Serielle Sanierungen vergaberechtlich korrekt umsetzen
Mit seriellen Sanierungen soll der Gebäudebestand schnell und kosteneffizient modernisiert werden. Während bisher vor allem die private Immobilienwirtschaft auf den Zug aufspringt, zögern die öffentliche Hand und viele kommunale Wohnungsunternehmen noch. Ein Grund: Die Komplexität des Vergaberechts.
Das PropTech-Startup Ecoworks und die Kanzlei CBH Rechtsanwälte haben nun einen praxisnahen Leitfaden entwickelt, der zeigt, dass das Vergaberecht mehr Flexibilität für innovative Projekte bietet, als oft angenommen.
Vergaberecht: Zentrale Fragen für serielle Sanierungen
"Viele der häufig genannten Problemfelder sind bei genauer Betrachtung kein Grund, von einer seriellen Sanierung abzusehen", sagt Prof. Dr. Stefan Hertwig, Partner bei CBH. Diese zentralen rechtlichen Fragen werden in dem Leitfaden beantwortet:
- Ist der Dialog mit Anbietern vor der Ausschreibung erlaubt?
- Wie schreibt man eine serielle Sanierungsleistung aus?
- Warum muss der Auftrag nicht in einzelne Lose aufgeteilt werden?
"Mit diesem Leitfaden wollen wir den Vergabestellen die Sorge vor rechtlichen Fallstricken nehmen und die praktischen Spielräume aufzeigen, die das geltende Recht für mutige Innovationen bietet", so Emanuel Heisenberg, Gründer und CEO beim Generalübernehmer Ecoworks, einem der Pioniere für serielle Sanierungen in Deutschland.
Wann überhaupt ausgeschrieben werden muss, hängt zum einen von bestimmten Schwellenwerten ab, zum anderen davon, wer öffentlicher Auftraggeber ist. Was ausgeschrieben wird, bestimmt die Vergabestelle. Um die Potenziale in Qualität, Zeit und Kosten zuverlässig zu heben, empfehlen die Autoren in ihrem Fazit die Vergabe als funktionale Ausschreibung im Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb.
Vergaberechtliche Risiken – wie eine mögliche Vorbefassung von Marktteilnehmern, die Pflicht zur Losvergabe oder eine eingeschränkte Wahlfreiheit bei der Leistungsbeschreibung – lassen sich durch gezielte Maßnahmen vermeiden oder rechtssicher handhaben.
Lösungsbausteine für serielle Sanierung
Außerdem wird in dem Papier der Prozess der seriellen Sanierung mit verschiedenen Lösungsbausteinen erklärt. Durch digitale Planung auf Basis von 3D-Scans und industrieller Vorfertigung passgenauer Fassaden- und Dachelemente können den Experten zufolge bis zu 80 Prozent der Wertschöpfung von der Baustelle in die Fabrik verlagert werden. Das kann Bauzeiten stark verkürzen und Kostensicherheit bieten – ideal für typische Gebäudebestände der 1950er bis 1980er Jahre, so die Autoren des Leitfadens.
Kommunale Wohnungsunternehmen können den "Leitfaden für die Erteilung öffentlicher Aufträge über die serielle Sanierung" kostenlos bei Ecoworks anfordern.
Hören Sie auch in den L'Immo-Pocast zum Thema:
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