Bürokratieabbau und Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung
Während die Befragten in einer bundesweiten YouGov-Umfrage beim Bürokratieabbau teilweise sogar Rückschritte sehen, zeigen sich die bayerischen Bürger mit dem Stand der Digitalisierung und den digitalen Services in ihren Kommunen und Landkreisen überwiegend schon recht zufrieden – erkennen in der Mehrheit aber auch hier noch deutlichen Nachholbedarf.
Bürokratieabbau noch nicht erkennbar
Fast ein Jahr nach dem Regierungswechsel sieht die große Mehrheit der Deutschen keinen nennenswerten Fortschritt beim Bürokratieabbau, einen der wichtigsten Ziele der Union-SPD-Koalition. Im Gegenteil sogar: Mehr als ein Fünftel (22 Prozent) meint sogar, dass der bürokratische Aufwand seit dem Beginn der neuen Regierung gestiegen sei. Das zeigt eine YouGov-Umfrage im Auftrag des European Center for Digital Competitiveness an der ESCP Business School, die zwischen dem 27. März und dem 30. März 2026 durchgeführt wurde. 66 Prozent der befragten Bürger hatten den Eindruck, dass der bürokratische Aufwand ungefähr gleichgeblieben sei. Lediglich vier Prozent waren der Auffassung, dass der bürokratische Aufwand seit Mai 2025 gesunken sei.
Unternehmen bewerten noch negativer
Noch negativer bewerteten die Unternehmen die aktuelle Situation. Von den 558 Firmeninhabern, Geschäftsführern und leitenden Managern, die von YouGov interviewt wurden, waren 31 Prozent der Meinung, dass der bürokratische Aufwand jetzt größer sei als vorher, neun Prozent mehr als bei der Bürger-Umfrage. 63 Prozent sahen keine Veränderung, gerade einmal vier Prozent der Führungskräfte nahmen eine Reduzierung der Bürokratielast wahr.
Umfrage Digitalisierung
Die Bayerische Verwaltungsschule (BVS) führt Umfragen und Analysen durch, um den digitalen Wandel in den bayerischen Kommunen zu gestalten, den Fortbildungsbedarf in den dortigen Behörden zu ermitteln und das Bildungsangebot dementsprechend anzupassen. In ihrer neuen Umfrage sollte die Zufriedenheit und das Nutzerverhalten der bayerischen Bürger mit den digitalen Angeboten und Services ermittelt werden – und damit indirekt auch mit dem bürokratischen Aufwand, der bei der Wahrnehmung von Verwaltungsleistungen zu bewältigen ist. Die wichtigsten Ergebnisse der Anfang April vorgestellten Studie sind:
- 70 Prozent der Bayern sahen die Digitalisierung in ihrer Verwaltung positiv.
- Zwei Drittel möchten ihre Anliegen möglichst nur online erledigen. Dieser Wunsch nimmt mit steigendem Alter ab, doch selbst bei Menschen über 65 Jahren äußerten sich noch eine Mehrheit positiv. Am höchsten war die Zustimmung bei Beschäftigten in Vollzeit (56 Prozent) und Selbständigen (62 Prozent).
- Jeder fünfte Befragte gab an, digitale Angebote seiner Gemeinde bereits sehr oft oder oft zu nutzen. 62 Prozent bezeichneten sich als Gelegenheitsnutzer.
- Fast ein Viertel der Befragten fühlten sich schon mit bisherigen digitalen Behördendiensten technisch „überfordert“. Hier zeigt sich besonders ein Gefälle zwischen den Generationen
- 51 Prozent forderten konkret, dass ihre Gemeinde deutlich mehr digitale Dienste anbieten sollte.
- Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz befürworten 59 Prozent deren Nutzung für automatische Formularbearbeitung. Aber drei Viertel fordern vollständige Informationen über jeden KI-Einsatz.
Gute Erfahrungen, dennoch Nachholbedarf
Generell berichteten sechs von zehn Befragten, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal aktiv Kontakt zu ihrer Verwaltung aufgenommen zu haben, sei es telefonisch, persönlich oder online. Und 58 Prozent zeigen sich mit den dabei gemachten Erfahrungen zufrieden, 31 Prozent sogar sehr zufrieden. Nur elf Prozent waren unzufrieden. Jedoch beklagten auch viele Befragte, dass verfügbare Termine und Öffnungszeiten es für sie schwierig machten, ihre Anliegen zu erledigen. Für den Verwaltungen bedeutet dies unter anderem, so schlussfolgert die Bayerische Verwaltungsschule, die digitalen Angebote und Leistungen weiter auszubauen, damit Termine problemlos wahrgenommen werden können. Dies ist im Einklang mit dem Befund der Umfrage, nach dem knapp über die Hälfte der Befragten noch deutlichen Nachholdbedarf bei der Digitalisierung sahen.
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