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Wurde Arbeit früher vor allem als Verdienstmöglichkeit angesehen, suchen heute immer mehr Berufstätige nach Selbstverwirklichung im Job. Bislang wurde das Thema hauptsächlich mit akademischen Berufen verbunden. Doch auch unter Nicht-Akademikern befinden sich viele "Sinnsucher", zeigt eine Studie von Meinestadt.de.

Für mehr als die Hälfte der Fachkräfte mit Berufsausbildung stellt Arbeit weitaus mehr als den reinen Broterwerb dar. Das zeigt die Studie „Attraktive Jobs“ von Meinestadt.de, für die 2.078 Fachkräfte mit Berufsausbildung befragt wurden. Auf die Frage „Würden Sie nach einem Millionengewinn im Lotto weiterarbeiten“ antworten 56 Prozent der Befragten mit Berufsausbildung mit „Ja“.

Für diesen Teil der Fachkräfte stellt der Job also auch einen Sinn stiftenden Faktor dar. Sinnhaftigkeit wird dabei von den Studienteilnehmern in erster Linie mit „etwas mit der Arbeit bewirken können“ verbunden. Fast jeder Zweite stimmt dieser Definition zu. Teil eines Teams aus tollen Kollegen zu sein sowie besonders gute Fähigkeiten im Beruf einbringen zu können, verleihen der Arbeit außerdem für einen Großteil der Befragten Sinn.

Job gewinnt aus emotionaler Perspektive an Bedeutung

Das Bild vom „einfachen Arbeiter“, der nur des Geldes wegen „ackert“, ist überholt. Arbeit ist nicht mehr nur Arbeit. Die Grenze zwischen Privatem und Beruflichem verschwimmt im digitalen Zeitalter. Damit erhält auch die Suche nach dem Sinn verstärkt Einzug ins Berufsleben. Die damit verbundenen Fragen stellen sich heutzutage viele Arbeitnehmer: Passt der Job zu mir? Wie kann ich meine Fähigkeiten einbringen? Was kann ich bewirken? Welchen Zweck unterstütze ich damit? Der Job gewinnt damit auch aus der emotionalen Perspektive immer mehr an Bedeutung.

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Wichtige Motivatoren: Arbeit als Ausgleich

Bislang wurde dieser  Sinn stiftende Faktor vor allem bei der akademischen Zielgruppe im Recruiting berücksichtigt. Aber wie die aktuelle Studie von Meinestadt.de zeigt, gehört der Sinn der Arbeit auch für Fachkräfte mit Berufsausbildung zu den wichtigen Motivatoren. Für die einen ist Arbeit Ausgleich und Ablenkung, für andere gibt sie dem Alltag Struktur, wiederum andere geben den Spaß an der Arbeit und den Kontakt zu den Kollegen als Grund dafür an, dass sie auch nach einem Lottogewinn noch weiterarbeiten würden.

Für viele zahlt der Job eben wesentlich auf das Selbstwert­gefühl ein – „man wird gebraucht“. Die Arbeit gibt Sinn sowie Selbstbewusstsein und – neben der klassischen Verdienstmöglichkeit – ein starkes Wertgefühl und eine Bedeutung im Leben.

Was Akademiker nicht können: Handwerk als schöpferische Tätigkeit

Gerade in Berufen, in denen die Arbeitnehmer etwas „schaffen“ und Ergebnisse sehen – vor allem im Handwerk – kann das Arbeiten gewissermaßen auch mit schöpferischer Zeit gleichgesetzt werden. Der Schreiner produziert den Tisch, der Florist den Strauß, der Konditor die Torte. Diese Möglichkeit fehlt in einigen akademischen Berufen. Hier werden zwar auch Konzepte, Botschaften und Ziele geschaffen, größtenteils aber nichts direkt Greifbares. Das wirkt sich auch wesentlich auf die mit der Arbeit verbundene Sinnhaftigkeit aus.

Große Unterschiede nach Alter, Geschlecht und Branche

Unterschiede ergeben sich, wenn weitere Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Branche mit in die Analyse einbezogen werden: So wollen mehr unter 30-Jährige trotz eines Lottogewinns ihren Job weiter ausüben als Befragte im Alter zwischen 41 und 50 Jahren. Insgesamt möchten mehr Frauen als Männer nach einem Lottogewinn weiterarbeiten. Und auch der Branchenvergleich zeigt, dass Personen mit Pflegeberufen am ehesten angeben, weiterarbeiten zu wollen. Letzteres lässt sich vermutlich mit dem ohnehin schon ausgeprägten sozialen Schwerpunkt in der Pflegebranche erklären.

Motivationsfaktoren: Sicherheit und gutes Betriebsklima

Welche weiteren Faktoren neben dem Sinn stiftenden Aspekt sind für Fachkräfte mit Berufsausbildung ausschlaggebend für einen attraktiven Job? Für die Studienteilnehmer sind ein sicherer Arbeitsplatz (57 Prozent) und ein gutes Arbeitsklima (50 Prozent) mit Abstand am wichtigsten im Job. Ein überdurchschnittliches Gehalt (18 Prozent) und Aufstiegschancen im Unternehmen (drei Prozent) rangieren hingegen auf den letzten Plätzen.

Hier zeigen sich wiederum deutliche Unterschiede zu akademischen Zielgruppen. Während für Akademiker Vergütung und Karriere oftmals eine zentrale Rolle spielen, sind Nicht-Akademiker in erster Linie Teamplayer und priorisieren Sicherheitsfaktoren besonders hoch.

Recruiting: Sinnsuche als Baustein im Job-Marketing

Gerade im Recruiting-Prozess können mit diesem Wissen wichtige Weichen im „War for Talents“ gestellt werden. Bewerber wollen bereits in Stellenausschreibungen authentisch und passgenau adressiert werden und im besten Fall ihre Wünsche und Bedürfnisse gespiegelt wissen. Während Arbeitgeber den Wettbewerb um die besten Talente in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten vor allem um ITler, Ingenieure oder Mediziner geführt haben, rücken nun mehr und mehr Fachkräfte mit Berufsausbildung in den Blick der Verantwortlichen – und damit auch deren Bedürfnisse und Erwartungen. Um die Sinnsucher unter ihnen zu adressieren, sollte auch dieser bislang unberücksichtigte Faktor vermehrt Einzug in die Bewerberansprache halten.

Die gesamten Studienergebnisse stehen hier kostenlos zum Download zur Verfügung.

Schlagworte zum Thema:  Personalmarketing, Recruiting, Fachkräfte