Flexible Zeiten, mehr Geld: Jeder Vierte will "63er" halten
Die Rente mit 63 macht sich in den Unternehmen bemerkbar – das berichteten im April verschiedene Zeitungen unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit. Eine neue Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) gibt nun Aufschluss darüber, wie die Unternehmen auf diese Entwicklung reagieren: Demnach versucht bislang ein Viertel der Betriebe diejenigen Mitarbeiter, die ein Anrecht auf die Rente mit 63 haben, zu halten.
Jeder Zweite setzt auf Neueinstellungen
Deutlich mehr, nämlich gut die Hälfte der Betriebe, setzen dagegen auf ein Ausscheiden der "63er" und darauf, deren Arbeitskraft mit Neueinstellungen zu ersetzen. Daneben will fast ein Drittel der Betriebe mit internen Umstrukturierungsmaßnahmen auf den Austritt der älteren Mitarbeiter reagieren, etwa durch technische und organisatorische Veränderungen.
Wie viel Flexibilität Unternehmen dabei haben, hängt naturgemäß stark von der Unternehmensgröße ab: Je größer der Betrieb, desto eher sei er in der Lage, das Ausscheiden von Mitarbeitern durch interne Umstrukturierungen zu kompensieren, erklären die Arbeitsmarktforscher.
Akuter Fachkräftemangel erhöht Bindungswillen
Wer versucht, jene Mitarbeiter, die mit 63 ausscheiden könnten, zu halten, tut dies offenbar meist aus der Not heraus: Die Betriebe, die bei der Personalrekrutierung von Fachkräfteengpässen betroffen sind, versuchen laut IAB-Studie besonders häufig ihre älteren Mitarbeiter zum Bleiben zu motivieren. Wie die Studie ebenfalls zeigt, setzen sie dabei vor allem auf flexible Arbeitszeiten und finanzielle Anreize wie Lohnerhöhungen oder Prämien.
Dass sie zumindest bei den Arbeitszeitmodellen genau ins Schwarze treffen, bestätigt eine Studie des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) im Auftrag der Initiative Wege zur Selbst GmbH, über die Institutsleiterin Professor Jutta Rump und Silke Eilers, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IBE, in Ausgabe 05/2015 des Personalmagazins berichten: Flexible Arbeitszeitmodelle für Ältere, so ein Ergebnis der Studie, erfreuen sich unter den Beschäftigten großer Beliebtheit.
Auch Arbeitsinhalte müssen attraktiver werden
Aber reicht das? Eine BAuA-Studie aus dem Frühjahr legt nahe, dass Unternehmen nicht nur Arbeitszeiten und Vergütung Älterer, sondern auch deren Arbeitsinhalte anpassen müssten, wenn sie die Generation 55 plus wirklich langfristig an sich binden wollen. Denn noch "bestechen" die Arbeitsabläufe Älterer demnach vielerorts nur durch eins: Monotonie.
Hinzu kommt: Noch werden den sogenannten "Silver Agern" noch wenige Möglichkeiten zur (altersgerechten) Weiterbildung geboten. Wie speziell auf Ältere abgestimmte Lehr- und Lernangebote aussehen können, hat kürzlich eine Studie des Fraunhofer Instituts analysiert.
Alternativen für Ältere: Jobsharing, Wechsel, Langzeitkonten
Die bereits erwähnte IBE-Studie zeigt neben den Arbeitsinhalten und klassischen Arbeitszeitmodellen, wie Altersteilzeit, weitere Modelle auf, mit deren Hilfe es gelingen kann, ältere Mitarbeiter länger im Unternehmen zu halten – etwa der Wechsel aus einer Führungsposition in eine Fach- oder Projektlaufbahn, das Angebot von Jobsharing für ältere Beschäftigte oder die Möglichkeit, Langzeitkonten für einen flexiblen Ausstieg zu nutzen.
Diese verschiedenen Modelle untersuchten die Autoren auch in Hinblick auf die Beliebtheit bei der Belegschaft und darauf, inwiefern die insgesamt 310 befragten Mitarbeiter diese für realistisch halten. Bei fast allen Modellen ergab sich eine deutliche Diskrepanz: Obwohl alle vorgestellten Rentenalternativen mindestens 60 Prozent Fans unter den Befragten fanden, hielten diese die meisten Modelle nicht für sonderlich realistisch. So sprachen sich etwa 60 Prozent der Befragten für ein Jobsharing-Angebot für Ältere aus – jedoch nur 21 Prozent waren der Überzeugung, dass dies auch in der Praxis umgesetzt werde.
Rente mit 63: Jedes zehnte Unternehmen ist betroffen
Die IAB-Studie offenbart neben den oben genannten Aspekten weitere Zahlen zum Status Quo der Unternehmen infolge der Einführung der Rente ab 63: Insgesamt sind nach eigener Aussage elf Prozent der Betriebe von der Rente mit 63 betroffen, weil Mitarbeiter bereits ausgeschieden sind oder die Betriebe dies erwarten.
Aufgrund der Unterschiede in der Altersstruktur der Beschäftigten stellt sich die Situation je nach Branche sehr verschieden dar: Während in den Branchen "Kunst, Unterhaltung, Erholung", "Information und Kommunikation" oder im Gastgewerbe weniger als fünf Prozent der Betriebe von der Rente mit 63 in den nächsten drei Jahren betroffen sind, liegt der Anteil in der öffentlichen Verwaltung bei mehr als 30 Prozent.
Mehr dazu, wie Unternehmen ältere Mitarbeiter länger halten oder nach dem Eintritt ins Rentenalter weiterbeschäftigen können, lesen Sie in unserer Titelstrecke "Oldies but Goldies" in Heft 05/2015 des Personalmagazins.
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