24.04.2015 | Bologna-Reform

Bachelor-Absolventen: Zuerst gewollt, nun verstoßen

Die Freude über ihren Abschluss können die Bachelor-Absolventen nicht mehr mit den Unternehmen teilen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Von der Bologna-Reform und den damit einhergehenden kürzen Studienzeiten haben sich die Unternehmen vor 15 Jahren einiges versprochen. Wenig überraschend kristallisiert sich nun aber doch heraus, dass die Bachelor-Absolventen nicht alle Erwartungen erfüllen können.

Die Unzufriedenheit der deutschen Unternehmen mit der Praxistauglichkeit von Bachelor-Absolventen lässt sich an den Umfrageergebnissen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) ablesen: Nur 47 Prozent der Unternehmen gaben an, dass Berufseinsteiger mit einem Bachelor-Abschluss ihre Erwartungen erfüllten. 2007 waren noch 67 Prozent aller Firmen mit den Absolventen zufrieden, 2011 immerhin 63 Prozent. Für die Erhebung wurden 2.000 Unternehmen befragt.

Besonders kleine Firmen, Tourismus- und Service-Unternehmen wie Gesundheitsdienstleister sind demnach von den Fähigkeiten der Bachelor-Absolventen enttäuscht. Etwa jedes dritte Unternehmen aus diesen Wirtschaftszweigen wünscht sich eine stärkere Praxisorientierung der Studiengänge.

Bologna-Reform gescheitert?

Der Bachelor ist ein mit der Bologna-Reform von 1999 in mittlerweile 47 Ländern eingeführter akademischer Grad. Er soll der erste berufsqualifizierende Hochschulabschluss sein. In den meisten Fällen hat das Bachelor-Studium nur drei bis vier Jahre Regelstudienzeit. Vor 15 Jahren ging die Wirtschaft noch freudig davon aus, dass damit mehr gute junge Mitarbeiter bereitstehen. Doch die Euphorie hat sich nun stark abgekühlt, wie die DIHK-Umfrage zeigt.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer nannte die Entwicklung besorgniserregend. "Nur 15 Prozent der Betriebe sagen, dass die Bachelor-Absolventen gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sind." Lediglich große Firmen könnten sich "eine Nachqualifizierung in der Regel auch zeitlich und finanziell leisten. Kleine Unternehmen stoßen da schnell an ihre Grenzen." Die Universitäten müssten «in erster Linie dafür sorgen, dass die Bewerber für den Arbeitsmarkt gerüstet sind», sie dürften das nicht auf die Wirtschaft abschieben.

Alter scheint große Rolle zu spielen

Er könne sich vorstellen, "dass die wachsende Unzufriedenheit mit den Bachelor-Kandidaten auch mit dem sinkenden Alter der Absolventen zusammenhängt", sagte Schweitzer. Dagegen seien nämlich die Betriebe mit - in der Regel älteren, weil länger studierenden - Master-Absolventen sehr zufrieden: "78 Prozent sehen ihre Erwartungen in sie erfüllt, 2011 waren es nur 65 Prozent", so die DIHK-Befragung. 

Schlagworte zum Thema:  Bachelor, Arbeitsmarkt, Recruiting, Talent Management

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