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Nachsitzen: Deutsch, Mathe und Disziplin

Im Unterricht geschlafen? Viele Personaler beklagen fehlende Schulkenntnisse bei den Azubis.
Bild: Digital Vision

Fehlende Deutsch- und Mathekenntnisse, mangelhafte Softskills: Das kritisieren Unternehmensvertreter in einer Umfrage an der aktuellen Azubigeneration. Doch auch die Ausbilder müssten nachsitzen: Bisher setzen sie lieber auf Smartphone & Co., um Azubis zu ködern, als auf Teilzeitausbildungen.

Die mangelnde Ausbildungsreife von Schulabgängern ist das Ausbildungshemmnis Nummer eins für die Betriebe – das ist ein Fazit der aktuellen Ausbildungsbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Darin kritisieren 56 Prozent der Befragten die mangelnden Deutschkenntnisse der Azubis. Knapp die Hälfte (48 Prozent) beklagt sich zudem über Defizite im mathematischen Bereich.

Das bedeutet eine leichte Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr, als 45 Prozent der Unternehmen sich über die mathematischen Fähigkeiten der Jugendlichen beklagten. DIHK-Präsident Eric Schweitzer begründete den Anstieg damit, dass die Unternehmen immer häufiger lernschwächeren Jugendlichen die Chance gäben, eine Ausbildung zu absolvieren. Der DIHK hatte Vertreter aus 12.962 Unternehmen zu ihren Ausbildungsplänen, -erfahrungen und -motiven befragt.

Azubis: wenig leistungsbereit, kaum belastbar und undiszipliniert?

Neben den fachlichen Mängeln stellen die befragten Betriebe jedoch auch Defizite bei den Softskills der Jugendlichen fest. Am häufigsten beklagen sich die Unternehmensvertreter in der DIHK-Befragung über deren mangelnde Leistungsbereitschaft (54 Prozent). Als wenig belastbar erleben 46 Prozent die Jugendlichen; 45 Prozent berichten von einer zu geringen Disziplin.

Ein knappes Drittel der Befragten findet zudem, dass auch das Interesse der Jugendlichen an ihrer Ausbildung zu wünschen übrig ließe. Neben der Integration von schwächeren Jugendlichen in die Ausbildung schlügen sich hier auch die anderen Vorstellungen von Arbeiten und Lernen der Generation Y in der Zusammenarbeit mit den Betrieben nieder. "Die junge Generation ist zwar leistungsbereit, sucht jedoch stetig die kreative Herausforderung und den Sinn in einer Aufgabe", kommentierte Schweitzer die Ergebnisse. "Notwendigen Routinearbeiten steht sie eher kritisch gegenüber."

Nur ein Drittel setzt auf neue Bewerbergruppen

Um die Zahl qualifizierter Bewerbungen zu erhöhen, müssten sich die Betriebe attraktiver für die Bewerber machen und das Bewerberpotenzial besser ausschöpfen, forderte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban vergangene Woche. Der jetzt vorliegende Bericht des DIHK gibt auch Aufschluss darüber, inwieweit die Unternehmen dies schon in die Tat umsetzen. Zwar ist immerhin für gut jeden zweiten Betrieb Ausbildungsmarketing schon ein wichtiges Instrument, mehr Bewerbungen zu generieren. Beim Erschließen neuer Bewerbergruppen gibt es bei der Mehrheit allerdings noch deutlichen Nachholbedarf: Bisher setzt nur ein Drittel der Betriebe auf diese Strategie.

Die größte Zielgruppe stellen dabei Studienabbrecher dar. Eine weitere Möglichkeit zum Erschließen neuer Bewerbergruppen ist eine Ausbildung in Teilzeit, die vor allem Bewerber mit Kind oder einem Pflegefall in der Familie ansprechen soll. Dieses Modell bieten aber laut Umfrage bislang nur fünf Prozent der Betriebe an. Des Weiteren versuchen die Ausbildungsverantwortlichen in den Unternehmen, Jugendliche anzuziehen, indem sie Ausbildungsinhalte anreichern – etwa mit Zusatzqualifikationen, Auslandsaufenthalten oder Kooperationen mit Hochschulen.

Azubis ködern mit Smartphone und Fitnessstudio

Doch nicht alle setzen auf intellektuelle Anreize: In jedem zehnten Betrieb versuchen die Personaler, Azubis mit finanziellen Mitteln für sich zu gewinnen – das sind doppelt so viele wie jene, die eine Teilzeitausbildung anbieten. Jeder zweite davon setzt auf Zuschüsse zur Mobilität, etwa in Form von ÖPNV-Gutscheinen oder eine Beteiligung am Führerschein. Als weitere "Goodies", mit denen Azubis geködert werden sollen, nennen die Befragten Prämienzahlungen, Wohnungszuschüsse, Büchergeld, Fitnessstudiomitgliedschaften und Smartphones.

Die große Azubi-Welle aus Europa, die Förderprogramme wie etwa Mobi Pro EU in Gang bringen sollen, bleibt indes nach Erkenntnis des DIHK aus. Immerhin ist deren Einstellungsquote in diesem Jahr aber um drei Prozentpunkte auf vier Prozent gestiegen.

Hinweis: Weitere Tipps, wie Unternehmen bei Azubis punkten können, erhalten Sie im Personalmagazin, Ausgabe 09/2014.

Schlagworte zum Thema:  Berufsausbildung, Auszubildende, Soft Skills

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