien flach oder eher nicht? Duzen sich die Kollegen untereinander? Ist Home Office akzeptiert? Wie ist es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bestellt? Sitzen die Mitarbeiter im Großraumbüro oder in Einzelbüros? Das sind keine Kleinigkeiten, sondern entscheidungsrelevante Faktoren bei der Wahl des richtigen Arbeitgebers. Weitere Aspekte, zu denen die befragten Fachkräfte laut StepStone-Studie schon im Bewerbungsprozess informiert werden wollen, sind Angaben zu Motivationsmaßnahmen wie Firmenevents und Sachprämien sowie die Wachstumsstrategie des Unternehmens.

Oberstes Gebot für Unternehmen bei der Kommunikation ihrer Kultur ist Authentizität. Denn finden Bewerber später heraus, dass sich die tatsächliche Unternehmenskultur von der nach außen getragenen unterscheidet, ist die Enttäuschung groß und der Mismatch vorprogrammiert. Mehr als sechs von zehn befragten Kandidaten sind schon einmal über die Kultur eines Unternehmens im Bewerbungsprozess getäuscht worden.

Der vollständige Report zur neuen Stepstone-Studie "Recruiting mit Persönlichkeit" steht hier zum kostenlosen Download bereit.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Unternehmenskultur

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