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Passt der Bewerber zum Unternehmen? Diese Frage versuchen die meisten Personaler im Vorstellungsgespräch zu klären – unsystematisch und auf Basis ihres persönlichen Eindrucks. Bild: Haufe Online Redaktion

Cultural Fit sollte im Recruiting eine zentrale Rolle spielen – darüber besteht Konsens. Laut einer Studie von Stepstone finden es 93 Prozent der Personalentscheider wichtig, dass der Bewerber zur Unternehmenskultur passt. Doch nur 15 Prozent messen den Cultural Fit systematisch.

Die Mehrheit der Arbeitgeber verspricht sich von einem hohen Cultural Fit handfeste Vorteile. Ihrer Meinung nach führt eine gute kulturelle Passung zwischen Mitarbeitern und Unternehmen zu einer höheren Motivation der Belegschaft, einer stärkeren Mitarbeiterbindung und einer effektiveren Zusammenarbeit innerhalb und zwischen den Teams.

Umso erstaunlicher ist, dass längst nicht alle Unternehmen den Cultural Fit überprüfen: Bei nur 41 Prozent ist eine solche Überprüfung Standard im Recruiting-Prozess. Das sind Ergebnisse einer Studie, für die Stepstone rund 4.000 HR-Verantwortliche zur Rolle von Unternehmenskultur und Cultural Fit bei der Personalgewinnung befragt hat.

Fachfremde Kollegen werden selten hinzugezogen

Die meisten Unternehmen, die den Cultural Fit überprüfen, nutzen dafür das Interview (36 Prozent). Die Überprüfung geschieht in diesem Schritt allerdings häufig unsystematisch und ausschließlich auf Basis des persönlichen Eindrucks, den ein Bewerber beim Recruiter hinterlässt. Eine Methode, den persönlichen Eindruck zu objektivieren, ist es, mehrere Unternehmensvertreter auch aus fachfremden Abteilungen an der Auswahl zu beteiligen.

Wie die Stepstone-Studie zeigt, geschieht dies aber selten: Nur vier Prozent der befragten Personalverantwortlichen geben an, dass Mitarbeiter aus anderen Abteilungen hinzugezogen werden. Führungskräfte aus anderen Abteilungen sind immerhin in jedem zehnten Unternehmen in den Einstellungsprozess involviert. In etwa einem Drittel der Unternehmen (31 Prozent) nehmen Kollegen aus dem Team mit der vakanten Stelle am Auswahlprozess teil.

Nur 15 Prozent messen den Cultural Fit systematisch

Um sich einen Eindruck von den Einstellungen und Werten der Kandidaten und deren Passung zur Unternehmenskultur zu verschaffen, nutzen 16 Prozent der Unternehmen einen Probearbeitstag. 15 Prozent gaben an, sich anhand der Bewerbungsunterlagen ein Bild von der Persönlichkeit des Bewerbers zu machen.

Systematische Verfahren und Tools zur objektiven Überprüfung des Cultural Fit setzen lediglich 15 Prozent der befragten Personalverantwortlichen ein. 67 Prozent von ihnen nutzen dafür ein leitfadengestütztes persönliches Interview und ein Drittel von ihnen Online- oder   computergestützte Persönlichkeitstests. 18 Prozent greifen für die Überprüfung des Cultural Fit auf schriftliche Persönlichkeitstests zurück.

Systematische Tools verbessern die HR-Performance

Von den Recruitern, die systematische Verfahren im Auswahlprozess einsetzen, meinen laut Studie 84 Prozent, dass sie die Zufriedenheit ihrer Belegschaft dadurch steigern konnten. Bei 70 Prozent konnte die Fluktuation verringert werden. Zwei Drittel geben an, dass sie neue Erkenntnisse über die Kandidaten gewonnen haben, die ihnen sonst verborgen geblieben wären.

Die Umfrage zeigt auch, dass die Ergebnisse systematischer Tests zwar im Großen und Ganzen mit dem persönlichen Eindruck der Recruiter übereinstimmen, diese aber auch oft überraschende Erkenntnisse über Kandidaten liefern.

Kandidaten sind offen für Persönlichkeitstests

Für die Studie wurden auch rund 25.000 Fach- und Führungskräfte zum Thema Unternehmenskultur und Cultural Fit befragt. Die Mehrheit von ihnen ist – genau wie bei den HR-Verantwortlichen – überzeugt von der Relevanz einer guten kulturellen Passung: Fast 70 Prozent glauben, dass Unternehmen zufriedenere Mitarbeiter und Teams haben, wenn sie der Persönlichkeit des Bewerbers große Bedeutung beimessen. Mehr als jeder Zweite denkt, dass solche Unternehmen auch insgesamt erfolgreicher sind.

Die befragten Fachkräfte finden den Cultural Fit aber nicht nur wichtig, sie sind auch bereit, ihn innerhalb des Bewerbungsprozesses abzugleichen. Auch der Einsatz IT-gestützter Tests wird begrüßt. 78 Prozent der Kandidaten würden einen solchen Test machen. Nur acht Prozent würden den Bewerbungsprozess wegen eines Persönlichkeitstest unterbrechen.

Echte Unternehmenskultur als Gegensatz zu Employer Branding

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Fachkräfte wollen, dass es auch menschlich passt, und sie wollen sich dessen möglichst sicher sein. Bei der Jobsuche haben Kandidaten folglich ein großes  Informationsbedürfnis, was die Unternehmenskultur der potenziellen Arbeitgeber angeht. Die meisten sichten dafür Angaben in Stellenanzeigen, auf der Karriereseite des Unternehmens oder in beruflichen Netzwerken. Oftmals stoßen Sie dabei jedoch auf vage Aussagen oder Floskeln, die wenig Mehrwert bieten oder sogar in die Irre führen.

Sechs von zehn Fachkräften fühlten sich im Bewerbungsprozess schon einmal oder sogar mehrfach über die Kultur eines Unternehmens getäuscht. Die nach außen kommunizierten Werte stimmten also nicht mit dem tatsächlichen Unternehmensalltag überein – eine Diskrepanz, die schwere Folgen für die Motivation und die Bindung neuer Mitarbeiter hat.

Hier geht es direkt zur Checkliste mit konkreten Maßnahmen für eine produktive Unternehmenskultur.

Weitere Ergebnisse rund um Unternehmenskultur und Cultural Fit finden Sie im vollständigen Report zur StepStone Studie „Recruiting mit Persönlichkeit“, der hier zum kostenlosen Download bereit steht.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Unternehmenskultur

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