Arbeitszeit: Überstunden in Deutschland

Überstunden gehören wohl dazu: In ihrer gesamten Berufslaufbahn leistet jede Fachkraft im Schnitt mehr als 9.000 Überstunden, jeder Dritte bekommt diese zudem nicht ausgeglichen. Führungskräfte kommen gar auf mehr als 15.000 zusätzliche Arbeitsstunden, 74 Prozent ohne Ausgleich. Das zeigt der neue Arbeitszeitmonitor. 

Wie viele Überstunden leisten Fach- und Führungskräfte in Deutschland? In welchen Branchen arbeiten Beschäftigte länger? Antworten auf diese Fragen liefert der „Arbeitszeitmonitor 2019 von Compensation Partner. Für die Studie werteten die Vergütungsanalysten 215.403 Daten aus. Das Ergebnis: In ihrer gesamten Berufslaufbahn machen Fachkräfte 9.655 und Führungskräfte 15.390 Überstunden, doch insgesamt geht die Zahl der Überstunden zurück.  

Über die Hälfte der Arbeitnehmer leistet Überstunden

Insgesamt leisten 54 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland Überstunden – im Durchschnitt rund drei pro Woche. Frauen verrichten im Schnitt 2,2 und Männer 3,7 Überstunden. Insesamt aber ist die Zahl der Überstunden in Deutschland rückläufig.

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In ihrer gesamten Berufslaufbahn leisten Fachkräfte insgesamt 9.655 Überstunden. Ein Drittel davon bekommt diese nicht ausgeglichen. Sie arbeiten somit in ihrer Karriere über ein Jahr (13 Monate) umsonst. Führungskräfte kommen auf 15.390 zusätzliche Arbeitsstunden in ihrer Berufslaufbahn. Unter ihnen erhalten 74 Prozent keinen Ausgleich. Aufsummiert arbeiten sie insgesamt 21 Monate ohne gesonderte Bezahlung dafür.

Überstunden: Es werden immer weniger

Insgesamt aber fallen seit dem Krisenjahr 2009 jedoch immer weniger Überstunden an. 2009 leisteten die Arbeitnehmer im Schnitt 6,5 Überstunden wöchentlich. Seit 2010 sinkt die Anzahl kontinuierlich und beträgt heute 3,03. „Die angespannte Situation der Finanzkrise führte im Jahr 2009 zu deutlich mehr Überstunden als heute. Derzeit erleben wir einen Wirtschaftsboom und die Work-Life-Balance steht im Vordergrund, wodurch die Bereitschaft zu Überstunden tendenziell geringer ist.“, bewertet Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner die Entwicklung.

Je höher das Gehalt, desto mehr Überstunden

Laut Untersuchung ergibt sich eine Korrelation zwischen der Anzahl der Überstunden und der Gehaltshöhe. Während Geringverdiener unter 20.000 Euro im Jahr durchschnittlich 1,9 Stunden pro Woche mehr arbeiten, sind es bei einem Gehaltsniveau von mehr als 120.000 Euro durchschnittlich 6,8 Stunden zusätzlich. Führungskräfte mit einem Jahresgehalt von über 120.000 Euro arbeiten im Schnitt sogar rund zehn Stunden länger pro Woche.

Mehr Überstunden im Alter

Auch das Alter der Mitarbeiter steht im Zusammenhang mit der Anzahl der Überstunden. Mit zunehmenden Lebensalter steigt auch die Anzahl der Überstunden kontinuierlich an. Beschäftigte unter 20 Jahren machen im Schnitt 1,7 Stunden pro Woche extra, bei den über 60-Jährigen sind es 3,7 Stunden.

Unternehmensberater machen die meisten Überstunden

Bei einem Blick auf die unterschiedlichen Branchen fällt auf, dass Beschäftigte in Unternehmensberatungen die meisten Überstunden leisten. Sie kommen auf durchschnittlich 5,2 Stunden zusätzlich pro Woche. Hier erhalten nur 20 Prozent aller Berufstätigen einen Ausgleich. „Die in der Regel lukrativen Gehälter von Unternehmensberaterinnen und -beratern sollen die hohe Arbeitsauslastung ausgleichen. Überstunden gehören in dieser Branche zum Geschäftsalltag“, sagt Böger abschließend. Die wenigsten Überstunden verrichten Beschäftigte in der Steuerberatung, sie leisten hier im Schnitt 1,8 Stunden pro Woche zusätzlich.


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