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| Corporate Social Responsibility

Flüchtlinge: Unternehmen demonstrieren CSR, konkrete Integration bleibt aber schwierig

Willkommen in Deutschland: Unternehmen wissen um ihre gesellschaftliche Verantwortung bei der Integration der Flüchtlinge.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Corporate Social Responsibility (CSR) wird in Deutschland groß geschrieben. Drei von vier Unternehmen übernehmen gesellschaftliche Verantwortung für Flüchtlinge. Doch bei der Integration in den Arbeitsmarkt hakt es noch. Ein Großteil der Unternehmen hat bislang noch keine Flüchtlinge eingestellt.

CSR hat viele Gesichter: Neben der Soforthilfe durch Spenden und ähnliche Maßnahmen schaffen Unternehmen auch  mit Angeboten zur Integration in den Arbeitsmarkt Perspektiven für Flüchtlinge. Dies zeigt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

CSR-Maßnahmen: Von Sachspenden bis hin zu Sportangeboten

Konkret hat die Hälfte der befragten Unternehmen Sachspenden für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. So hat beispielsweise Henkel Erstaufnahmeeinrichtungen mit Waschmitteln, Allzweckreinigern, Shampoos und sonstigen Pflegeprodukten versorgt. Der Pharmakonzern Merck hat Medikamente gespendet. Knapp 42 Prozent der befragten Unternehmen engagieren sich, indem sie unternehmenseigene Kompetenzen einbringen. So hat die Telekom unter anderem in Flüchtlingseinrichtungen kostenloses WLAN eingerichtet. Rund 35 Prozent der Unternehmen haben Geld gespendet. Knapp ein Drittel hat Infrastruktur bereitgestellt, beispielsweise hat der Energiekonzern Eon ein leerstehendes Firmengebäude als Unterkunft zur Verfügung gestellt.

Ebenfalls ein Drittel der Unternehmen unterstützt die Flüchtlingshilfe durch das Freistellen von Mitarbeitern für ehrenamtliches Engagement. Jeweils rund ein Fünftel der Unternehmen organisiert Veranstaltungen zwecks Begegnung (Sport, Austausch) und Veranstaltungen zwecks Information und Bildung.

Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt

Jeder zweite Betrieb bietet laut der Studie von IW und Bertelsmann Stiftung Ausbildungsmöglichkeiten für junge und ungelernte Migranten sowie reguläre Arbeitsplätze an. Jeder dritte hilft bei der Eingliederung in die Arbeitswelt durch berufsbegleitende Fort- und Weiterbildungsangebote sowie Berufsinformationen. Diejenigen Unternehmen, die Flüchtlinge bei der Arbeitsmarktintegration unterstützen, stellen mehrheitlich (62 Prozent) zusätzliche Praktikumsplätze zur Verfügung. Gut zwei Fünftel erwarten positive direkte Effekte. Sie glauben, dass es leichter werde, besonders motivierte und lernbereite Mitarbeiter zu finden, wenn Flüchtlinge dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. Zudem hofft die Hälfte der Unternehmen auf einen Zuwachs an interkultureller Kompetenz der Mitarbeiter, da sich in kulturell gemischten Teams das Potenzial und die Kreativität der Mitglieder besser entfalten können. Birgit Riess, Direktorin des Programms Unternehmen in der Gesellschaft in der Bertelsmann Stiftung, kommentiert: „Unternehmen kommt eine Schlüsselrolle zu, wenn es darum geht, Flüchtlingen eine Perspektive zu geben. Betriebe packen mit an, wenn akut Hilfe gebraucht wird und ermöglichen durch Arbeit und Ausbildung die langfristige Integration.“

An Angeboten mangelt es nicht, Umsetzung schwierig

Dass ihnen eine Schlüsselrolle zukommt, das haben die Unternehmen in Deutschland offenbar verstanden. Angebote, die die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt erleichtern sollen, sind – wenn man die Studie von IW und Bertelsmann Stiftung zugrunde legt – offenbar reichlich vorhanden. Aber wie sieht es bei der konkreten Umsetzung aus? Folgen auf Worte auch Taten? Können die Unternehmen ihrem eigenen Anspruch gerecht werden? Dass die deutsche Wirtschaft ihre selbst gesteckten Ziele bei der Integeration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt nicht erfüllt, diese Vermutung legt eine andere aktuelle Studie nahe. Dieser Studie zufolge hat ein Großteil der Unternehmen nämlich bislang noch keine Flüchtlinge eingestellt.

Ifo-Umfrage: Nur jedes zehnte Unternehmen hat tatsächlich Flüchtlinge eingestellt

Konkret haben 88 Prozent der Firmen bislang keine Asylberechtigten oder andere Flüchtlinge als Praktikanten, Lehrlinge oder Arbeitskräfte aufgenommen, ergab die Umfrage des Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo im Auftrag der Wirtschaftswoche. Das Institut befragte knapp 500 Firmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistung. Eine Studie des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) und dem Personaldienstleister Hays hatte demgegenüber ergeben, dass bereits ein Fünftel der deutschen Unternehmen Flüchtlinge beschäftigt. Diese üben dieser Studie zufolge allerdings mehrheitlich Hilfs- und Unterstützungstätigkeiten aus, was sich wiederum mit den Ergebnissen der Ifo-Umfrage deckt. Mehr als die Hälfte der Betriebe, die sich Flüchtlingen öffnen, gewähren der Umfrage zufolge zunächst ein Praktikum, 40 Prozent von ihnen stellen sie als Hilfskräfte ein.

Zwischen enttäuschten Erwartungen und positiven Überraschungen

Ihre Erwartungen an die Neuen sehen Arbeitgeber in der Industrie und auf dem Bau zu einem Drittel nicht erfüllt, besser sind die Erfahrungen im Handel und bei Dienstleistern, die nur zu knapp zehn Prozent enttäuscht, häufiger aber positiv überrascht wurden. In der Studie von IBE und Hays gaben die meisten der befragten Unternehmen (71 Prozent), die Flüchtlinge eingestellt haben, an, dass ihre Erfahrungen positiv sind. Von negativen Erfahrungen sprechen nur sechs Prozent.

Einstellungshindernisse: Bürokratie, Sprachprobleme und niedriges Ausbildungsniveau

Als größte Einstellungshindernisse identifiziert die Ifo-Umfrage Bürokratie und politische Vorgaben. Knapp ein Drittel der Befragten beurteilt ein Übermaß an Vorschriften als Problem. Am schwierigsten sei aber, dass viele Flüchtlinge kaum Deutsch könnten (76 Prozent) und eher schlecht ausgebildet seien (49 Prozent). Auch der "Trend Survey 2016" der Unternehmensberatung Deloitte kam zu dem Schluss, dass den meisten deutschen Unternehmen die Eingliederung von Flüchtlingen in die Arbeitswelt schwerer fällt als erwartet. Vor allem Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede bereiten den HR-Abteilungen Probleme. In vielen HR-Abteilungen fehle zudem auch das Fachwissen bei rechtlichen Fragen zur Beschäftung von Flüchtlingen, so die Studie.

 

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Haufe Online Redaktion

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