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| Beschäftigung Älterer

Mit 65 ist noch lange nicht Schluss

Gerade Besserverdiener arbeiten einer neuen IW-Erhebung zufolge häufiger im Rentenalter weiter.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Eine aktuelle IW-Studie zeigt: Mittlerweile arbeiten knapp neun Prozent der Über-65-Jährigen weiter. Noch aktiver sind demnach Rentner in Großbritannien und Schweden. Die Motive für die längere Erwerbstätigkeit – wirtschaftliche Not oder Spaß an der Arbeit – diskutieren Experten kontrovers.

Damit lag in Deutschland die Beschäftigtenquote der Generation 65 plus im Jahr 2013 mit 8,7 Prozent knapp über dem EU-Durchschnitt (8,5 Prozent), wie die neue  Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ergeben hat. Die Beschäftigtenquote Älterer ist somit seit einer früheren Erhebung aus dem Jahr 2005 um 3,7 Prozent gestiegen.

Noch weiter über dem EU-Durchschnitt liegen demnach die beiden Spitzenreiter in puncto Rentnerbeschäftigung, das Vereinigte Königreich und Schweden: Mit 15,5 beziehungsweise 14,5 Prozent ist in den beiden Ländern der Anteil der 65- bis 74-jährigen Erwerbstätigen so hoch wie sonst nirgendwo in der Europäischen Union.

Viele ältere Arbeitnehmer in Baden-Württemberg

Des Weiteren ergab die IW-Studie, dass es unter den deutschen Senioren über 65 vor allem die Männer sind, die länger berufstätig bleiben: Im Jahr 2012 gingen mehr als zehn Prozent von ihnen einer Beschäftigung nach. Bei ihren weiblichen Altersgenossen waren es hingegen nur 5,5 Prozent.

Daneben beobachteten die Studienautoren auch regionale Unterschiede: Während in Baden-Württemberg 10,5 Prozent der Einwohner im Rentenalter erwerbstätig waren, arbeiteten in Mecklenburg-Vorpommern nur 3,6 Prozent nach ihrem 65 Lebensjahr weiter.

Besserverdiener arbeiten gern länger

Offenbar bleiben viele Schaffer unter den Senioren ihrem Arbeitgeber nicht aus purer wirtschaftlicher Not treu. Das legt die IW-Studie nahe: Im Jahr 2012 waren 24,3 Prozent der 65- bis 74-Jährigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von über 4.500 Euro erwerbstätig

Unter den Silver Agern, deren Haushalt ein Einkommen von weniger als 1.100 Euro aufweist, arbeiten aber nur 4,9 Prozent über das Rentenalter hinaus weiter.

"Die Menschen gehen im höheren Alter also nicht arbeiten, weil ihre Rente nicht reicht, sondern weil sie sehr gute Beschäftigungs- und Einkommensperspektiven haben", glaubt IW-Direktor Michael Hüther.

Diesem positiven Fazit widerspricht Professor Dirk Hofäcker von der Universität Duisburg-Essen. "Vor allem in der Gruppe der gering Qualifizierten hat der Trend zur Weiterarbeit zugenommen", schildert der Sozialforscher seine Beobachtung gegenüber dem "Senioren-Ratgeber". Sie seien auf das Zusatzeinkommen angewiesen. Für Akademiker stelle die Erwerbstätigkeit im Alter dagegen häufig ein Privileg dar.

Beim Berufsausstieg nicht gleich auf Null schalten

Für die länger aktiven Silver Ager empfiehlt der Professor einen schrittweisen Ausstieg aus dem Berufsleben. Gleiches empfiehlt auch Steffen Haas, Gründer von ASE Automotive Senior Experts, einem Vermittlungsportal für Seniorexperten im Ruhestand: "Ein Spitzensportler schaltet ja auch nicht gleich auf Null, wenn er sich aus dem Profisport zurückzieht."

Insbesondere Personen, die vor dem Ruhestand beruflich sehr erfolgreich waren, wollten ab dem Rentenalter ihre Karriere nicht gleich an den Nagel hängen und suchten weitere Herausforderungen, so Haas' Beobachtung: "Das sind Menschen, die ihre beruflichen Aufgaben mit Leidenschaft und Herzblut angegangen sind und es bis in die höchsten Managementebenen geschafft haben."

"Neue Qualifizierungsangebote für Ältere"

Doch ob die Senioren aus wirtschaftlicher Not oder aus Spaß an ihrer Tätigkeit weiterarbeiten: Die Experten machen sich dafür stark, dass Unternehmen sie künftig besser weiterbilden. "Wir brauchen für Leute, die in der Rente weiter arbeiten wollen oder müssen, auch neue Qualifizierungsangebote", fordert Hofäcker gegenüber dem "Senioren-Ratgeber".

Bisher gehören Ältere aber immer noch zu den Verlierern in der betriebliche Weiterbildung, wie kürzlich erneut eine Studie ergeben hat. Die Teilnahmequote der Mitarbeiter 55 plus in der betrieblichen Weiterbildung hat demnach sogar im Vergleich zum Jahr 2012 abgenommen – von damals 27 auf aktuell 25 Prozent.

Wie Sie Ihre älteren Mitarbeiter länger im Unternehmen halten können – etwa durch innovative Arbeits- und Weiterbildungskonzepte – lesen Sie in der aktuellen Ausgabe (05/2015) des Personalmagazins, die Sie sich hier als App herunterladen können. Tipp: Schalten Sie den Ton an, wenn Sie die App starten.

Haufe Online Redaktion

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