12.04.2016 | AGG

Zulässige Benachteiligung in Stellenanzeigen

Auf der Suche nach einem neuen Job: Ein Mann fühlte sich durch eine Stellenanzeige für Verkäuferinnen diskriminiert.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Mit der Überschrift "Frauen an die Macht" in einer Stellenanzeige hat ein Autohaus die Werbetrommel für Verkäuferinnen gerührt. Die Entschädigungsklage eines abgelehnten männlichen Bewerbers lehnte das Arbeitsgericht Köln jedoch ab und entschied: Die Benachteiligung des Mannes sei zulässig.

In einem aktuellen Fall hatte sich das Arbeitsgericht Köln mit einer eher außergewöhnlichen Stellenanzeige zu beschäftigen. Recht klar brachte darin ein Autohaus bereits in der Überschrift zum Ausdruck, dass männliche Bewerber für die offene Verkäuferstelle nicht erwünscht sind. „Frauen an die Macht“ titelte das Stellenangebot.

Text in Stellenanzeige diskriminierend

Auch der weitere Text war eindeutig: "Zur weiteren Verstärkung unseres Verkaufsteams suchen wir eine selbstbewusste, engagierte und erfolgshungrige Verkäuferin." Der Hintergrund für die Stellenanzeige war, dass bei dem Autohaus ausschließlich männliche Verkäufer angestellt waren.

Schließlich kam es wie es – erwünscht – kommen musste: Auf die Anzeige hin hat das Autohaus auch eine Verkäuferin eingestellt. Ein abgelehnter männlicher Bewerber fühlte sich dadurch jedoch als Mann benachteiligt und machte vor dem Arbeitsgericht Köln eine Entschädigung geltend.

Arbeitsgericht: Unterschiedliche Behandlung zulässig

Das Gericht hat nun jedoch entschieden: Die konkrete Stellenanzeige begründet keinen Entschädigungsanspruch. Zwar enthalte Stellenanzeige einen Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot, da sie sich nur an Verkäuferinnen richte. Die unterschiedliche Behandlung sei aber ausnahmsweise zulässig, wenn der Arbeitgeber das Ziel verfolge, seinen Kunden Verkaufsberater beider Geschlechter zur Verfügung zu stellen.

Und genau dies sei hier laut Arbeitsgericht der Fall. Der Arbeitgeber hatte angeführt, der Frauenanteil unter den Kunden liege bei 25 bis 30 Prozent. Bestimmte Einstiegsmodelle seien sogar bei Frauen besonders gefragt und: Einige Kunden hätten bereits ausdrücklich nach einer Verkäuferin gefragt. Grund genug für das Arbeitsgericht Köln, die unterschiedliche Behandlung zu akzeptieren.

Schlagworte zum Thema:  Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), Diskriminierung, Benachteiligung

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