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| Integration

Betriebe sind bereit, Flüchtlinge zu beschäftigen, fordern aber bessere Rahmenbedingungen

Flüchtlinge beschäftigen und ausbilden: Betriebe leisten einen entscheidenden Beitrag zur Integration.
Bild: Haufe Online Redaktion

Viele Betriebe wollen Flüchtlinge beschäftigen und ausbilden. Regionale IHKs und Handwerkskammern beraten und unterstützen Unternehmen dabei. Von der Politik fordern sie aber auch eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen. 

Viele regionale Betriebe aus Handwerk, Industrie, Handel und Dienstleistungsbranche sind bereit, Flüchtlinge zu beschäftigen und auszubilden. Die Region Stuttgart liefert dafür sogar konkrete Zahlen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie die Handwerkskammer haben dafür 770 Mitgliedsbetriebe befragt. Laut IHK-Präsident Georg Fichtner sind in der Region Stuttgart vier Fünftel der  IHK-Mitgliedsbetriebe grundsätzlich bereit, Flüchtlinge zu beschäftigen. „Von diesen Betrieben will ein Drittel Flüchtlinge ausbilden“, so Fichtner.

80 Prozent der Handwerksbetriebe würden Flüchtlinge beschäftigen

Ähnlich die Lage im Handwerk: Mehr als 80 Prozent der Befragten würden Flüchtlinge beschäftigen. Von diesen wollen fast 40 Prozent Flüchtlinge ausbilden. „Das Interesse an den Flüchtlingen als Mitarbeitern ist in der Handwerkerschaft sehr groß“, bestätigt Handwerkspräsident Rainer Reichhold.

Betriebe wollen auch aus sozialen Motiven heraus helfen

Fast die Hälfte der befragten Betriebe würde auch aus sozialen Erwägungen heraus Flüchtlinge beschäftigen oder ausbilden. „Wir müssen das Engagement und die Hilfsbereitschaft der Betriebe jetzt nutzen, um die Integration dieser Menschen voranzutreiben“, so Reichhold. Denn viele Flüchtlinge entwickelten sich zu echten Leistungsträgern. Das hätten Zuwanderer in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, wie zum Beispiel bei der Jugoslawien-Krise.

Voraussetzung: Ausreichend Deutschkenntnisse und Informationen über Berufsabschlüsse

Voraussetzung für die Beschäftigung von Asylanten sei jedoch, dass Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erteilt wurden, ausreichend Deutschkenntnisse vorhanden sind und möglichst Informationen über Bildungsniveau, berufliche Kenntnisse und Berufsabschlüsse vorliegen. Die Kammern appellieren an die Politik, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit möglichst rasch viele Flüchtlinge eine Beschäftigung oder Ausbildung beginnen können.

Arbeitgeber brauchen Rechtssicherheit

Problematisch sehen beide Kammerpräsidenten die Risiken für Unternehmen, wenn Abschiebung droht. „Wenn Betriebe in Ausbildung und Beschäftigung investieren, brauchen sie Rechtssicherheit“, so Fichtner. Vor allem während der Ausbildung und im Anschluss daran mindestens für zwei Jahre müsse die Arbeitserlaubnis sichergestellt sein.

Erhöhung der Altersgrenze für die Ausbildung gewünscht

Handwerkskammerpräsident Reichhold plädiert außerdem für die Aussetzung der Altersgrenze von 21 Jahren für die Ausbildung geduldeter Flüchtlinge oder eine Erhöhung auf 25 Jahre. Denn auch für Flüchtlinge jenseits der derzeit bestehenden Altersgrenze sei Integration über den Weg einer Berufsausbildung erfolgversprechend.

Forderung: Mindestlohnregelung für Praktika aufheben

Fichtner mahnt an, dass es möglich sein müsse, die Mindestlohnregelung für Praktika, die länger als drei Monate dauern, aufzuheben. Solche Praktika seien notwendig, um die beruflichen Fähigkeiten und die Eignung der Bewerber festzustellen. „Während ein Flüchtling ein Praktikum absolviert, investiert der Betrieb zunächst nur einseitig“, sagt der IHK-Präsident. Daher sei es von der Politik fair, wenn die Unternehmen während eines solchen Praktikums mehr Flexibilität bei der Ausgestaltung von Löhnen und Gehältern bekommen würden. Beide Präsidenten plädieren außerdem für weniger Regulierung und Abbau von Bürokratie in den Verwaltungen.

Kammern bieten Beratung für Betriebe und für Flüchtlinge

IHK und Handwerkskammer unterstützen die Betriebe bei ihrem Engagement für Flüchtlinge. Sie helfen bei der Vermittlung in Praktika sowie in Ausbildung, bieten Beratung für Betriebe und vermehrt auch für Flüchtlinge an. Darüber hinaus bringen sie ihr Know-how vor allem in der Ausbildung in Netzwerke ein und kooperieren mit den Akteuren, wie zum Beispiel den Arbeitsagenturen vor Ort. Die Region Stuttgart ist dafür nur ein Beispiel von vielen. Nahezu alle Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern bieten eine solche Unterstützung an. Informationen dazu finden Betriebe auf den Internetseiten der regionalen IHKs und Handwerkskammern.

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