Digitalisierung der Verwaltung

„ThemenRadar 2026“: Meinungen so ambivalent wie die Verwaltungsdigitalisierung selbst


ThemenRadar 2026 Ergebnisse der Umfrage

Eine Anfang März 2026 veröffentlichte Umfrage des Fraunhofer FOKUS-Instituts und des „Behörden Spiegels“ unter Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung zeigt: In den Behörden werden Digitalthemen immer wichtiger – allen voran Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz. Die Ergebnisse des „ThemenRadar 2026“ zeichnen insgesamt ein differenziertes und teilweise sogar ambivalentes Bild – korrespondierend zu den sehr unterschiedlichen Trends und Entwicklungen, welche die Verwaltungsmodernisierung bis heute prägen.

Die Ergebnisse der aktuellen Erhebung „ThemenRadar 2026“ wurden im Rahmen des Kongresses „Digitaler Staat“ vorgestellt. Die Umfrage selbst wurde zwischen dem 13. und 28. Februar 2026 durchgeführt, wobei sich 341 Informanten beteiligten – vor allem Beschäftigte aus Kommunal‑, Landes‑ und Bundesverwaltung, aber auch aus Wirtschaft, Forschung, Politik und Zivilgesellschaft. Beim „ThemenRadar“ handelt es sich um eine jährliche Umfrage des Kompetenzzentrums Öffentliche IT (ÖFIT) am Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Kooperation mit dem „Behörden Spiegel“.

Top-Themen des „ThemenRadar 2026“

Das zentrale Ergebnis der diesjährigen Umfrage: Digitalthemen werden im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung immer bedeutsamer. Das wichtigste Einzelthema dabei sei die Cyber- und Informationssicherheit, dicht gefolgt von der Künstlichen Intelligenz. Aber auch Datenmanagement, Resilienz, Verfahrensautomatisierung sowie digitale Souveränität zählten zu den Bereichen, von denen die Beschäftigten erwarteten, dass sie in den kommenden Jahren eine immer größere Relevanz erhalten.

KI zunehmend Alltagstechnologie

Besonders sichtbar sei der Bedeutungszuwachs der KI im Arbeitsalltag. Der Anteil der Beschäftigten, die generative KI gar nicht nutzen, sei laut Umfrage inzwischen auf 18 Prozent gesunken. Gleichzeitig stellten Behörden ihrem Personal zunehmend eigene Tools bereit: Bereits 44 Prozent der Befragten berichteten, dass von den Arbeitgebern behördenspezifische Anwendungen zur Verfügung gestellt werden. Ein Wegfall solcher Werkzeuge hätte für viele der Beschäftigten spürbare Folgen. Drei Viertel der Befragten erwarteten, dass sich ohne generative KI vor allem die Geschwindigkeit der Bearbeitung deutlich verringern wird.

„Durchstarter“-Themen 2026

Neben diesen etablierten Themen identifizierte der „ThemenRadar“ auch mehrere „Durchstarter“-Themen, die laut den befragten Informanten in den kommenden Jahren einen beträchtlichen Bedeutungszuwachs erfahren. Dazu zählen insbesondere Cloud-Lösungen, digitaltaugliches Recht, Registermodernisierung, elektronische Identitäten sowie Open-Source-Ökosysteme.

Differenzierte Bewertung

Insgesamt war die Bilanz der Befragten über die digitale Verwaltungsmodernisierung differenziert, teilweise sogar ambivalent. Positiv sahen viele Informanten zahlreiche Handlungsfelder der betrieblichen Praxis, etwa die digitale Wohnsitzanmeldung, die Einführung der E-Akte oder der Nutzung von Open-Source-Software. Auf der strategischen Ebene wurde insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen positiv gesehen. Gleichzeitig zeigte sich aber in der Bewertung von konkreten Initiativen in der Kooperation der unterschiedlichen Verwaltungsebenen, wie etwa der Deutschland-Stack, noch viel Skepsis. Auch insgesamt wurden die Erfolge der digitalen Transformation eher kritisch gesehen. Begriffe wie „langsam“, „schleppend“ oder „mühsam“ wurden oft genannt. Zwar wurden moderate Verbesserungen etwa bei Interoperabilität, digitaler Souveränität oder der Effizienz der Verwaltung erwartet, wie diese konkret aber aussehen würden, konnten die Befragten zum Großteil nicht klar beantworten.

„Sanfte“ KI-Einführung

Die Beschäftigten wurden auch gefragt, wie sich der Einsatz von KI bei der täglichen Arbeit auswirkt. Die KI steigere laut den Befragten vor allem Tempo und Problemlösung. Aspekte wie Arbeitsfreude, Ergebnisqualität oder emotionale Unterstützung spielten eine deutlich geringere Rolle. Dabei erfolge die Einführung von KI überwiegend „sanft“, d.h. die Bereitstellung von KI‑Tools werde meist durch Leitfäden, Fortbildungen und „Nutzungsermunterungen“ durch die Vorgesetzten vorbereitet und eingeleitet. Verpflichtende Tests oder Nutzungszwang seien die Ausnahme – und offenbar auch nicht notwendig, um Akzeptanz zu erreichen.

Mehr zu den Ergebnissen des "ThemenRadar 2026" finden sie hier.


Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung , Öffentlicher Dienst
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