11.07.2012 | Mobile Verwaltung

Brandenburgs erste rollende Amtsstube

Bild: PhotoAlto

Brandenburgs erste rollende Amtsstube hat am Montag in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) den Betrieb aufgenommen. Bürger aus den 18 Orts- und sieben Gemeindeteilen können jetzt vor der Haustür Personalausweise und Reisepässe beantragen, aber auch neue Dokumente abholen und wichtige Formulare erhalten.

«Wir haben einen alten Feuerwehr-Bus umgebaut, eine Richtfunkantenne angebaut und können über mobiles Internet auf Datennetze der Verwaltung zugreifen», sagte Ordnungsamtschef Holger Schönberg. Das Innenministerium unterstützte die dreijährige Entwicklungszeit in einem Pilotprojekt. Mobile Verwaltungsangebote seien «ein zwingend notwendiger Schritt». Nicht zuletzt angesichts sinkender Bevölkerungszahlen werden auf dem Land Lösungen gebraucht, die für Bürger aber auch Verwaltungen die Wege und den Zeitaufwand verkürzten, erklärte Innenstaatssekretär Rudolf Zeeb.

Wittstock gilt mit 417 Quadratkilometern als die Stadt mit der deutschlandweit größten Fläche. «Bei uns kommen ganze 37 Einwohner auf einen Quadratkilometer“, sagte der Wittstocker Ordnungsamtschef Holger Schönberg. Manche Ortsteile liegen, bis zu 20 Kilometer von der Kernstadt entfernt. Für Ältere, die über kein Auto verfügen, sei die Fahrt zum Amt oft eine Tagesreise. «Wir wollten aber raus aus der Amtsstube und ran an die Bürger», erklärte Schönberg.
Hauptproblem im Norden Brandenburgs sei zunächst die Versorgung mit mobilem Internet gewesen. «Der UMTS-Standard hat nicht ausgereicht», erklärte der Ordnungsamtsleiter. Wegen den hohen Sicherheitsanforderungen wurde ein leistungsfähiges Netz mit hoher Bandbreite benötigt. Mobilfunk der vierten Generation brachte dann die Wende. Zwei Unternehmen brachten vor kurzem - unabhängig voneinander - LTE (Long Term Evolution) in die Ostprignitz. «Jetzt konnten wir starten», sagte Schönberg.

Die rollende Amtsstube erfuhr bereits am ersten Arbeitstag regen Zuspruch. In vier Stunden wurden am Montag in den Wittstocker Ortsteilen Biesen und Freyenstein fünf neue Ausweise beantragt und 35 Adressänderungen vorgenommen.
Für das Innenministerium ist das Wittstocker Modell ein Projekt zur Nachahmung. Wittstock sollte mit seinen Erfahrungen möglichst schnell und breit im Land Schule machen, erklärte Staatssekretär Zeeb. Sicherlich können die Erfahrungen auch in anderen Bundesländern genutzt werden.

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