| Beschwerdemanagement gegen Ausbildungsabbrüche

Nummer gegen Kummer für Azubis

Bislang wissen viele Auszubildende nicht, dass sie sich bei Problemen an Ausbildungsberater wenden können. Nun wird ein eigenes Beschwerdemanagement für die Azubis erprobt.
Bild: Haufe Online Redaktion

Ärger mit Ausbildern, unchristliche Arbeitszeiten, unzählige Überstunden: Auszubildende, die mit solchen Problemen zu kämpfen haben, sollen künftig mittels eines professionellen Beschwerdemanagements schneller als bisher Hilfe erhalten. So soll Ausbildungsabbrüchen entgegengewirkt werden.

Fast ein Viertel aller Ausbildungsverträge wird derzeit jedes Jahr vorzeitig gelöst. In manchen Branchen bricht gar jeder zweite Azubi seine Ausbildung ab. Am meisten mit Ausbildungsabbrüchen zu kämpfen haben Gastronomen, Friseure und Dachdecker, wie aus dem Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2016 des Bundesinstituts für Berufsbildung hervorgeht.

Wissenschaftler des Soziologischen Forschungsinstituts (Sofi) an der Georg-August-Universität Göttingen sind kürzlich der Frage nachgegangen, warum so viele Azubis und Ausbilder frühzeitig auseinander gehen. Als Hauptgrund für das Scheitern haben sie Kommunikationsprobleme zwischen Azubis und Ausbildern ausgemacht.

Beschwerdemanagement für Azubis wird erprobt

Diesen und anderen Problemen von Auszubildenden wollen nun Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertreter besser als bisher entgegenwirken. Bei Problemen in der Lehre sollen Azubis künftig rascher einen Ansprechpartner finden und Unterstützung bekommen. In Bayern und in anderen Pilotregionen soll dafür ein eigenes Beschwerdemanagement erprobt werden, sagte der Ausbildungsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Markus Kiss, der Deutschen Presse-Agentur.

Viele junge Leute wüssten bisher gar nicht, dass sie sich bei Schwierigkeiten etwa mit dem Ausbilder, mit Kollegen oder mit dem Ausbildungsplan an die Ausbildungsberater der Kammern - also der Handwerks- oder der Industrie- und Handelskammern - wenden könnten.

Berufsschule, Ausbildungsberater und Arbeitgeber einbinden

Im Einzelnen planen Vertreter aus Wirtschaft und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), mit ihrer Initiative den Informationsfluss bei Schwierigkeiten zu verbessern und alle Beteiligten wie Berufsschulen, Betriebsräte sowie die Ausbildungsberater und die Arbeitgeber einzubinden, sagte Kiss. Ziel des Beschwerdemanagements sei es auch, Eskalationen zu vermeiden.

Die Erprobung des Beschwerde-Managements ist eine Initiative der Allianz für Aus- und Weiterbildung, die die Bundesregierung mit Vertretern der Wirtschaft, der Gewerkschaften, der Bundesagentur für Arbeit und der Länder Ende 2014 ins Leben gerufen hatte. In Bayern soll das Projekt bereits zum Beginn des kommenden Ausbildungsjahrs an den Start gehen.

DGB-Report: Azubis klagen über Arbeitszeiten und Überstunden

Hintergrund der Initiative ist auch der jährliche Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Demnach ist zwar ein Großteil der jungen Leute mit der Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden.

Doch gibt es etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe seit Jahren Klagen der Auszubildenden über Arbeitszeiten und Überstunden – eben jene Branchen, die auch das BIBB in seinem Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2016 als besonders von Ausbildungsabbrüchen betroffen identifiziert hat.

Schlagworte zum Thema:  Ausbildung, Lehre

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