Au-pair-Beschäftigung

Zusammenfassung

 

Begriff

Au-pairs sind junge Erwachsene aus dem Ausland, die in einer Gastfamilie tätig sind. Im Vordergrund stehen die Betreuung der Kinder der Gastfamilie sowie leichte Haushaltsarbeiten gegen freie Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld. Die Au-pairs können im Gegenzug eine fremde Sprache erlernen bzw. vorhandene Sprachkenntnisse verbessern und Land und Leute kennenlernen.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: § 1 LStDV und H 19.0 LStH enthalten die Grundaussagen zum steuerrechtlichen Arbeitnehmerbegriff. Zu den lohnsteuerrechtlichen Kriterien einer Au-pair-Tätigkeit s. FG Hamburg, Urteil v. 17.5.1982, VI R 198/79, EFG 1983 S. 21.

Sozialversicherung: Grundlage der versicherungsrechtlichen Beurteilung von Au-pair-Beschäftigungen ist ein Urteil des Bundessozialgerichts (BSG, Urteil v. 29.10.1969, 12 RJ 440/63). Darüber hinaus haben die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung Kriterien zur Behandlung von Au-pairs veröffentlicht (BE v. 12.10.2009: TOP 2).

Lohnsteuer

1 Lohnsteuerliche Behandlung

Ob es sich bei einer Au-pair-Tätigkeit um ein lohnsteuerpflichtiges Beschäftigungsverhältnis handelt, richtet sich ausschließlich nach den lohnsteuerrechtlichen Regelungen; die arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Beurteilung ist unmaßgeblich.

Verrichtet die Au-pair übliche Hausarbeiten gegen ein Taschengeld, führt dies grundsätzlich nicht zu einem lohnsteuerpflichtigen Arbeitsverhältnis, weil eine Au-pair in der Betätigung ihres geschäftlichen Willens nicht unter der Leistung der Gastfamilie steht. Der Zweck des Au-pair-Verhältnisses ist nämlich weder auf das Erhalten der Arbeitskraft für die Hausarbeit noch auf die Möglichkeit zum Geldverdienen ausgerichtet. Im Vordergrund steht das gegenseitige Kennen- und Verstehenlernen zwischen Menschen verschiedener Nationen ohne großen finanziellen Aufwand. Im Übrigen ist die Au-pair auch nicht geschäftlich in den Haushalt der Gastfamilie eingeordnet, sodass sie verpflichtet wäre, den Weisungen des Haushaltsvorstands zu folgen.

Steht allerdings die Hilfe im Haushalt der Gastfamilie im Vordergrund, so ist die Gegenleistung als Arbeitslohn zu behandeln.

Sozialversicherung

1 Sozialversicherungsrechtliche Beurteilung

Die Au-pair-Tätigkeiten müssen grundsätzlich im Einzelfall daraufhin geprüft werden, ob eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ausgeübt wird. Von einem Betreuungsverhältnis besonderer Art – und damit nicht von einer Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt – ist auszugehen, wenn ein Au-pair

  • wie ein eigenes Kind in die Gastfamilie aufgenommen ist,
  • ohne feste Arbeitszeit nur gelegentlich im Haushalt mithilft und
  • neben freier Unterkunft und Verpflegung ein Taschengeld erhält, das monatlich 260 EUR nicht überschreitet.

Sofern die vorgenannten Voraussetzungen alle erfüllt werden, liegt keine Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung vor. Damit fallen keine Sozialversicherungsbeiträge für das Au-pair an.

Unabhängig hiervon muss das Au-pair im Krankheitsfall abgesichert sein, sodass ggf. der Abschluss einer privaten Krankenversicherung erforderlich ist.

2 Geringfügige Beschäftigung

Liegt kein Betreuungsverhältnis besonderer Art, sondern eine Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt vor, kommt eine geringfügig entlohnte Beschäftigung für Au-pairs grundsätzlich in Betracht. Bei Au-pairs sind die Regelungen für geringfügig Beschäftigte in Privathaushalten anzuwenden, da ihre Beschäftigung durch einen privaten Haushalt begründet wird und die Tätigkeiten sonst gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden (z. B. Kinderbetreuung, Wäsche waschen, Zubereiten von Mahlzeiten). Für geringfügige Beschäftigungen in Privathaushalten ist das sog. Haushaltsscheck-Verfahren obligatorisch, sodass Zuwendungen unberücksichtigt bleiben, die nicht in Geld gewährt werden. Demzufolge sind die Sachbezugswerte für freie Unterkunft und Verpflegung nicht dem Arbeitsentgelt zuzurechnen. Das monatliche Arbeitsentgelt von Au-pairs in Form des Taschengeldes i.  H.  v. 260 EUR überschreitet daher nicht die Geringfügigkeitsgrenze in Höhe von 450 EUR.

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