Arbeitszeit: Überstunden in Deutschland Infografik

Beschäftigte in Deutschland haben im Pandemiejahr 2020 insgesamt etwas weniger Überstunden geleistet als im Vorjahr. Allerdings stieg der Anteil der unbezahlten Überstunden, wie aus Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervorgeht. Dass im Besonderen Führungskräfte von einem Mehr an unbezahlten Überstunden betroffen sind, zeigt der "Arbeitzeitmonitor 2021".

Trotz Pandemie haben die Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2020 rund 1,67 Milliarden Überstunden geleistet. Das geht aus einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Zwar ist die Zahl der Überstunden im Vergleich zu 2019 gesunken, wie aus den vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung stammenden Daten hervorgeht. Damals hatte sie sich auf 1,86 Milliarden summiert. Doch beim Anteil der Überstunden am Arbeitsvolumen hat sich wenig getan. Es betrug 2020 3,2 Prozent. Das waren nur 0,3 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. Den Zahlen zufolge ist der Anteil der Überstunden am Arbeitsvolumen bei Teilzeitbeschäftigten mit 3,6 Prozent höher als bei Vollzeitbeschäftigten mit 3,1 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Überstunden sind unbezahlt

Mehr als die Hälfte der Überstunden - 892 Millionen - waren unbezahlt. Während die Zahl der durchschnittlichen unbezahlten Überstunden von 23 auf 21,9 sank (minus 5,8 Prozent), fiel der Rückgang der bezahlten Überstunden deutlicher aus: Machten Beschäftigte 2019 noch durchschnittlich 22,3 bezahlte Überstunden, waren es 2020 nur noch 19 (minus 15,4 Prozent). Das zeigt die Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ingesamt machten die Arbeitnehmenden in Deutschland rund 775 Millionen (2019: 915 Millionen) bezahlte und 892 Millionen (2019: 948 Millionen) unbezahlte Überstunden.

Während der vergleichsweise leichte Rückgang an unbezahlten Überstunden in den Trend der vergangenen Jahre passt, ist die deutlich geringere Zahl an bezahlten Überstunden auffällig: Von 2012 bis 2019 hielt sich die durchschnittliche Zahl stets zwischen 21 und 23 Stunden, nun also der größte Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009.

Bezahlte und unbezahlte Überstunden Statista

Überstunden von Fach- und Führungskräften in ihrer Berufslaufbahn

Erkenntnisse zu den Überstunden von Fach- und Führungskräften liefert der "Arbeitszeitmonitor 2021" von Compensation Partner. Für die Studie werteten die Vergütungsanalysten 346.405 Daten aus. Das Ergebnis: Der Durchschnitt an Überstunden sinkt seit der Finanzkrise 2009. Damals betrug die Überstundenzahl 6,5 Stunden pro Woche, aktuell kommt der Durchschnitt aller Beschäftigten auf rund drei Überstunden pro Woche. Während die Fachkräfte leicht unter dem Überstundendurchschnitt liegen, kommen Führungskräfte auf 7,6 Überstunden pro Woche. Unter ihnen erhalten nur 14 Prozent einen Überstundenausgleich, bei den Fachkräften sind es mehr als doppelt so viele.  

Je höher das Gehalt, desto mehr Überstunden

Laut der Untersuchung von 2021 ergibt sich bei Fachkräften eine Korrelation zwischen der Anzahl der Überstunden und der Gehaltshöhe. Während Geringverdiener von bis zu 20.000 Euro im Jahr durchschnittlich 1,7 Stunden pro Woche mehr arbeiten, sind es bei einem Gehaltsniveau von 40.000 bis 60.000 Euro etwa 2,7 Stunden zusätzlich. Fachkräfte mit einem Jahresgehalt von über 120.000 Euro arbeiten im Schnitt sogar rund sechs Stunden länger pro Woche.

Mehr Überstunden im Alter

Auch das Alter der Fachkräfte steht im Zusammenhang mit der Anzahl der Überstunden. Mit zunehmendem Lebensalter steigt auch die Anzahl der Überstunden kontinuierlich an. Beschäftigte unter 20 Jahren machen im Schnitt 1,6 Stunden pro Woche extra, bei den über 60-Jährigen waren es 3,5 Stunden.

Branchenvergleich: Unternehmensberater machen die meisten Überstunden

Bei einem Blick auf die unterschiedlichen Branchen fällt auf, dass Beschäftigte in Unternehmensberatungen die meisten Überstunden leisten. Sie kommen 2021 auf durchschnittlich 4,7 Stunden zusätzlich pro Woche. Hier erhielten nur 20 Prozent aller Berufstätigen einen Ausgleich. Die wenigsten Überstunden verrichten Beschäftigte in der Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung, sie leisten im Schnitt 1,6 Stunden pro Woche zusätzlich.

Regionale Unterschiede fallen kaum ins Gewicht

Der Bundesländer-Vergleich deckt nur minimale Unterschiede auf. Was auffällt – eine leichte Tendenz, dass in Bundeländern mit höherem Lohnniveau etwas mehr Überstunden geleistet werden. In Hessen, Hamburg und Baden-Württemberg sind es drei Überstunden pro Woche, im Vergleich dazu kommen Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern auf 2,8 Stunden. 
 


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