17.05.2017 | Arbeitszeit

Je höher das Gehalt, desto mehr Überstunden

Wie viele Überstunden machen deutsche Arbeitnehmer? Diese Infografik gibt Antworten.
Bild: Compensation Partner

Wie viele Überstunden leisten deutsche Arbeitnehmer? Wie unterscheidet sich die Zahl der Überstunden je nach Branche, Region, Alter und Gehalt? Und welche Faktoren machen Arbeitnehmer hinsichtlich ihrer Arbeitzeit zufrieden und welche führen zu Unzufriedenheit? Zwei Studien geben Einblick.

Für rund 60 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehören Überstunden zum beruflichen Alltag. 40 Prozent können dagegen pünktlich nach der Arbeit nach Hause gehen. Das ist ein Ergebnis des „Arbeitszeitmonitor 2017“ der Vergütungsberatung Compensation Partner. Für die Studie wurden 220.544 Arbeitsverhältnisse auf geleistete Mehrarbeit untersucht und hinsichtlich Branche, Gehaltshöhe, Region und Alter betrachtet.

Je höher das Gehalt, desto mehr Überstunden

Laut Untersuchung ergibt sich eine Korrelation zwischen der Anzahl der Überstunden und der Gehaltshöhe. Während Geringverdiener unter 30.000 Euro im Jahr durchschnittlich 2,1 Stunden pro Woche mehr arbeiten, sind es bei einem Gehaltsniveau von 60.000 Euro doppelt so viele Überstunden. Top-Verdiener mit einem Jahresgehalt von über 120.000 Euro arbeiten im Schnitt rund zehn Stunden länger pro Woche.

Unternehmensberater machen die meisten Überstunden

Der Branchenvergleich hat  ergeben, dass Beschäftigte in Unternehmensberatungen die meisten Überstunden leisten. Sie kommen auf durchschnittlich 5,11 Stunden pro Woche. Einen Ausgleich erhalten lediglich 34 Prozent. „Durch regelmäßige Geschäftsreisen und Kundentermine sammeln Unternehmensberater schnell viele Überstunden an. Dass die Mehrheit keinen Überstundenausgleich erhält, lässt sich mit einem überdurchschnittlichen Einkommen und hohen Bonuszahlungen begründen“, so Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner.

Viele Überstunden in den neuen Bundesländern

Die meisten Überstunden (rund sechs Stunden) leisten Beschäftigte in den neuen Bundesländern rund um Berlin und Leipzig. Die wenigste Mehrarbeit (5 Stunden) machen Arbeitnehmer in den Regionen rund um Nürnberg, Würzburg sowie Teile von Thüringen.

Mehr Überstunden im Alter

Mit dem Alter steigt auch die Anzahl der Überstunden kontinuierlich an. Beschäftigte unter 20 Jahren machen im Schnitt knapp zwei Stunden pro Woche extra. Über 40-Jährige leisten 3,4 Stunden mehr als vertraglich geregelt, bei den über 59-Jährigen sind es sogar 3,6 Stunden.

Überstundenausgleich vor allem im Maschinenbau

Mit rund 57 Prozent erhalten Beschäftigte in der Maschinenbaubranche am häufigsten einen Überstundenausgleich. An zweiter Stelle folgt das Hotel- und Gastronomiewesen: Rund 53 Prozent der untersuchten Arbeitsverhältnisse erhalten eine Kompensation. „Ein Überstundenausgleich ist oft tariflich geregelt. Ob Überstunden in Freizeit oder Geld ausgeglichen werden, ist jedoch Unternehmenssache“, so Böger weiter. Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen einen Trend zu mehr unbezahlten Überstunden. Demnach waren 2015 mehr als die Hälfte der in Deutschland geleisteten Überstunden unbezahlt.

Lebensphasenorientierte Arbeitszeiten gewünscht

Mit dem Thema Arbeitszeit und Überstunden beschäftigte sich auch eine Befragung der IG Metall, an der 680.000 Beschäftigte teilgenommen haben. Jeder Dritte würde demnach seine tatsächliche Arbeitszeit gerne verkürzen. Die große Mehrheit, 68 Prozent, wünscht sich eine 35-Stunden-Woche oder kürzere Arbeitszeiten. Jeder Fünfte will seine Vollzeit auf weniger als 35 Stunden reduzieren. 82 Prozent finden es gut, wenn sie ihre Arbeitszeit für Kindererziehung oder Pflege vorübergehend absenken können. Einen entsprechenden Gesetzentwurf für befristete Teilzeit hat Andrea Nahles im Januar vorgelegt. Dieser erntete allerdings Kritik von Arbeitgeberseite.

„Die Beschäftigten wünschen sich eine Umverteilung der Arbeitszeit entlang des Lebenslaufes“, kommentiert der erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hoffmann, die Befragungsergebnisse. „Sie erteilen dem Mantra der Arbeitgeber aus Vollzeit plus Überstunden plus Flexibilität plus Leistungsdruck eine klare Absage. Das sind keine Arbeitszeiten die zum Leben passen.“

Arbeitszeit: Diese Faktoren machen zufrieden

Die Analyse der Befragungsergebnisse zeigt auch Faktoren auf, die die Arbeitnehmer hinsichtlich der Arbeitszeit zufrieden stellen oder unzufrieden machen. Die Faktoren, mit denen die Zufriedenheit mit der Arbeitszeit besonders stark zusammenhängt, sind überall dieselben. Beschäftigte, die mit den Arbeitszeiten zufrieden sind, haben häufiger Arbeitszeiten,

  • die bezüglich der Länge den eigenen Wünschen entsprechen,
  • die planbar sind,
  • die vorübergehend verringert werden können und
  • diese Beschäftigten können auch mal ohne große Absprachen früher gehen oder später kommen.

Arbeitszeit: Diese Faktoren machen unzufrieden

Wer unzufrieden mit den Arbeitszeiten ist, hat häufiger Arbeitszeiten, die

  • über 41 Stunden in der Woche hinausgehen,
  • oft am Wochenende anfallen,
  • nicht planbar sind und
  • Beschäftigte ständig unter Zeitdruck setzen.

Wer planbare Wunscharbeitszeiten und Spielräume für eigene Bedürfnisse hat, ist zufriedener - unabhängig davon, ob er in der Produktion, im Einkauf, in der IT oder in der Forschung und Entwicklung arbeitet.

In der Schichtarbeit stimmen gewünschte und tatsächliche Arbeitszeit zwar häufig überein. Aber regelmäßige Wochenendarbeit und Zeitdruck sorgen für Unzufriedenheit. Viele Schichtarbeiter beklagen, dass Schichten kurzfristig angesetzt oder gestrichen werden, was ihre Arbeitszeit weniger planbar macht.

Wer häufig mobil arbeitet, ist mit der Planbarkeit seiner Arbeitszeit und persönlichen Spielräumen zwar meist zufrieden. Dafür sorgen hier lange Arbeitszeiten über 41 Stunden für Unzufriedenheit - genau wie in der Forschung und Entwicklung.


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Schlagworte zum Thema:  Arbeitszeit, Überstunden

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