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Entspannung im Fachkräftemangel?

In vielen Berufen können sich weiterhin die Bewerber das Unternehmen aussuchen - und nicht umgekehrt.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Ein bisschen scheinen Personaler aufatmen zu können: Wie aus dem "Fortschrittsbericht 2014 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung" hervorgeht, finden offenbar deutsche Mittelständler wieder etwas leichter Fachkräfte. Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky hält dies jedoch für illusorisch.

71 Prozent der Unternehmen gaben im vergangenen Jahr laut dem Fortschrittsbericht an, dass es für sie derzeit sehr oder eher schwer sei, neue und ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. 2013 waren es noch 75 Prozent. Die Zahlen schwanken: 2011 waren es 72 Prozent.

Aber die bisherigen Engpässe bleiben in vielen Berufen bestehen. Bei diesen Berufen mit Engpässen an qualifiziertem Nachwuchs ist neu ein Mangel an Altenpflegern hinzugekommen. Mangel herrscht auch im Metallbau, in der Ver- und Entsorgung, bei Klempnern, in den Bereichen Sanitär, Heizung und Klimatechnik - aber auch bei IT-Berufen.

Zukunftsforscher widerspricht vehement

Der Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky widerspricht den entwarnenden Aussagen des Berichts: Die Versprechungen des Fortschrittsberichts seien illusorisch. "2025 wird es drei bis vier Millionen unbesetzte Jobs geben. Deutsche werden bis 75 Jahren arbeiten wollen", erklärt er.

Während die Bundesregierung auf Karriereförderprogramme für Frauen und eine verstärkte Zuwanderung setzt, um den Fachkräftemangel in den Griff zu kriegen, empfiehlt Janszky eine andere Lösung: Die ältere Generation habe eine höhere Lebenserwartung und werde darum auch länger arbeiten.

Das sei auch in deren Sinne, erklärt der Zukunftsforscher: "Wir müssen uns ernsthaft die Frage beantworten, was wir in den 30 Jahren zwischen 60 und 90 tun wollen? 30 Jahre Urlaub? Das ist verdammt langweilig und völlig unbezahlbar. Also werden die Menschen weiter arbeiten wollen. Nach meiner Prognose bis 75 oder 80. Denn Arbeit bringt den meisten von uns Anerkennung und Zugehörigkeit. Darauf wird keiner verzichten wollen."

Schlagworte zum Thema:  Fachkräftemangel, Arbeitsmarkt

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